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Allgäu

05.07.2020

Allgäuer Wildschweine im Fadenkreuz

Mit ihrer Schnauze wühlen Wildschweine die Wiesen von Landwirten auf und verursachen Schäden. Weil sich die Tiere stark vermehren, wird das immer mehr zu einem Problem.
Bild: dpa

Plus In der Jagdsaison 2019 wurde so viel Schwarzwild geschossen wie nie zuvor. Die Sorge vor der Afrikanischen Schweinepest wächst im Allgäu.

„Noch nie haben Wildschweine so viel Schaden auf meinen Wiesen angerichtet wie heuer“, sagt Thomas Lang, Landwirt aus dem Oberallgäuer Betzigau. Die Tiere graben auf der Suche nach Futter mit ihrer Nase teilweise bis zu zehn Zentimeter tief durch die Erde, sagt Lang. Das Problem: Sie verletzen dadurch die Grasnarbe der Futterwiese. Die Folge sind Ertragsverluste, Verschmutzung des Futters und hohe Kosten für die Wiederherstellung der Wiese.

In Bayern und im Allgäu gibt es immer mehr Wildschweine

In Bayern und im Allgäu gibt es immer mehr Wildschweine. Für Landwirte und Jäger ist das ein Problem: Die Folgen der Schäden sind kostspielig und die Sorge vor der Afrikanischen Schweinepest (siehe Infokasten) ist groß. Das bayerische Landwirtschaftsministerium hat deshalb reagiert. Jägern ist es mittlerweile erlaubt, Nachtsichttechnik einzusetzen – beispielsweise spezielle Aufsatzgeräte. Das war vorher verboten. Im Unterallgäu wurden im vergangenen Jagdjahr, das im März endete, so viele Wildschweine erlegt wie noch nie zuvor: 1653 Stück wurden nach Angaben des Landratsamtes geschossen.

Auch im Oberallgäu zählt die Kreisbehörde mit 75 erlegten Wildschweinen die meisten Abschüsse seit 2013. Warum die Wildschweinjagd schwierig ist, weiß der Unterallgäuer Jagdberater Georg Böck. Er war von Anfang an dabei, als im Unterallgäu wegen der steigenden Zahl an Wildschweinen im Jahr 2004 die „Arbeitsgemeinschaft Schwarzwild“ gegründet wurde. Das Ziel: Mit allen Beteiligten, also mit Landwirten, Jägern, Großgrundbesitzern und Förstern, zu sprechen. „Die Tiere halten sich überwiegend im Wald auf, sind nachtaktiv und äußerst intelligent“, sagt Böck. Sie seien bekannt dafür, ein ausgeprägtes Gehör und einen guten Geruchssinn zu haben. Wittern sie Gefahr, kommen sie so schnell nicht wieder zurück. „Sie sind sehr mobil.“

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Bis zu 30 Kilometer am Tag läuft ein Keiler

Ein Muttertier durchstreife zum Beispiel ein Gebiet von bis zu 15 Kilometern. Ein Keiler, also das männliche Wildschwein, von bis zu 30 Kilometern. Die Arbeit der Jäger werde durch die Änderung des Waffengesetzes erleichtert, sagt Böck. Die Vorrichtungen, die vor das Zielfernrohr des Gewehrs gesetzt werden, hellten das Bild auf. Der Abschuss habe sich durch diese Technik um 20 bis 30 Prozent erhöht. Das sei auch deshalb wichtig, weil sich Wildschweine schnell vermehrten. „Wenn wir die Tiere nicht jagen, gibt es pro Jahr einen Zuwachs von 300 Prozent“, sagt Georg Böck. Das sei ein Problem für Landwirte und Jäger, weil die Tiere erhebliche Schäden auf den Weiden anrichteten. Teilweise graben die Schweine, die bis zu 100 Kilogramm wiegen, 50 Zentimeter tiefe Löcher. Je nach Pachtvertrag, sagt Jagdberater Böck, müssen die Jäger für den Schaden aufkommen – entweder finanziell oder durch mühevolle Handarbeit.

„Ziel ist es, das Schwarzwild-Vorkommen zu reduzieren“, sagt Sonja Stäger von der Unteren Jagdbehörde des Unterallgäuer Landratsamtes. Neben den Schäden für die Landwirte gibt es dafür noch eine andere Motivation: Je weniger Wildschweine es in einem Landkreis gebe, sagt Sonja Stäger, desto stärker sinke auch das Risiko für einen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest. Die Tierseuche sei zwar keine Gefahr für den Menschen, habe aber massive Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Schweinehaltung und die Jagd. Bisher gebe es keinen Fall in Deutschland, sagt Stäger.

Allerdings rückt die Krankheit laut Böck immer weiter an die deutsche Grenze im Osten heran. „Zurzeit ist sie etwa noch 20 bis 30 Kilometer von Deutschland entfernt.“ In Brandenburg haben die Behörden deshalb bereits Elektro- und Duftzäune aufgestellt, um ein Ausbreiten der Krankheit hierzulande zu verhindern.

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