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Mindelheim gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus

24.05.2015

Am Montag werden Stolpersteine gesetzt

Die Unterallgäuer Kreisstadt gedenkt der jüdischen Familie Liebschütz, erinnert aber auch an ein weiteres Opfer

Kaum waren die Nationalsozialisten im März 1933 an die Macht gekommen, setzte im ganzen sogenannten Dritten Reich eine Verhaftungswelle ein. In Mindelheim waren am Freitag, 10. März 1933 die beiden Kommunisten Hans Miller und Jakob Grünwald unter den ersten Opfern.

Während Miller die Diktatur überlebte und 1946 voll rehabilitiert wurde, starb Grünwald am 6. August 1943 an den unmenschlichen Haftbedingungen im Konzentrationslager Neuengamme bei Hamburg. Die Stadt Mindelheim lässt nun für Grünwald einen sogenannten Stolperstein setzen. Damit erinnert der Kölner Künstler Gunter Demnig seit Jahren an die Opfer des Nationalsozialismus.

Gedacht werden soll auch der drei jüdischen Mitbürger Jakob, Fanny und Werner Liebschütz. Während die beiden Erstgenannten in einem Konzentrationslager starben, konnte Werner Liebschütz in die USA fliehen.

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Diese drei Steine werden vor dem Haus gesetzt, in dem die Opfer zuletzt frei gelebt hatten. Im Fall der Familie Liebschütz ist das der Marienplatz vor dem Geschäft Gonser.

Am Dienstag, 26. Mai, kommt Gunter Demnig nach Mindelheim, um im Rahmen einer kleinen Gedenkfeier die Stolpersteine zu setzen. Die Stadt Mindelheim will damit die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden im Nationalsozialismus lebendig halten. Alle Bürgerinnen und Bürger sind am 26. Mai zu einer Gedenkfeier eingeladen. Der Stolperstein zu Ehren von Jakob Grünwald findet um 14 Uhr in der Gerberstraße 21 statt.

Im Anschluss um 14.45 uhr werden die Stolpersteine für Jakob, Fanni und Werner Liebschütz am Marienplatz, Maximilianstraße 30, eingelassen. Die Feier findet bei jeder Witterung statt.

Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, zitiert der Künstler den Talmud. Inzwischen liegen in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas über 50.000 Stolpersteine. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst dort wohnten.

Bei der Verlegung der Stolpersteine in Dresden würdigte Laudator Avi Primor das Projekt mit den Worten: „Die Steine sind das Gegenteil von Verdrängung. Sie liegen zu unseren Füßen, vor unseren Augen und zwingen uns zum Hinschauen“. (jsto)

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