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11.09.2007

Amateure auf Reisen

Dirk Hoffmann weiß, wie das Geschäft läuft. Vor einigen Jahren kickte er noch in der höchsten Liga der ehemaligen DDR. Er hat den Sport professionell betrieben, weiß also auch, was auf diesem Gebiet von Spielern und Trainern verlangt werden kann. Mittlerweile trainiert Hoffmann den TSV Mindelheim. Vergangene Saison stieg er mit seiner Mannschaft aus der Kreis- in die Bezirksliga auf. Es war der größte Erfolg der Mindelheimer seit langer Zeit. Allein: Hoffmann konnte nicht mit seiner Mannschaft feiern.

Er weilte just zum alles entscheidenden letzten Saisonspiel im Urlaub. Einigen Personen im Verein stieß dies sauer auf. Unprofessionalität wurde dem Übungsleiter vorgeworfen. Die Frage lautet, wie viel Professionalität im Amateurbereich verlangt werden kann. Der Fußball-Abteilungsleiter des TSV Mindelheim sieht die Absenzen von Spielern und Trainern nicht so tragisch. "Das sind Amateure und wenn die mit ihren Familien mal Urlaub verbringen wollen, haben wir Verständnis dafür."

Allerdings schaue man schon, dass "zur heißen Phase in der Vorbereitung und bei den Punktspielen alle da sind". Der Kader der Mindelheimer erlaubt es allerdings, dass Spieler auch während der Spielzeit kurz wegfahren können.

In der Bayernliga wird das weniger gern gesehen und auch drastisch geahndet. Alexander Wolf vom FC Kempten wollte für drei Wochen verreisen. Nachdem der Verein kurz davor stand, ihn rauszuschmeißen, wurde er nun in die zweite Mannschaft abgeschoben. Eine Aktion, die Besim Miroci verstehen kann. Der Spielertrainer des SV Schöneberg kann sich "nicht daran erinnern, dass ich in den letzten zehn Jahren irgendwann mal ein Training wegen eines Urlaubes verpasst habe".

Amateure auf Reisen

Natürlich gebe es immer wieder Einzelfälle. Familien, die nur in den Schulferien zusammen verreisen können, beispielsweise. Sollten aber keine naheliegenden Gründe vorliegen, weshalb Spieler oder Trainer während der Saison verreisen, "würde ich sie rauswerfen". Er könne seinen Spielern kein Vorbild sein, wenn er urlaubsbedingt Spiele verpasse. "Dann kann ich von ihnen auch kein professionelles Verhalten einfordern", begründet er.

Außerdem funktioniere die laxe Urlaubshandhabung auch nur, wenn "die Spieler nicht ehrgeizig sind". Ansonsten würden sie das Verhalten des Trainers wohl kaum tolerieren.

Die Volleyball-Damen des SV Salamander Türkheim müssen sich mit solchen Problemen kaum herumplagen. Die Saison beginnt erst Ende September und endet im Frühling. So haben alle die Möglichkeit, während des Sommers zu verreisen.

Wenn allerdings eine Spielerin während der Saison urlauben will, sei das auch kein großes Problem, so Trainer Robert Frey. "Wir betreiben auch in der Bayernliga noch Hobby-Sport. Da kann man auch mal wegfahren." Allerdings käme es selten vor, dass eine seiner Damen mal ein Spiel verpasse.

Anders beim FSV Amberg: Da weilte gerade erst sogar Trainer Alois Schneider im Urlaub. "Das wussten wir aber schon vor der Saison", so Abteilungsleiter Jürgen Sailer.

Mittlerweile stehen die Amberger auf einem Abstiegsplatz. Auch Dirk Hoffmann war in den vergangenen zwei Wochen nicht an der Seitenlinie der Mindelheimer zu sehen. Er war mit seiner Familie im Urlaub. Offensichtlich macht seinem Team die Abwesenheit des Coaches nichts aus. Als Hoffmann zurückkam, war seine Mannschaft Tabellenführer.

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