1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Aschekreuz am Valentinstag

Tradition

14.02.2018

Aschekreuz am Valentinstag

Dampfnudeln aus Hefeteig sind am Aschermittwoch eine Fastenspeise mit langer Tradition.
Bild: hlz

Viele Bräuche gehören zur vierzigtägigen Fastenzeit. Nicht alle haben mit Essen zu tun

Das Zusammenleben der Menschen auf dem Land wird nach wie vor bestimmt vom Jahreslauf, vom Wandel der Natur und auch von der Kirche mit ihren Fest- und Gedenktagen. Dazu gehören auch viele Bräuche, die natürlich auch die 40-tägige Fastenzeit zwischen Fastnacht und Ostern prägen und begleiten. Weil heuer der Fasching wegen des frühen Ostertermins sehr kurz war, beginnt die Fastenzeit bereits Mitte Februar mit dem Aschermittwoch, der immer auf den Mittwoch vor dem sechsten Sonntag vor Ostern fällt.

Die Fastenzeit leitet bei den Christen eine Zeit der Besinnung, des Fastens und der inneren Einkehr als Vorbereitung auf das Osterfest ein. Die einst strengen Fastengebote wurden von der Kirche allerdings längst gemildert und umgewandelt. Nichts mit dem Fastengebot haben jedoch die Fastenkuren zu tun, denen sich heutzutage viele freiwillig und meist aus gesundheitlichen Gründen unterziehen.

Mit dem Aschermittwoch als Fast- und (fleischloser) Abstinenztag für die Christen ist in unserem Kulturkreis die Faschingsgaudi abrupt vorbei. In manchen Orten werden deshalb am Aschermittwoch symbolisch die Geldbeutel gewaschen oder es wird die Fastnacht traurig begraben. In den Kirchen wird das Aschenkreuz als Zeichen der Vergänglichkeit gespendet. In zahlreichen Bischofsstädten hat sich in den letzten Jahren der „Aschermittwoch der Künstler“ zur religiösen Standortbestimmung etabliert. Heuer fällt der Aschermittwoch ausgerechnet auf den 14. Februar, den mittlerweile beliebten Valentinstag. Der eher triste Abstinenztag bekommt damit sogar eine blumige Seite.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Obwohl er kirchlicherseits auch ein besonderer Fasttag ist, hat der Aschermittwoch in unserer Zeit längst eine kulinarische Dimension erreicht. Fisch- und Kässpatzen-Essen werden als „Fastenessen“ geradezu zelebriert. Früher gab es in bestimmten Regionen als Fastenspeise vorzugsweise Froschschenkel. Auch Schnecken waren beliebt. Sie werden heute noch vor allem im Badischen und Württembergischen auf sogenannten Aschermittwoch-„Schneckenbällen“ genossen.

Der Sonntag nach dem Aschermittwoch heißt „Erster Fastensonntag“ und im Allgäu auch noch „Funkensonntag“, weil an ihm vielerorts weithin sichtbare Funkenfeuer abgebrannt werden. Dabei wird in Form einer herausragenden Strohpuppe nach altem Brauch der Dämon Winter vertrieben. Mit der Fastenzeit beginnen auch viele Starkbierfeste, die ihren Ursprung im nährenden Fastenbier der Mönche haben. Zum Fastenbier gesellen sich als Sonderheit bei vielen Bäckern die mageren „Fastenbrezen“, die ohne Lauge gebacken werden. Sie gehen darauf zurück, dass einst in der Fastenzeit der Genuss von Butter, Milch und Eiern untersagt war. Heuer drängen sich um den Josefstag, 19. März herum auch noch die Josefikonzerte mit Bockbier-Ausschank in die „Besinnlichkeit“ der Fastenzeit.

Traditionell gibt es in der Fastenzeit auch die ersten Jahrmärkte als „Fastenmärkte“. In Pfaffenhausen zum Beispiel wird der Fastenmarkt seit Jahrhunderten am dritten Fastensonntag abgehalten. In der einstigen Großpfarrei Pfaffenhausen wurden früher auch die sogenannten Fastenfreitage groß begangen. Zu den meist stundenlangen Bußpredigten und Bußgottesdiensten pilgerten der Überlieferung nach alljährlich tausende von Gläubigen und taten Buße vor dem wundertätigen Kreuz in der Pfarrkirche St. Stephan.

Der Höhepunkt der Fastenzeit kommt mit dem Palmsonntag und der Karwoche vor Ostern. Diese Tage sind von vielerlei Brauchtum geprägt. Es beginnt am Palmsonntag mit der Weihe der Palmbuschen und mit Palmprozessionen. Früher wurden dabei „Palmesel“ mitgezogen als Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem. Die letzten Exemplare dieser Palmesel findet man als Raritäten nur noch in Museen, so auch in Mindelheim. Am Gründonnerstag verstummen in den Kirchen die Glocken. „Sie fliegen nach Rom“, heißt es. Die Glocken werden durch Rätschen ersetzt - ein Brauch, der in unserer Zeit eine erstaunliche Wiederbelebung erfährt. Auch „Heilige Gräber“ als barocke Nachbildung der „Grabesruhe Jesu“ werden zum Karfreitag wieder vermehrt aufgebaut und dann auch von vielen Gläubigen zu einer stillen Betrachtung besucht.

Auch die Ostertage sind reich an Bräuchen. Die Kirche feiert die Auferstehung Christi mit Gottesdiensten, Auferstehungsfeiern und Speisenweihen. Die Volksbräuche reichen von der Mär des Osterhasen über das Osterlämmchen bis hin zu den gefärbten und geweihten Eiern als wichtige Fruchtbarkeits- und Ostersymbole. Selbst der Brauch, ein geweihtes Ei gegen Blitzschlag über das Haus zu werfen, hat sich noch in manchen Orten und Familien erhalten.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20IMG_0080.tif
Bad Wörishofen

Jetzt fehlt nur noch der sportliche Erfolg

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen