1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Albert Schweitzer statt Pfarrer Kneipp?

Schule

26.07.2018

Albert Schweitzer statt Pfarrer Kneipp?

Copy%20of%20IMG_2433.tif
2 Bilder
Mitten in Bad Wörishofen ist die Pfarrer-Kneipp-Grund- und Mittelschule beheimatet.
Bild: Heinrich

Weil die Ettringer Grund- und Mittelschule zu wenige Schüler hat, sollen möglicherweise Kinder aus Bad Wörishofen dorthin zum Unterricht gebracht werden.

Gut 13 Kilometer liegen zwischen der Pfarrer-Kneipp-Grund- und Mittelschule in der Kaufbeurer Straße in Bad Wörishofen und der Albert-Schweitzer-Grund- und Mittelschule in Ettringen. Mit dem Bus sind das etwa 20 Minuten Fahrzeit. Zwischen den beiden Schulen liegen aber trotzdem Welten: Während an der Pfarrer-Kneipp-Schule rund 600 Buben und Mädchen unterrichtet werden, drücken in Ettringen nur rund 240 Kinder in der Grund- und Mittelschule die Schulbank. Daher könnte im nächsten Schuljahr eine „Verbundlösung“ greifen, die schon im Jahr 2009 beschlossen wurde, um die Schulstandorte in allen drei Kommunen zu sichern. Denkbar ist ein „Schülertransfer“ von Kindern aus Bad Wörishofen nach Ettringen. Gestern Nachmittag trafen sich die Schulleiter mit den Bürgermeistern der betroffenen Orte, um gemeinsam einen Weg zu finden. Über das Ergebnis war bis Redaktionsschluss nichts zu erfahren.

Hintergrund dieser Verbundversammlung: Die Ettringer Dorfschule kämpft ums Überleben und nicht nur Ettringens Bürgermeister Robert Sturm (CSU) verteidigt den Schulstandort Ettringen mit allen Mitteln. Die Ettringer Schule unter der Leitung von Rektorin Anna Neumayer hat einen ausgezeichneten Ruf, auch wegen ihrer modernen Ausstattung, einer schönen Schulturnhalle und der ruhigen Lage mitten im beschaulichen Ortskern von Ettringen. Auch das Angebot „9+2“ gilt als „Modellprojekt“ und nicht zuletzt loben viele Eltern das pädagogische Engagement der Ettringer Lehrer, die sich ihren Schülern in kleinen Klassen intensiv und persönlich widmen können.

Und dennoch steht die Zukunft der Albert-Schweitzer-Grund- und Mittelschule immer wieder auf dem Prüfstand – vor allem dann, wenn sich in manchen Jahrgängen zu wenige Schüler für eine Klasse anmelden. Dies ist offenbar auch im kommenden Schuljahr so – wie die MZ erfuhr, sind für eine 10. Klasse bislang sogar nur zehn Schüler angemeldet.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Daher soll jetzt der „Verbundvertrag“ aus dem Jahr 2009 helfen, den die drei Grund- und Mittelschulen in Ettringen, Bad Wörishofen und Türkheim damals geschlossen hatten. Vorsitzende dieses Schulverbundes ist die Rektorin der Türkheimer Grund- und Mittelschule, Barbara Engel. Sie war für eine Stellungnahme gestern nicht erreichbar. Grund für den Schulverbund war damals wie heute: Kleinere Schulen mit weniger und/oder stark schwankenden Anmeldezahlen sollten so in ihren Bestand geschützt werden. Betroffen sind vor allem die 5. und 9. Klassen.

Nun muss geklärt werden, woher diese Schüler kommen könnten. Dabei fiel der Blick schnell auf die Pfarrer-Kneipp-Grund- und Mittelschule in Bad Wörishofen, wo fast 600 Buben und Mädchen ausgebildet werden. In einem Brief an die Eltern teilte Schulleiter Günter Blasini jüngst mit, dass seine Schule auch im bevorstehenden Schuljahr ab September fünf 1. Klassen stellen könne und auch in der 2. Jahrgangsstufe dann fünfzügig sei. „Damit haben wir jetzt bestmögliche Lernvoraussetzungen für unsere Kinder“, heißt es in dem Elternbrief.

Blasini weist in diesem Schreiben aber auch darauf hin, dass aufgrund des Verbundvertrages von der Bad Wörishofer Schule „Schüler unserer zukünftigen 5. Jahrgangsstufe und unserer zukünftigen 9. Jahrgangsstufe nach Ettringen abgegeben“ werden sollen. „Das würde bedeuten, dass wir sowohl in der 5. Jahrgangsstufe als auch in der 9. Jahrgangsstufe jeweils eine Klasse verlieren“, heißt es wörtlich in dem Elternbrief.

Für Günter Blasini ist es daher auch „nicht nachvollziehbar“, dass das Interesse der betroffenen Eltern an diesem Thema offenbar sehr gering ist. Dies gehe für ihn aus dem „extrem schlechten Besuch“ eines Info-Abends klar hervor. „Das ist für mich ein Zeichen des Einverständnisses des ’Schülertransfers“, so Blasini. Dies mache dann die Auswahl der Schüler, die dann nach Ettringen gehen, „deutlich leichter“, so der Schulleiter.

Offenbar hat er sich auch über Äußerungen von Eltern geärgert, wie aus dem Elternbrief unschwer herauszulesen ist: „Eine Mutter wies noch darauf hin, dass die Schule in Ettringen viel schöner hergerichtet und wesentlich besser ausgestattet wäre als unsere“, schreibt Blasini und schließt daraus: „Deutlicher kann ein Appell an die Verantwortlichen unserer Stadt nicht formuliert sein“.

Er bedanke sich ausdrücklich bei den Mitgliedern des Elternbeirates der Grundschule, die sich laut Blasini „an diesem Abend für unsere Kinder stark gemacht haben, obwohl sie selbst von diesen Maßnahmen überhaupt nicht betroffen sind“. Auch gegenüber der Mindelheimer Zeitung machte Günter Blasini vor der gestrigen Schulverbandssitzung keinen Hehl daraus, dass er von dem geplanten „Schülertransfer“ von seiner an die Ettringer Schule nicht viel hält: „Ich hoffe, dass es nicht dazu kommt“, sagte er. Mehr wolle er angesichts der bevorstehenden Gespräche aber auch nicht sagen.

Für die Existenznöte der kleinen Ettringer Schule hat er durchaus Verständnis, doch in einem Schülertransfer sieht er nicht die richtige Lösung: „Letztlich ist dies aber die Entscheidung der Eltern“. Eine solche Auswahl steht den Eltern üblicherweise nicht zur Verfügung: Wo Schüler die Schulbank drücken müssen, wird üblicherweise über einen streng festgelegten Schulsprengel geregelt, der Ausnahmen kaum zulässt. Durch den alten „Verbundvertrag“ sei der Schulsprengel in diesem Fall aber nicht wirksam. An der Pfarrer-Kneipp- Grund- und Mittelschule bestehen laut Blasini aber keinerlei Platzmängel und auch die pädagogische Qualität stehe außer Frage: Im Schnitt wechseln gut 90 Prozent der Viertklässler von hier an weiterführende Schulen. An anderen Schulen liege der Schnitt bei etwa 70 Prozent.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20ug1910573_Josef_Koller.tif
Schule

Eine Lesung der besonderen Art

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen