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16.01.2020

Auf der Jagd nach Knöpfen, Stoffen und Wolle

Vom Andrang beim ersten Handarbeitsflohmarkt im Januar 2019 waren die beiden Organisatorinnen Claudia Jost (linkes Foto, Bildmitte mit gepunkteter Bluse) und Rosi Seidel (links daneben, mit blauem Schal) überrascht – sowohl was die Anzahl der Anbieter als auch die der Kaufinteressenten betraf. Im Dachgeschoss ihres Hauses hat Claudia Jost ihr eigenes kleines Reich. Dort widmet sie sich ihrem großen Hobby Nähen, vor allem von Patchwork-Ware.
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Vom Andrang beim ersten Handarbeitsflohmarkt im Januar 2019 waren die beiden Organisatorinnen Claudia Jost (linkes Foto, Bildmitte mit gepunkteter Bluse) und Rosi Seidel (links daneben, mit blauem Schal) überrascht – sowohl was die Anzahl der Anbieter als auch die der Kaufinteressenten betraf. Im Dachgeschoss ihres Hauses hat Claudia Jost ihr eigenes kleines Reich. Dort widmet sie sich ihrem großen Hobby Nähen, vor allem von Patchwork-Ware.

Der zweite Buchloer Handarbeitsflohmarkt findet am Sonntag im Stadtsaal statt. Da könnte sich ein Ausflug durchaus lohnen.

Wer gerne handarbeitet – oder sich neudeutsch dem Hobby Do It Yourself (DIY – aus dem Englischen „Mach es selbst“) widmet, kennt das Problem. Wobei es natürlich kein echtes Problem ist... Beim Kauf neuer Ware, wie Stoffen und Wolle, sind die Augen oft größer als die Schrankkapazitäten – ähnlich wie beim Einkaufen von Lebensmitteln, wenn man hungrig ist.

Die Idee zum Handarbeitsflohmarkt in Buchloe hatte Claudia Jost

Und dann gibt es ja auch ständig neue tolle oder modische Ware, bei der man einfach nicht Nein sagen kann. Manchmal liegt das Material dann längere Zeit unbeachtet in Schubladen, die schier überquellen. Oder man hat sich an einem Muster sattgesehen, weiß aber, dass es jemand anderem vermutlich gut gefällt. Diese beiden Seiten bringt der Handarbeitsflohmarkt zusammen, der am Sonntag, 19. Januar, zum zweiten Mal in Buchloe stattfindet.

Die Initiative zu der Materialbörse kommt von Claudia Jost, wobei die 60-Jährige betont, dass es eigentlich nur abgeschaut ist. Die gebürtige Saarländerin, die seit 1992 in Buchloe lebt, kennt solche Märkte aus ihrer alten Heimat und dem angrenzenden Lothringen (Frankreich). Dort sind sie gang und gäbe und heißen puces des couturières (übersetzt Flohmarkt der Schneiderinnen). In Rosi Seidel fand Claudia Jost eine Mitstreiterin für die Organisation.

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Das Wichtigste zum Handarbeitsflohmarkt auf einen Blick

Claudia Jost hat das Nähen von ihrer Mutter gelernt. „Ich bin Jahrgang 1959. Da wurde aus nichts etwas gemacht. Heute nennt man das Upcycling“, sagt die verheiratete Mutter einer erwachsenen Tochter schmunzelnd. Mit 15 Jahren hat sie ihre erste Patchwork-Decke gemacht. „Aus einem Kleid von mir, einer Bluse meiner Mutter und einer Schürze meiner Oma. Ich hab’ die Decke immer noch.“

Patchwork (Englisch: patch für Flicken) ist eine Form der Textiltechnik, bei der Reste verschiedener Materialien verwendet werden, um neue Textilien anzufertigen. Als Claudia Jost damit angefangen hat, war es in Deutschland noch kaum bekannt. „Ich hatte ein Buch in Schwarz-Weiß aus Amerika“, erinnert sich die Diplom-Übersetzerin, die als Sachbearbeiterin im internationalen Vertrieb bei einer Softwarefirma in Wildpoldsried arbeitet. Wenn sie nach einem anstrengenden Tag gestresst nach Hause kommt, zieht sie sich oft für ein bis zwei Stunden in ihr kleines Reich unter dem Dach zurück.

An der Nähmaschine ist sie so konzentriert mit den Stoffen zugange, dass sie alles andere vergisst. „Das ist Entspannung pur“, sagt die 60-Jährige.

Weil sie Arthrose an den Handgelenken hat, hat sie sich zum runden Geburtstag einen sogenannten Accuquilt, eine elektrische Schneidemaschine für Stoff, schenken lassen. „Das ist eine große Erleichterung. Das Zuschneiden mit dem Rollmesser ist sehr anstrengend“, erklärt Claudia Jost. Genügend Arbeit bleibt trotz der maschinellen Unterstützung noch. Egal wie klein die Stoffreste sind, nichts wird weggeworfen. Jedes Fitzelchen wird verwertet.

Die Organisation des Handarbeitsflohmarkts in Buchloe nimmt viel Zeit in Anspruch

Die Organisation des Handarbeitsflohmarkts beginnt bereits ein halbes Jahr vorher. Vom Erfolg der Premiere im vergangenen Jahr waren die Veranstalterinnen überrascht. „Sowohl von den Anbietern als auch den Kaufinteressenten bekamen wir nur positive Rückmeldungen“, erzählt Claudia Jost. Wie aufwendig die Organisation ist, das war ihr allerdings nicht bewusst.

Am Sonntag, 19. Januar, findet nun aber erneut der Handarbeitsflohmarkt statt – und sogar in noch größerem Rahmen. Bisher liegen über 40 Standanmeldungen vor. Im Stadtsaal ist Platz für etwa 50. Großen Wert legt Claudia Jost darauf, dass ausschließlich Rohmaterial angeboten wird – und keine fertigen Waren.

„Wir wollen keine Konkurrenz zum Kunsthandwerkermarkt sein“, betont sie. Deshalb werde auch jeder Tisch vor Beginn der Veranstaltung kontrolliert.

Verpflegung gibt es übrigens nicht. „Das können wir nicht stemmen. Aber die Besucher können ja in den umliegenden Cafés einkehren“, sagt Claudia Jost. Beim Verteilen der Plakate und Flyer ist ihr ein großer Wandel aufgefallen. „Nur inhabergeführte Geschäfte hängen Plakate auf. Und das sind in Buchloe nicht mehr viele. Nach Besitzerwechsel oder in Filialen ist das meistens nicht mehr erlaubt.“

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