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Wiedergeltingen

28.02.2020

Archäologen graben tief in der Wiedergeltinger Geschichte

Fast wie eine Mondlandschaft wirkt derzeit das Gelände des Kindergartens. Dort wo die neue Kita entstehen soll, sind Ausgrabungen zu Gange. Bürgermeister Norbert Führer traf sich mit Experten vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und einem Archäologenbüro vor Ort.
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Fast wie eine Mondlandschaft wirkt derzeit das Gelände des Kindergartens. Dort wo die neue Kita entstehen soll, sind Ausgrabungen zu Gange. Bürgermeister Norbert Führer traf sich mit Experten vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und einem Archäologenbüro vor Ort.

Plus Funde aus dem 12. Jahrhundert könnten sogar den Neubau des Kindergartens ausbremsen. Jetzt sind erstmal die Denkmalpfleger dran.

Verzögert sich das Lieblingsprojekt des Gemeinderates? Jedenfalls teilte der Bürgermeister bei der jüngsten Sitzung dem Gremium mit, dass man mehrere historische Funde wie Grubenhäuser, Erdkeller und Brunnen auf dem Gelände, das für den Neubau einer Kindertagesstätte vorgesehen ist, gefunden habe.

Nach einem Besuch der Baustelle war Bürgermeister Norbert Führer wieder etwas zuversichtlicher. Vermutlich würden die Ausgrabungen in den nächsten Wochen auch dank des guten Wetters abgeschlossen und dann könne man unverzüglich das Projekt Kindertagesstätte angehen.

Reste von Grubenhäusern, Erdkellern und Brunnen in der Ortsmitte von Wiedergeltingen

Eigentlich habe man schon mit Funden gerechnet, gab Bürgermeister Norbert Führer bei einem Ortstermin mit den Fachleuten bekannt. Schließlich liege der Bauplatz für die künftige Tagesstätte mitten im Dorf und nahe an der Kirche. Aus diesem Bereich sei Wiedergeltingen gewachsen.

Archäologen graben tief in der Wiedergeltinger Geschichte

Man habe deshalb mit Bodendenkmäler rechnen müssen und es habe sich ausbezahlt, dass die Gemeinde frühzeitig sich mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in Verbindung gesetzt habe. Dies sah der Gebietsreferent des Amtes, Dr. Johann Volker Tolksdorf , der die Ausgrabungen vor Ort leitet, ebenso. Eventuelle Funde werden von Archäologen Stefan Sandbichler und Team bearbeitet.

Zwar kein archäologischer Fund, aber für viele Wiedergeltinger wichtig: Die Spielburg ist dem Kindergarten im Weg

In der ersten Arbeitsphase wurde im Januar der Oberboden unter archäologischer Begleitung komplett abgetragen. Und erste Funde traten zu Tage. Deutlich waren im Untergrund dunkle Flecken zu sehen, Reste von Grubenhäusern , Siedlungsgruben und Erdkellern aber auch ein Brunnen. Diese Strukturen fügen sich, so die Fachleute, in eine mittelalterliche Siedlung in unmittelbarer Nähe des romanischen Vorgängerbaus der heutigen Pfarrkirche St. Nikolaus ein.

Dese Gruben stammen wohl aus dem 12. bis 13. Jahrhundert. Sie wurden meist nicht direkt als Wohneinrichtungen sondern als Arbeitsstätten genutzt. Sie waren etwas in den Boden eingelassen und mit Schilf abgedeckt. Nach Worten von Tolksdorf könne man unter anderem von einer Textilproduktion ausgehen. Gefunden wurden einfache Nägel und Tierknochen.

Einig war man sich, dass die Funde nicht komplett ausgegraben werden, sondern dass die Fundstellen konservatorisch überdeckt werden und somit, zumindest in der Tiefe, erhalten bleiben. Dies passiert derzeit. Allerdings schaut das Gelände der zukünftigen Tagesstätte derzeit schon interessant aus: Gräben und Löcher durchziehen das Grundstück, Mitarbeiter suchen, erfassen und vermessen.

Und wer bezahlt dies alles? Nach Worten von Bürgermeister Norbert Führer muss derjenige für die Kosten aufkommen, der die Bodendenkmäler offenlegt, also in diesem Falle die Gemeinde. Auf der anderen Seite gehörten Schätze dem Grundstückseigentümer. Allerdings habe man bisher, so Führer , vergebens auf einen Schatz gehofft. Die Gemeinde werde wohl den teuren Neubau doch aus eigenen Haushaltsmitteln bezahlen müssen. In zwei Wochen wollen Dr. Tolksdorf und Stefan Sandbichler die Arbeiten abschließen und weiter ziehen.

Der Kindergarten in Wiedergeltingen hofft auf neue Zuschüsse

Unabhängig vom Fortgang der Bauarbeiten hat sich der Gemeinderat in seiner Sitzung bereits mit Innenausbau und -ausstattung der Kita beschäftigt. Vorausgegangen war ein Schreiben des Ingenieurbüros Lutzenberger und ein Sachvortrag, bei dem auf neue Zuschussmöglichkeiten hingewiesen wurde. Nach großen Abwägungen, fasste das Gremium den Beschluss, dass beide Gebäude (Alt- und Neubau ) über eine neue, gemeinsame Wärmeerzeugungsanlage mit Wärme versorgt werden; die BAFA hat hier ein neues Förderprogramm heraus gegeben, dass die Gemeinde Wiedergeltingen gerne nutzen würde

Hier ist allerdings derzeit noch die Regierung von Schwaben am Prüfen, ob sich das schädlich auf die staatlichen Zuschüsse für die Kita auswirken würde; insofern wurde der Vollzug des Beschlusses vorübergehend ausgesetzt.

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