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Mindelheim

18.04.2019

BH-Verschlüsse und sprechende Tote beim Poetry-Slam

Eine Bühne voller Sieger: Zum Poetry-Slam in Mindelheim waren Dichter aus der ganzen Republik und sogar aus Österreich angereist, um dem Publikum ihre Gedichte vorzutragen.
Bild: Schlegel

Mit Versen voller Humor, Romantik und Fantasie überzeugen junge Dichter beim Poetry-Slam in Mindelheim - darunter auch einige Meister ihres Fachs.

Bereits zum vierten Mal fand in Mindelheim ein Poetry Slam, also ein Dichterwettstreit, statt. Wie in den vergangenen Jahren moderierte Slam Master und Literaturveranstalter Ko Bylanzky den Abend. Ein Poetry Slam wird durch den Applaus des Publikums entschieden. Auch dieses Mal erläuterte Bylanzky die Regeln mit viel Humor den zahlreichen Zuhörern im voll besetzten Stadttheater, bevor es dann mit dem langersehnten ersten Teilnehmer losging. Die Reihenfolge der neun Teilnehmer aus Deutschland und Österreich wurde ausgelost, doch der Zufall wollte es, dass Marie-Luise Hammer-Steidle aus dem Unterallgäu den Wettstreit eröffnete. Es war ihr erster Poetry-Slam, wie auch für die in der zweiten Hälfte auftretende Karin Schmeuser aus Mindelheim.

Beide haben sich mit einem Gedicht über Tiere der Meinung des Publikums gestellt und allein der Mut wurde natürlich schon mit großem Applaus gefeiert.

Mehrere Meister aus dem deutschsprachigen Raum waren zum Poetry-Slam nach Mindelheim gekommen

Doch die Konkurrenz war sehr stark, gleich mehrere Titelträger waren in Mindelheim: Neben dem Hamburger Stadtmeister Sven Kamin und dem Niedersachsen- und Bremen-Meister Florian Wintels waren auch der NRW-Meister und amtierender Sieger der deutschsprachigen Slammer Jean-Philippe Kindler und der zweifache Thüringer Landesmeister Skog Ogvann im Unterallgäu. Da hatten es sowohl Ramona Leukert aus Waal, als auch Anna Teufel aus Karlsruhe sowie Ines Strohmeier aus dem Kleinwalsertal schwer.

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Auch die Themen hätten unterschiedlicher nicht sein können: Ogvann sorgte für viel Gelächter mit seinem Text über den Bestatter Bösebrecht, der zwar weiß, dass der Grundsatz „sind deine Sorgen noch so groß, sei deshalb nicht gleich skrupellos“ zwar gelten sollte, aber der halt unbedingt eine Leiche braucht und dann auch gern mal ein Auge zudrückt, obwohl der Tote auch noch spricht. Wintels erzählt von Kinderfußballmannschaften und dem Ehrgeiz der ehrenamtlichen Helfer – temporeich und pointiert, nahe am Sketch. Ganz anders der Vortrag von Anna Teufel. „Aprikosenmarmelade“ lautete der Titel ihres Textes, eine erotische Geschichte von ihrer ersten Begegnung mit einer Frau. Hinreißend zärtlich und einfühlend und voller Poesie – „wenn du versehentlich in mein Ohr pustest, dann kommt Licht in meinen Kopf“, dann wieder sehr komisch als sie sich wundert wie gut Männer das mit den BH-Verschlüssen immer hinbekommen, während sie selbst es einfach nicht schaffe, den Verschluss bei ihrer Freundin zu öffnen. „Männer können das sogar mit Essstäbchen“… da musste sogar sie selbst eine kurze Pause machen, angesteckt vom Lachen im Publikum, bei dem sich vermutlich die Bilder zu einem hübschen Kopfkino aufreihten.

Im Finale des Mindelheimer Poetry-Slams konnte sich Florian Wintels durchsetzen

Sven Kamin zelebrierte eine wilde Verfolgungsjagd auf ein mittels Interpretation ermordetes Gedicht quer durch die Stadt und Jean-Philippe Kindler entlarvte den Glauben an Karma als Faulheit, denn jemand, der an Karma glaubt, muss sich nicht gegen Ungerechtigkeit auflehnen, Karma rettet vor Verantwortung und Rebellion.

Am Ende gewann Florian Wintels im Finale gegen Jean-Philippe Kindler trotz dessen unerhört starken Textes über die Moral-Frage in den Nachrichten. Im Grunde jedoch stehen eigentlich nur Sieger auf der Bühne, und gewonnen haben ohnehin vor allem die Zuhörer - einen großartigen Abend voller Sprachakrobatik, Kreativität, Energie und Leidenschaft auf der Bühne und die Hoffnung, dass es im nächsten Jahr eine Wiederholung geben wird.

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