Newsticker

RKI meldet fast 15.000 Infizierte innerhalb eines Tages
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Ärger bei Gästen und Pendlern

Lokführerstreik

21.05.2015

Ärger bei Gästen und Pendlern

Bus statt Bahn – wenn er denn kam: Am Bahnhof Bad Wörishofen herrschte gestern erhebliche Verwirrung. Denn neben Zügen fuhren auch angekündigte Ersatzbusse nicht, beklagten Fahrgäste.
4 Bilder
Bus statt Bahn – wenn er denn kam: Am Bahnhof Bad Wörishofen herrschte gestern erhebliche Verwirrung. Denn neben Zügen fuhren auch angekündigte Ersatzbusse nicht, beklagten Fahrgäste.
Bild: Maria Schmid

Die Kurstadt Bad Wörishofen werde die Auswirkungen finanziell zu spüren bekommen, befürchtet man beim Fahrgastverband. Die Bahn-Expertin sieht ab Samstag noch größere Probleme auf Reisende zukommen

Die Pfingstferien nahen und der mittlerweile neunte Streik der Lokführergewerkschaft GDL dauert an – auf unbestimmte Zeit. „Finanziell trifft das mit Sicherheit auch Bad Wörishofen“, glaubt Michael Scharpf. Er ist Regionalbeauftragter des Fahrgastverbandes Pro Bahn und lebt selbst in der Kneippstadt. „Rund 30 Prozent unserer Gäste reisen immer noch mit der Bahn an“, berichtet Scharpf. „Jetzt bleibt bestimmt so mancher zuhause, weil er nicht sicher sein kann, sein Urlaubsziel überhaupt erreichen zu können.“ In Bad Wörishofen wiederum tue „in wirtschaftlich angespannten Zeiten“ jeder ausbleibende Gast weh.

Am Bahnhof samt Busbahnhof war die Verwirrung gestern groß. Zwar gab es einen Ersatzfahrplan, doch nicht alle Verbindungen klappten auch. Die geplanten Züge fuhren nicht. Das Informationsband am Bahnsteig zeigte die Streichungen an. Die Busse, die zum Ersatz eingesetzt werden sollten, fuhren ebenfalls nicht. Noch am Dienstagabend um 18.30 Uhr waren Regionalbusse der RBA aus Augsburg als Ersatz angekündigt worden. Ein Fahrgast, der namentlich nicht genannt werden möchte, sagte: „Das ist eine Unverschämtheit“. Ein reines Machtspiel sei das nur noch. Die Kurgäste Irmgard und Rainer Pilger aus der Nähe von Heidelberg sind ebenfalls sehr verärgert. Sie fuhren schließlich mit dem Linienbus nach Mindelheim um von dort ihre Heimreise anzutreten. Claudia Meiners bedauert die Pendler, vor allem die Schüler, die auf den Zug angewiesen seien.

Streikerfahren ist man mittlerweile auch beim Kur- und Tourismusbetrieb Bad Wörishofen. Bis gestern lagen zwar noch keine Beschwerden vor. „Bei den vergangenen Streiks haben wir viele verärgerte Gäste am Schalter erlebt“, berichtet Kurdirektor Horst Graf. „Die häufigsten Situationen waren, dass Gäste einfach nicht nach Hause fahren konnten, da die Bahn keine sichere Auskunft zu Abfahrtszeiten geben konnte“, sagt der Kurdirektor. Diese Gäste waren gezwungen zu verlängern.“ Zudem seien Gäste auf der Anreise in die Kneippstadt durch die zahlreichen Zugausfälle und Umleitungen Stunden länger als geplant unterwegs gewesen. Ein Ehepaar aus dem Frankfurter Raum etwa sei nach langen Wartezeiten erst nach Kaufbeuren umgeleitet worden und von dort aus dann mit dem Taxi doch noch nach Bad Wörishofen gelangt. „Diese Gäste waren weit über 80 Jahre, man kann sich vorstellen wie beschwerlich diese Anreise mit schweren Koffern für sie war“, sagt Graf. Ein erholsamer Urlaub beginnt anders.

Eike Reifgerste vom Bahnschalter der Deutschen Bundesbahn im Tui-Reisecenter Bad Wörishofen kann da auch nicht immer helfen, auch wenn sie es gerne würde. Sie erhielt bis zum Dienstagabend keinerlei konkrete Auskunft über Fahrplanänderungen. Nicht einmal im Internet habe es Daten gegeben, klagt sie. Am späten Abend, lange nach Dienstschluss, sei es ihr dann mit der Bahn-App des Handys ein paar Informationen aufzutun. Sie könne die Kunden bei einer derartigen Inforamtionslage nicht vernünftig beraten, sagt Reifgerste. Also muss sie Reisende auch auf die „Streikhotline“ 08000/996633 verweisen. Reifgerste schwant zudem noch Schlimmeres: Das nächste Problem stehe schon vor der Türe, berichtet sie. Die DB Regio AG plane in der Zeit von Samstag, 23. Mai, bis Freitag, 5. Juni, Arbeiten auf der Strecke München-Buchloe. Angekündigt wurden bereits geänderte Fahrzeiten, einzelne Zugausfälle (München-Geltendorf), Schienenersatzverkehr und ein zusätzlicher Halt in Buchenau. Das sei schon schwierig genug. Doch, was geschehe mit den Fahrgästen, wenn der Streik dann noch weiter andauert, fragt Reifgerste. Kurdirektor Graf sagt, man habe die Erfahrung gemacht, dass „die Geduld und das Verständnis der Reisenden für die Lokführer erschöpft ist.“

Ähnlich sieht das auch Michael Scharpf aus Bad Wörishofen. Er ist der Regionalbeauftragte des Fahrgastverbandes Pro Bahn. „Wir hätten es außerordentlich begrüßt, wenn die Fahrgäste der Deutschen Bahn im Nah- und Fernverkehr endlich von den Streiks der GDL verschont geblieben wären“, sagt Scharpf. Stattdessen werde nun erneut „und unkalkulierbar lang“ gestreikt. „Wir erwarten von der GDL und vom Bahnvorstand, dass sie an den Verhandlungstisch zurückkehren und ernsthaft das Ziel anstreben, weitere Streiks abzuwenden“, fordert Scharpf. „Die Gewerkschaft der Lokführer dürfen nicht länger kompromisslos alle Einigungsvorschläge vom Tisch wischen.“

Scharpf befürchtet weitreichende Folgen. „So wie sich die GDL aktuell verhält, schadet sie massiv dem Verkehrsmittel Eisenbahn und gefährdet dadurch auch die eigenen Arbeitsplätze, treibt die Fahrgäste in Scharen zur Fernbuskonkurrenz oder auf die Straße.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren