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Fasching im Unterallgäu

11.02.2018

Als Höhepunkt gibt’s den „Bobfahrer“

In der Faschingszeit ist die Unterallgäuer Tanzkapelle „Calypso“ im Dauereinsatz: Um Stimmung in die Hallen und selbst Tanzmuffel in Gang zu bringen, haben (von links) Sandra Gutmann, Markus Alander, Emil Bürk, Wolfgang Schulz und (vorne) Thomas Aurbacher einige Rezepte auf Lager. Eine Zutat: Hits der „Toten Hosen“.
Bild: Calypso

Seit 30 Jahren spielt die Kapelle „Calypso“ bei Bällen und Partys. Wie sie in den Sälen für Stimmung sorgt

„Als nächste Nummer spielen wir einen Song von Helene Fischer“, ruft Thomas Aurbacher von „Calypso“. Ein Mädchen, das zuvor bei den Liedern der Unterallgäuer Tanzkapelle begeistert mitgemacht und gefeiert hat, erstarrt mitten in der Bewegung: „Helene Fischer?! Das geht gar nicht.“ Und weg ist sie.

Selbst bei Faschingspartys gibt es Fallstricke: Was die einen in Fahrt bringt, schlägt andere in die Flucht. Die Mission von „Calypso“ lautet seit inzwischen 30 Jahren: den richtigen Mix finden. Zwischen zwölf und 15 Auftritte haben die Musiker pro Faschingssaison – auch heuer waren und sind sie fleißig unterwegs, etwa in Mindelheim, Westerheim und Ottobeuren. „Es gibt Veranstalter, die uns seit 30 Jahren treu sind“, erzählt Aurbacher. Im Gegenzug haben diese Stammkunden das Vorrecht – egal, wie voll der Terminkalender ist und welche Anfragen kommen.

Wenn Aurbacher (Schlagzeug), seine Tochter Sandra Gutmann (Sängerin), Emil Bürk aus Albishofen (E-Bass), Markus Alander aus Jedesheim (Gitarre) und Wolfgang Schulz aus Sontheim (Keyboard) auftreten, gilt: Spaß ist, was das Publikum draus macht. Selbst wenn bei manchem die Euphorie für Gassenhauer à la „Komm hol’ das Lasso raus“, „Das rote Pferd“ oder „Fliegerlied“ erlahmt ist – „wenn die Leute Freude dran haben, spielen wir’s trotzdem“, sagt Aurbacher.

Mancher Song heizt nicht nur die Stimmung bei Faschingsfans an, sondern auch Whatsapp-Diskussionen der Bandmitglieder. Einem Veto für „Saufen, saufen, saufen“ von „Die Schröders“ folgte aber ein salomonischer Friedensschluss: „Wir spielen es nur ganz kurz an – dann singt der ganze Saal den Rest“, erzählt Aurbacher.

Ballermann nur wohl dosiert

Außerdem funktionieren Ballermann-Hymnen nur wohl dosiert. Damit junge Faschingsfans in den Party-Modus schalten, „musst du erstmal eine Runde aktueller Songs spielen“. Eine Stunde lang non-stop alles geben – etwa bei „druckvollen“ Songs wie „No roots“ von Alice Merton oder Elektro-Klängen von DJ Avicii: Das macht Laune beim 58-jährigen Westerheimer und dem Rest der Band – es kann aber auch stressig und schweißtreibend werden. „Früher hat man Tanzrunden gespielt und zwischendurch Pausen gemacht“, erinnert er sich: „Aber man muss mit der Zeit gehen.“ Anderes ändert sich über Jahrzehnte hinweg nicht. Springt die Stimmung gar nicht an, greift Bewährtes aus der Notfall-Trickkiste: „ABBA“ zum Beispiel, oder die „Beach Boys“. Weil im Fasching Fetenhits für Gruppendynamik und Gemeinschaftsgefühl großgeschrieben sind, stimmt „Calypso“ auch deutsche Lieder an, bei der die Menge lauthals mitsingen und -brüllen darf. Deswegen schaffen es „Wannsee“ und „Altes Fieber“ von den „Toten Hosen“ regelmäßig auf die Liste – genauso wie die „Sporfreunde Stiller“. Einer der schönsten Momente für Aurbacher? „Bei ihrem Titel ,Applaus, Applaus’ machen wir immer nach der Textzeile ,Mein Herz geht auf’ eine Pause“. Beim Zusatz „Wenn du lachst“ genießen die Partybesucher, „dass das ihr Part ist: Da singen sich Kumpels in Gruppen gegenseitig an, oder die Mädels ihre Freundinnen“.

Wenn dann der Applaus laut genug ist, erste Polonaisen durch den Saal wandern und begeisterte Blicke zur Bühne zeigen, dass der Funke übergesprungen ist, ist der Moment für das „Bobfahrerlied“ da: Dabei hocken sich alle auf den Boden und imitieren die Fahrt. „Das kostet Überwindung, aber dann haben die Leute Riesengaudi“, erzählt Aurbacher: „Wenn du schaffst, dass sie das machen, dann hast du gewonnen.“

Einlagen werden seltener

Früher hätten Vereine auch oft selbst Einlagen beigesteuert. „Das ist selten geworden. Man kennt viele Sachen aus dem Internet, da ist der Überraschungseffekt nicht mehr so da“, meint er. Heute sorgten neben der Band vor allem Garden und Guggenmusiken für Stimmung. Kostümieren ist aber nach wie vor Ehrensache. „Manche kommen jedes Jahr im Schlafanzug, der andere geht seit zehn Jahren als Admiral.“

Aber auch einen Jungen, der als Einhorn mit Röckchen unterwegs war, hat Aurbacher heuer schon entdeckt. Manche Mädchengruppen sehen er und seine Bandkollegen im Fasching sechs bis sieben mal – jedes Mal mit anderen, abgestimmten Kostümen.

Immer wieder fragen Mädchen nach Tom

Solche Gruppen sind übrigens die Stimmungsmacher bei einer Party, weiß Aurbacher: „Es ist ganz wichtig, dass du so einen Haufen hast, der nett mitmacht.“ Das eine oder andere Mädchen kam früher auch mal zur Bühne und fragte „Ist der Tom da?“ Das sei immer noch so, sagt Aurbacher. Dann lacht er und fügt hinzu: „Bloß kommen sie heute, weil sie mir Grüße von der Mutter ausrichten sollen.“

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