Newsticker

Trotz steigender Infektionszahlen: Kliniken halten wenige Intensivbetten frei
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Als Manegold und Adelgolz in den Stauden regierten

10.06.2009

Als Manegold und Adelgolz in den Stauden regierten

Markt Wald (un/mz) - In wenigen Wochen feiert die Gemeinde Markt Wald ein historisches Fest. Dieses Fest wurde in Erinnerung an die Markterhebung ins Leben gerufen. Der ganze Ort taucht wieder hinab ins Mittelalter. Doch wie lebte es sich damals in den Stauden? Rektor in Ruhe Michael Endler hat sich die Mühe gemacht, in den Archiven nachzuschauen, wie die Menschen damals gelebt haben. In einem ersten Teil wollen wir die Geschichte Markt Walds in der frühen Neuzeit beleuchten.

Die Herrschaft "Imratshofen auf dem Wald" mit seinen Dörfern und Weilern trat im Jahre 1474 erstmals aus dem Dunkel der Geschichte. Vor dieser Zeit scheinen die meisten Urkunden abhandengekommen zu sein. Begebenheiten und Ereignisse Jahrzehnte und Jahrhunderte davor lassen sich nur aufgrund von frühgeschichtlichen Bodenfunden wie keltischen "Regenbogenschlüsselchen" (Münzen) bei Steinekirch oder durch die keltischen Flussnamen "Nif" und "Ach" für die Neufnach erschließen.

Ortsnamen wie Anhofen ("Bei den Höfen des Anno") und Schnerzhofen aus dem althochdeutsch "snar" gebildeten Personennamen erzählen vom Beginn der Siedlungsgeschichte. Das Aufkommen des ersten welfischen Ministerialadels um die Jahrtausendwende belegen in Schenkungsurkunden Namen wie "Manegold und Hartmann von Solare" für Sohler (einem Ortsteil von Irmatshofen) oder "Adelgolz von Eminilinstettin" für Immelstetten.

Fürchterliche Rache im Bauernkrieg

Als Manegold und Adelgolz in den Stauden regierten

Das Geschlecht der "Riedheim" war in den Jahren von 1474 bis 1578 "freieigen ingesessen", d.h. im Besitz des "Bürglin" (Schloss und Weiler Bürgle) nebst den Dörfern auf dem Wald. Durch Erbvertrag teilte Wilhelm I. von Riedheim die angelbergische Herrschaft Irmatshofen und Angelberg unter seinen Söhnen auf. Die Herrschaft Wald war zu 600 Gulden "rheinisch angeschlagen".

In einer Fehde 1477 Konrad I. von Riedheim gegen Herzog Wolfgang von Bayern wurde "das Schloss zu Pürgel entwehrt" und zerstört. Am 7. August 1480 verlieh Kaiser Friedrich II. dem Konrad von Riedheim das "Halsgericht (Stock und Galgen) und "…den Bann über das Blut zu richten" als Reichslehen.

Keine ruhmreiche Geschichte schrieb Konrad II. von Riedheim in dem unseligen Bauernkrieg von 1525, als er nach dem entflammten Aufstand der Bauernhaufen am 18. April 1525, bei dem das Schloss zerstört und er unter Todesdrohungen auf einem Karren herumgeführt wurde, am 28. Februar 1526 an seinen Untertanen furchtbare Rache nahm und viele von ihnen tötete.

Nach einer weiteren Erbteilung unter Hans Konrad von Riedheim verkaufte sein Sohn Christoph Adam die Herrschaft Wald samt aller "Zugehörde" für 115 000 Gulden an die vorderösterreichische Linie des Erzhauses Habsburg, an Erzherzog Ferdinand II. von Tirol im Jahre 1578. Zwei Epitaphe auf der Epistelseite in der Pfarrkirche "Mariä Himmelfahrt" erinnern an den hochherzigen Spender, der seinen Untertanen 7000 Gulden im Testament vermachte und an seine Mutter, "Anna Rieter von Bocksberg", die für ihren unmündigen Sohn die Herrschaft übernahm.

Info Das historische Marktfest findet vom 17. bis 26. Juli statt. Das genaue Programm veröffentlichen wir noch.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren