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Memmingen

01.01.2021

Amazon-Projektentwickler: „Wir müssen den Strukturwandel gestalten“

So könnte das geplante Amazon-Verteilzentrum aussehen.
Foto: AEM (Grafik)

Plus Ein Projektentwickler erläutert die Pläne für ein Amazon-Verteilzentrum und spricht von einem „nachhaltigen Energiekonzept“. Welche Rolle Photovoltaik und Elektromobilität dabei spielen sollen.

Für Andreas Müller ist klar: „Den Strukturwandel können wir nicht abwenden, wir müssen ihn gestalten.“ Er ist Projektentwickler für ein Vorhaben, das in der Region sehr kontrovers diskutiert wird. Beim Allgäu Airport soll, wie berichtet, ein Verteilzentrum des Versandriesen Amazon entstehen. Müller spricht von einem „außergewöhnlich nachhaltigen Energiekonzept“. So solle das Verteilzentrum an das Fernwärmenetz des Flughafens angeschlossen werden. Die Kosten für das Vorhaben liegen „im zweistelligen Millionenbereich“.

Amazon will auf vier Hektar am Allgäu Airport bauen

Für das Projekt ist eine vier Hektar große Fläche beim Memminger Flughafen vorgesehen. Das Areal ist im Besitz einer Gesellschaft, der unter anderem alle Allgäuer Kreise und kreisfreien Städte angehören. Projektentwickler ist die Airport Energie Management (AEM). Dabei handelt es sich um eine Gesellschaft des Flughafens und der Firma E-con, die zur Alois-Müller-Gruppe (Ungerhausen/Unterallgäu) gehört.

Andreas Müller
Foto: MZ-Archiv

Laut Geschäftsführer Andreas Müller hat die AEM das Ziel, langfristig den gesamten Allgäu Airport mit „grüner Energie“ zu versorgen. Beim Amazon-Verteilzentrum wolle man den Flächenverbrauch „auf das Minimum beschränken“, sagt Müller. So solle ein dreigeschossiges Parkhaus mit einer Grundfläche von 7700 Quadratmetern entstehen – das ist etwas größer als ein Fußballfeld. Die Sortierhalle selbst soll 5600 Quadratmeter groß und zwölf Meter hoch werden.

Das Konzept sieht vor, dass die Wärme regenerativ erzeugt wird – durch den Anschluss des Verteilzentrums an das Fernwärmenetz des Airport-Geländes. Zudem ist geplant, Photovoltaik-Anlagen auf die Dächer der beiden Gebäude zu montieren. Und das Airport-Areal soll künftig mit Biogas aus dem benachbarten Hawangen versorgt werden. Auch Elektromobiliät sei „zentraler Bestandteil des Projekts“, sagt Müller. „Im Endausbau sollen über 500 Ladepunkte geschaffen werden.“

Der Logistik-Riese will auf Nachhaltigkeit setzen

Es sei nachhaltiger, wenn ein Elektrofahrzeug ein Paket in eine Umlandgemeinde bringe, als wenn jemand mit einem Dieselauto nach Memmingen fahre und dort einkaufe, sagt der Projektentwickler. Vom Allgäu Airport aus sollen die bestellten Produkte bis nach Kempten, Landsberg, Ulm oder Biberach gebracht werden. „Es ging nie um Transport- oder Nachtflug“, sagt Müller. In Spitzenzeiten sollen 200 Menschen im Verteilzentrum arbeiten, dazu kommen „400 bis 600 über Lieferpartner“, heißt es in einer Präsentation der Airport Energie Management. „Wenn so viele Arbeitsplätze wegfallen, gibt es einen Aufschrei in der Politik. Wenn sie aber geschaffen werden, nimmt man das nicht einmal zur Kenntnis. Und das nur, weil es sich um ein Amazon-Vorhaben handelt“, moniert der Airport-Gründungsgesellschafter Gerhard Pfeifer (Memmingen). „In dieser schwierigen wirtschaftlichen Lage brauchen wir erfolgreiche Projekte“, ergänzt Müller.

Beim Memminger Flughafen, links hinten der Tower, soll ein Verteilzentrum des US-Versandriesen Amazon entstehen. Der Projektentwickler hat jetzt die Eckpunkte dieses Millionen-Vorhabens erläutert. Gegen das Projekt gibt es allerdings viele kritische Stimmen aus Handel und Politik.
Foto: Matthias Becker

Aus der Politik hatte es viel Kritik an dem geplanten Verteilzentrum gegeben. Zur Begründung hieß es unter anderem, dass Amazon den heimischen Händlern schade. „Es hilft dem Einzelhandel nicht, wenn hier kein Verteilzentrum entsteht“, kontert Pfeifer. Ein größeres Handicap sei es, wenn die Politik innerstädtische Plätze für den Verkehr sperre. Und zum Vorwurf, dass Amazon hier kaum Gewerbesteuer zahle, sagt Müller: „Was bundespolitisch oder in der EU zu lösen ist, sollten wir nicht in der Region zu lösen versuchen.“ Der Zeitplan sieht vor, dass der Bau des Zentrums im zweiten Quartal 2021 beginnt und das Projekt etwa ein Jahr später abgeschlossen ist. Vorgesehen ist laut Müller, dass eine neue Airport-Gesellschaft das Verteilzentrum an Amazon vermietet.

Noch ist nichts in trockenen Tüchern

Doch es ist fraglich, ob es überhaupt grünes Licht für das Vorhaben gibt. Die Gesellschaft, der das frühere Militärgrundstück gehört, hat eine Entscheidung über den Verkauf vertagt. Im Februar findet voraussichtlich wieder eine Gesellschafter-Versammlung statt. Einzelhändler aus mehreren Allgäuer Städten und der Handelsverband Schwaben hatten gefordert, das Amazon-Vorhaben zu verhindern. Die Politik rufe dazu auf, den regionalen Handel zu unterstützen – „da kann es doch nicht sein, dass dieselben Politiker gleichzeitig für ein Amazon-Logistikzentrum auf kommunalem Grund den Weg bereiten“, heißt es in einem Brief an zahlreiche Kommunalpolitiker und Abgeordnete.

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