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Mindelheim

07.10.2019

Aus der Sucht ins Leben zurückgekämpft

Thomas Lange (rechts) hat seine Drogensucht besiegt und arbeitet jetzt als Helfer bei der Mindelheimer Schreinerei von Martin Hundhammer.
Bild: Johann Stoll

Plus Thomas Lange war drogenabhängig. In Lohhof biss er sich durch die Therapie. Dann hatte er Glück: Er traf auf Menschen, die es gut mit ihm meinen.

Das ist die Geschichte eines jungen Mannes, der eigentlich nie eine Chance hatte, und sie heute doch nutzt. Thomas Lange stammt aus einer Familie, die mit schwierig nur sehr unzureichend beschrieben ist. Der Vater war alkoholkrank, die Mutter drogensüchtig. Thomas Schwester war eineinhalb Jahre alt, als sie starb. Ihre Mutter hatte sie verhungern lassen. Neun Monate war Thomas erst alt, als ihn die Behörden von seinen völlig überforderten Eltern wegnahmen. Thomas wuchs im Internat auf. Es war kein gutes Umfeld.

Als er zehn war, kam er das erste Mal mit Drogen in Kontakt. Später probierte er die ganze Palette aus, die ein Leben in Windeseile zerstören kann: Haschisch, Marihuana, Kokain, Heroin. Hunderte von Euros die Woche, die er für seine Drogensucht brauchte, beschaffte er sich als Dealer. Im Oktober 2011 war Schluss. Die Polizei hatte ihn geschnappt. Das Landgericht Regensburg verurteilte ihn daraufhin wegen Drogenhandels zu drei Jahren und sechs Monaten Haft, die er in der Forensik in Regensburg anzutreten hatte.

Im Lohhof bei Hausen besiegte er seine Drogensucht

Thomas Lange war an diesem Tag klar geworden: Nur wenn er seine Drogensucht überwindet, kann er sein Leben in den Griff bekommen. In einem Regensburger Suchtkrankenhaus hat sich Lange entgiftet und kam dann ins Kloster Lohhof zur Kompass Drogenhilfe. Bei Mindelheim begann er vor zehn Jahren seine Therapie.

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Seine Geschichte hat er der Mindelheimer Zeitung vor rund fünf Jahren erzählt. Und heute? Was ist aus ihm geworden? Es war eine Zufallsbegegnung auf der Straße. Thomas Lange war wieder mal mit dem Fahrrad unterwegs, wie so oft. Jeden Tag radelt er nach Mindelheim. Nach wie vor lebt er in Lohhof, inzwischen aber im einzelbetreuten Wohnen. Seine Therapien hat er abgeschlossen. Vor allem achtet er eisern darauf, mit keinerlei Drogen in Kontakt zu kommen. Auch Alkohol zählt für ihn dazu.

In Mindelheim bekam er eine neue Chance

Dass es ihm heute gut geht, hat viel mit Menschen zu tun, die es gut mit dem 37-Jährigen meinen. Ihm ist es ein großes Bedürfnis, das auch öffentlich zu erzählen. Über das Kolping-Bildungswerk hat er die Chance bekommen, als Schreinerhelfer bei der Mindelheimer Firma Hundhammer anfangen zu dürfen. 18 Monate war er über Kolping im Betrieb. Dann boten ihm Sonja und Martin Hundhammer eine Stelle als Schreinerhelfer an. Für Thomas Lange war das einer der schönsten Tage in seinem bisherigen Leben.

Ein Fahrradhäuschen hat er bereits gezimmert und einen Schrank restauriert. Auf Baustellen hilft er beim Aufräumen. „Das macht mir viel Spaß“, erzählt er. In seinem Innersten sei er heute zufrieden mit sich selbst. „Ich gehe gerne zur Arbeit und ich bin dankbar für die Hilfe“, die er erfahren hat.

Sein Chef vertraut ihm längst eigenständige Arbeiten an. Die Heizanlage darf Thomas Lange zum Beispiel selbst prüfen. Anfangs allerdings gab es neben den vielen Hochs auch so manches Tief zu überwinden. Mittags war er manchmal richtig platt. Er litt an Stimmungsschwankungen als Folge der Drogensucht. Da war Geduld mit dem Patienten gefordert. Die anderen vier Mitarbeiter in der Schreinerei haben das mitgetragen, sagt Sonja Hundhammer. Und ihr Mann Martin war sicher, Thomas wird am Ball bleiben. Sein Bauchgefühl sollte ihn nicht täuschen.

Sonja und Martin Hundhammer sind nicht die Einzigen, die an den 37-Jährigen glauben. Im Mindelheimer Reitverein hat er guten Anschluss gefunden. „Das ist wie eine große Familie für mich“, strahlt Lange. Dazu zählt auch eine Familie aus Bad Wörishofen, die ihn unterstützt. Sie hat geholfen, dass er sich ein gutes Fahrrad kaufen konnte. Radfahren ist eine seiner großen Leidenschaften. Über Thomas Weinzierl von der Kirchenverwaltung hat er auch eine kleine Wohnung gefunden, die er im Dezember in Mindelheim beziehen darf.

Er möchte seine Erfahrungen an junge Leute weitergeben

Thomas weiß, wie viel Glück er hatte, bei allem eigenen Willen, von den Drogen wegzukommen. Nicht alle schaffen das, räumt er ein. Er sagt, nur drei Prozent sind erfolgreich. Alle anderen werden irgendwann wieder rückfällig. Viele finden nie mehr in ein normales Leben zurück, selbst wenn sie von den Drogen wegkommen. Sie sind oft isoliert und finden keinen verständnisvollen Arbeitgeber. So weit darf es nicht kommen, betont Lange. Deshalb ist es ihm eine Herzensangelegenheit, junge Menschen vor den Gefahren von Drogen zu warnen. „Sie werden immer jünger“, hat er feststellen müssen. Und er will helfen, dass junge Leute erst gar nicht abstürzen. In Schulen würde Lange gerne erzählen, wie leicht man sein Leben verspielen kann.

Von klein an war er auf sich allein gestellt. „Ich bin ein Einzelkämpfer“. Das gibt ihm aber auch die Kraft, sich durchzubeißen. Jeden Euro, den er heute ausgeben kann, hat er selbst verdient. Das macht ihn glücklich ebenso wie die Aussicht auf seine eigene Wohnung. „Ich kann wieder ein normales Leben führen“.

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