Energie in Schöneberg

01.05.2015

Auto tanken am Fluss

Der Sohn von Alois Ruf, Marcel Groos, tankt den E-Ruf mit Strom aus dem kleinen Wasserkraftwerk an der Mindel bei Schöneberg.
Bild: Ulla Gutmann

Alois Ruf erzeugt aus Wasser Strom – wie, erklärte er vor Ort in Schöneberg

„Ein Wasserkraftwerk war schon immer der Traum meines Vaters“, erzählte Alois Ruf, der Besitzer des kleinen Kraftwerkes an der Mindel bei Schöneberg. Sein Vater, der genauso hieß, war in Schöneberg in direkter Nachbarschaft der oberen Mühle aufgewachsen. Im Erwachsenenalter kaufte er 1960 in Türkheim die an das Wertachwehr angrenzenden Grundstücke. Doch sein Antrag zum Bau eines Wasserkraftwerkes wurde erst 31 Jahre später genehmigt, was er nicht mehr erleben durfte. Grund dafür war, dass es keinen Abnehmer für den dort produzierten Strom gegeben hätte. Alois Ruf erinnerte daran, dass in den 60er Jahren bevorzugt Atomkraftwerke gebaut wurden. Den Begriff „erneuerbare Energien“ gab es damals noch nicht. Bei vielen Wasserkraftwerken wurde damals das technische Inventar abgebaut und in Dritte-Welt-Länder exportiert. Ein Umdenken fand erst nach der Katastrophe von Tschernobyl im April 1986 statt.

Alois Ruf ist ein Liebhaber von Wasserkraft. Ihm gehört das Wasserkraftwerk in Türkheim, das kleine Wasserkraftwerk in Schöneberg und er wohnt seit 1990 in einer renovierten Mühle in Weilbach, wo er Strom für den Hausgebrauch produziert. Als Besitzer der Porsche Manufaktur in Pfaffenhausen entwickelte er ein Sportwagenmodel mit Elektroantrieb. Den „E-Ruf“ konnte man beim Stromtanken am Wasserkraftwerk an der Mindel besichtigen.

Das Schöneberger Kraftwerk hat eine Leistung von maximal 90 kW, im Durchschnitt 30 bis 40 kW. Die Jahresproduktion beträgt 350000 kWh, im Vergleich dazu produziert das Türkheimer Kraftwerk etwa 15 mal so viel. Das kleine Wasserkraftwerk funktioniert vollautomatisch. Eine Wasserstandssonde reguliert die Öffnung des Wehrs und steuert die Vorrichtung, die den Rechen an der Wasserzufuhr zum Werk reinigt. Zur Stromerzeugung wird das Wasser drei Meter senkrecht durch einen Turbineneinlauf zum Turbinenrad geleitet, das einem Schiffspropeller ähnelt. Dieser dreht sich mit immer gleicher Geschwindigkeit. Je nach Wassermenge wird mehr oder weniger Strom erzeugt. „Auch bei sehr trockenen Sommern und wenig Wasser in der Mindel passiert es nie, dass das Kraftwerk keinen Strom mehr produziert. Eine Mindestleistung von 8 bis 11 kW war bisher immer noch gewährleistet“, erklärte Marcel Groos, der Sohn von Alois Ruf.

Einmal am Tag kommt jemand zur Kontrolle vorbei. Beim „Tag der Wasserkraft“ kamen vor allem Betreiber anderer kleiner Kraftwerke zu Besuch, um sich zu informieren und auszutauschen.

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