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Klimaschutz

03.02.2020

Alles eine große Mogelpackung?

Der Batteriespeicher von Albert Prestele in Bad Wörishofen bei der Arbeit. Das Display zeigt unter anderem die aktuelle Stromzufuhr des Geräts an.
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Der Batteriespeicher von Albert Prestele in Bad Wörishofen bei der Arbeit. Das Display zeigt unter anderem die aktuelle Stromzufuhr des Geräts an.

Batteriespeicher werden als Beitrag zum Umweltschutz verkauft. Aber halten die Versprechungen? Ein Hausbesitzer macht in Bad Wörishofen eine ernüchternde Rechnung auf

Mit der Schwedin Greta Thunberg stieg die Klimadebatte voriges Jahr weltweit zum Top-Thema auf. Die vom Menschen verursachte Erwärmung des Planeten streiten inzwischen nur noch wenige Unbelehrbare ab. Zu erdrückend sind die Daten. Was aber kann jeder einzelne tun, um den weiteren Anstieg der Erderwärmung abzumildern? Albert Prestele aus Irsingen hat sich bereits im Herbst 2017 überzeugen lassen und gehandelt: Den Strom selber über eine Photovoltaikanlage produzieren, ihn speichern und bei Bedarf nutzen und so autark vom Stromnetz werden.

Das klang alles sehr überzeugend. Der heute 73-Jährige ließ in sein Haus in Bad Wörishofen, in dem mehrere Mieter leben, eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher einbauen. Längst hat er nachgerechnet und musste ernüchtert feststellen: Bei der Wirtschaftlichkeit hapert es gewaltig. Sein Fazit: Wer sich einen Batteriespeicher in den Keller stellt, zahlt drauf.

Sein Speicher hat eine Nettokapazität von 6,9 kWh. Bei großzügig angenommenen 250 Sonnentagen im Jahr werden dabei 1725 kWh Strom gespeichert. Bei einem Strompreis von 31 Cent je KWh ergibt dies jährlich 534,75 Euro. In zehn Jahren, wenn die Lebensdauer dieser Batterie zu Ende geht, sind das 5347,50 Euro. „Wenn ich diesen Strom ins Netz einspeise, bekomme ich dafür elf Cent je Kilowattstunde“, sagt Prestele. In zehn Jahren sind das dann 1897,50 Euro. Mit dem Speicher erzielt er somit einen Mehrertrag von 3450 Euro. Und Prestele rechnet weiter vor: Sollte der Strompreis auf 61 Cent je Kilowattstunde steigen, was er für sehr unwahrscheinlich hält, dann beträgt der Mehrertrag in zehn Jahren 8625 Euro. Das ist dann immer noch ein Verlustgeschäft von 3375 Euro, weil der Speicher ja 12.000 Euro gekostet hat. Beim aktuellen Strompreis entspreche das einem Verlust von 8550 Euro. Nicht berücksichtigt ist bei der ganzen Rechnung, dass die Herstellung des Batteriespeichers Energie kostet und die spätere Entsorgung die Umwelt belastet.

Alles eine große Mogelpackung?

Prestele ist stellvertretender Vorsitzender von Haus & Grund Mindelheim. Der Verein hat 1200 Mitglieder und deshalb fühlt er sich verpflichtet, diese Mitglieder und andere Hauseigentümer darauf aufmerksam zu machen, dass die derzeitige Batterietechnik zu einem Verlust führt. Wenn sich jemand trotz dieses Wissens dafür entscheidet, ist das für ihn völlig in Ordnung. Es mag auch sein, dass diese Technik sich verbessert und dann auch rechnet. Derzeit sei das aber definitiv nicht der Fall.

Prestele war viele Jahre kommunalpolitisch engagiert, etwa als Bürgermeister in Irsingen und vier Jahre lang als stellvertretender CSU-Kreisvorsitzender. Ihn interessiert auch die politische Seite, zumal der Freistaat Bayern die Batterietechnik mit 500 Euro bezuschusst. Der Staat, so sein Vorwurf, sorgt also damit dafür, dass die Bürger ein Verlustgeschäft machen. Den Stromversorgern wirft Prestele Täuschung der Verbraucher vor, weil sie zu wenig aufklärten. Albert Prestele hat den Bürgerbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung, Klaus Holetschek, über seine Berechnungen informiert. Dieser argumentierte, der Ausbau der Photovoltaik sei eine von vielen Maßnahmen, um die Klimaziele zu erreichen. Solche Speicher seien bei guten Voraussetzungen und passender Auslegung energiewirtschaftlich sinnvoll, so Holetschek. „Je dezentraler und erneuerbarer unsere Stromerzeugung wird, desto wichtiger werden die dezentralen Speicher, wie sie auch die LEW anbietet“. Die Speicher könnten dazu beitragen, die Netze zu entlasten und den vor Ort produzierten Strom zu einem späteren Zeitpunkt auch wieder vor Ort zu verbrauchen“.

Alberte Prestele erwidert: Der Klimaschutz werde nur gelingen, wenn die Bürger nicht angelogen werden.

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