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Allgäu

26.01.2021

Anreiz für neue Kinderärzte im Allgäu

In der Kinder- und Jugendmedizin wird in unserer Region dringend nach potenziellen Nachfolgern für etablierte Ärzte gesucht, die bald in den Ruhestand gehen.
Foto: Patrick Pleul/dpa

Plus Viele Fachärzte für Kinder in unserer Region gehen bald in Rente. Die Klinik Kaufbeuren geht jetzt neue Wege, um Kinderärzte fürs Allgäu zu begeistern.

In der Kinder- und Jugendmedizin fehlen Fachkräfte. Viele Kinderärzte im Allgäu gehen bald in Rente, Nachwuchs wird dringend benötigt. Deshalb will der pädiatrische Weiterbildungsverbund Kaufbeuren die Ausbildung attraktiver und praxisnäher gestalten.

Dr. Markus Rauchenzauner, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Kaufbeurer Klinikum, baute vor zwei Jahren den pädiatrischen Weiterbildungsverbund auf, an dem alle Kinderarztpraxen im Allgäu teilnehmen können. „Normalerweise werden die Ärzte bis zur Facharztprüfung ausschließlich im Krankenhaus ausgebildet. Viele vermissen Inhalte der ambulanten Grundversorgung“, schildert Rauchenzauner.

So funktioniert das neue Modell für angehende Kinderärzte

Das Verbundmodell soll junge Assistenzärzte frühzeitig für die Arbeit sowohl in der Klinik als auch in der niedergelassenen Praxis begeistern. Das könne helfen, dem Fachkräftemangel aktiv entgegenzuwirken. In der Allgemeinmedizin gibt es bereits viele Weiterbildungsverbünde, nicht aber in der Pädiatrie. „Nun ist es uns gelungen, gemeinsam mit der Praxis Reschke in Kaufbeuren eine Förderung vom Freistaat zu erhalten. Die Praxis und das Klinikum teilen sich seit 1. Januar 2021 eine Assistentin in Ausbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin“, freut sich der Chefarzt. Innovativ sei, dass eine Kinderklinik zusammen mit einer Praxis die Weiterbildung begleitet. Es sei ein Schulterschluss zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, die sonst meist deutlich getrennt seien.

Das berichtet eine künftige Kinderärztin über die Vorteile der neuen Möglichkeit

Auch Kinderarzt Dr. Volkmar Reschke ist begeistert: „Wir glauben, dass eine umfassende Facharztausbildung durch die Praxiserfahrung und das ambulante Lernen zeitgemäßer und vor allem strukturierter ist. Wir setzen ein Ausbildungscurriculum der Deutschen Gesellschaft für Ambulante Allgemeine Pädiatrie ein.“ So könnten junge Kollegen fallbezogen erst Themen sehen, lernen, dann unter Anleitung selbst umsetzen – mit dem Ziel, am Ende die Behandlung selbstständig auszuführen. Ausgebildete Fachärzte müssten sich das umfangreiche Wissen in der Regel erst mühsam in externen Fortbildungen aneignen.

Die Weiterbildungsassistentin zur Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin Dr. Hana Chytkova befindet sich im letzten Jahr ihrer Ausbildung und arbeitet seit Anfang Januar zu 50 Prozent im Klinikum Kaufbeuren, die restliche Zeit in der Praxis von Dr. Reschke.

„Ich habe mich sehr über diese Möglichkeit gefreut und lerne so viel wie keiner meiner Kollegen aus dem Studium. Da sind schon einige neidisch“, sagt die angehende Fachärztin. (mz)

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