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Unterallgäu

08.07.2020

Asterix und Obelix in Schwaben

Die Keltenschanze bei Kettershausen ist eines der herausragenden Zeugnisse keltischer Kultur in unserem Raum.
Bild: Ralph Manhalter

Plus Keltische Viereckschanzen gibt es im Unterallgäu einige zu bewundern. Was hat es mit diesen Bauwerken auf sich?

Wir schreiben das Jahr... sagen wir 50 vor Christus. Weit und breit ist in unseren Gefilden kein Römer zu sehen. Dafür zahlreiche Wildschweine – wahrscheinlich. Und, nach unserer heutigen Auffassung seltsam anmutende Menschen: blutrünstig und grausam.

Die abgeschlagenen Köpfe der besiegten Feinde hätten sie angeblich ihren Pferden um den Hals gebunden. So beschrieb jedenfalls Diodorus Siculus, ein griechischer Historiker des ersten vorchristlichen Jahrhunderts, das Volk der Kelten. Wenig schmeichelhaft die Vorstellung, dass wir durchaus noch Gene jener fernen Vorfahren in uns tragen könnten.

Zwischen Iller und Lech lebten vor gut 2000 Jahren die Kelten

Zur Beruhigung sei gesagt, dass das Ungezügelte, das Barbarische sich im Laufe der Jahrhunderte recht gut mit anderem Geblüt vermischt haben mag. Zudem müssen solche Berichte, auch wenn sie mit Sicherheit immer ein Korn Wahrheit enthalten, stets auf den Verfasser geprüft werden. Dass die Hochkulturen des Mittelmeerraumes auf die wilden Gesellen nördlich der Alpen mit Spott und Verachtung herabsahen, ist wohlbekannt.

Dennoch befanden wir uns zwischen Iller und Lech vor gut 2000 Jahren inmitten keltischen Landes. Wobei hier bereits das erste Missverständnis droht: Ein Staatsgebilde moderner Form war den hiesigen Bewohnern zu jener Zeit gänzlich unbekannt. Die Kelten lebten in Stammesverbänden, bestehend aus mehreren Familien.

Das Stammesoberhaupt residierte im Gegensatz zu den einfachen Bauern etwas pompöser: Es ist anzunehmen, dass dieser Wohnsitz in gewisser Weise befestigt, zumindest durch eine Graben- und Wallanlage geschützt war. Ein Tor führte in das Innere dieses Areals, das wahrscheinlich ebenfalls einen Gutshof beherbergte.

Die "Keltenschanzen" waren mit großer Wahrscheinlichkeit keine Kultplätze

Woher wir das alles wissen? Ganz einfach: Wir können heute noch, nach über zwei Jahrtausenden die Überreste dieser Wohnstätten im Gelände erkennen. Jahrelang rätselte die Wissenschaft über die Funktion der später so genannten „Keltenschanzen“. Zwischenzeitlich ist sich die Forschung größtenteils einig, dass es sich entgegen der ursprünglichen Vermutung um keine Kultplätze handelt.

In unserer Region überziehen diese Schanzen, mitunter dicht aneinander liegend Wald und Flur. Ein besonders schönes Exemplar befindet sich westlich von Kettershausen, gleich neben der heutigen Staatsstraße gelegen. Mit einer Ausdehnung von circa 70 mal 80 Meter gehört diese zwar eher zu den kleineren Vertretern dieser archäologischen Kostbarkeiten. Sie ragt aber durch ihren hervorragenden Erhaltungszustand aus den vielen Zeugnissen heraus. Zwischenzeitlich hat natürlich der Baumwuchs die Herrschaft über den einstigen Wohnplatz übernommen. Mit ein wenig Fantasie kann sich der Besucher aber durchaus noch vorstellen, wie einst der Keltenhäuptling aus seiner Burg einen Ausblick auf das nahe Günztal genießen konnte.

Die Kelten im Unterallgäu wurden ab 15 vor Christus in das römische Staatswesen eingebunden

Wenige Kilometer südöstlich, oberhalb von Olgishofen finden wir ein weiteres eingefriedetes Gelände: Auch hier ein typisches Beispiel einer keltischen Befestigung. Leider erfuhren manche dieser Kulturdenkmale in jüngster Vergangenheit eine Missachtung bis zur Zerstörung derselben. Traurige Beispiele hierfür finden sich leider immer wieder in der Region.

Als ab dem Jahr 15 vor Christus die römischen Truppen sukzessive das Voralpenland in Besitz nahmen, erfuhr die heimische Bevölkerung erstmals die Einbindung in ein straff organisiertes Staatswesen. Allerdings dauerte es danach noch einige Zeit, bis sich die keltische mit der römischen Bevölkerung vermischt hat. Schließlich kamen dann auch noch die Alemannen hinzu. Aber das ist eine andere Geschichte.

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