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Bad Wörishofen/Wiedergeltingen
03.05.2021

Messerattacken in Bad Wörishofen und Wiedergeltingen: Anklagen noch im Mai?

In einem Arbeiterwohnheim in Bad Wörishofen ereignete sich am 28. März ein Gewaltverbrechen
Foto: Thorsten Bringezu

Plus Die Ermittlungen zu den Bluttaten in Bad Wörishofen und Wiedergeltingen sind auf der Zielgeraden. Da beide Beschuldigte sich nach wie vor in Schweigen hüllen, ist kriminalistische Detailarbeit angesagt

Im März erschütterten zwei Bluttaten die Region: In einer Dorfwirtschaft in der Ortsmitte von Wiedergeltingen wurde in der Nacht zum Samstag, 13. März, ein 51-Jähriger erstochen. Tatverdächtig ist ein 50-Jähriger. Wenige Tage später, am Sonntag, 28. März, wurde eine 35-Jährige in einem Arbeiterwohnheim in Bad Wörishofen erstochen. Die Ermittler verdächtigen den 27 Jahre alten Lebensgefährten. Der Körper der Frau war mit mehr als zwei Dutzend Messerstichen verstümmelt worden, dabei wurden offenbar mehrere Messer benutzt. Nach wie vor laufen die Ermittlungen auf Hochtouren, doch inzwischen ist ein Ende in Sicht, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Memmingen unserer Redaktion sagte. Es werde wohl noch „drei, höchstens vier Wochen“ dauern, bis die Ermittlungen in beiden Fällen abgeschlossen sein werden. Dann erst kann Anklage erhoben werden.

Für die Fahnder geht es jetzt vor allem darum, den Tathergang ganz genau zu ermitteln, denn zu einem möglichen Motiv schweigen sich beide Beschuldigte nach wie vor aus.

In beiden Fällen ist kriminalistische Detailarbeit gefordert, denn es ist auch für eine spätere Anklage entscheidend, was genau sich am Tatort abgespielt hat. Denn der Gesetzgeber unterscheidet bei Tötungsdelikten unter anderem zwischen Mord und Totschlag, was erhebliche Unterschiede bei einem möglichen Strafmaß zur Folge haben könnte. Bei Mord müssen dem Täter „niedere Beweggründe“ nachgewiesen werden, Mordmerkmale sind etwa Heimtücke oder Grausamkeit.

In beiden Fällen könnte Eifersucht das Motiv sein

Auch das Motiv spielt eine wesentliche Rolle bei einer späteren Strafzumessung. Und auch hier weisen die beiden Tötungsdelikte in Bad Wörishofen und Wiedergeltingen erschreckende Parallelen auf: In beiden Fällen hat es sich vermutlich um eine Beziehungstat gehandelt, in beiden Fällen könnte Eifersucht als Tatmotiv infrage kommen.

Das Tötungsdelikt in Bad Wörishofen ließ selbst hart gesottene Ermittler blass werden, als sie am Tatort in dem Arbeiterwohnheim eintrafen: Mehr als zwei Dutzend Mal hatte der 27-jährige Bulgare auf seine 35-jährige Partnerin eingestochen, angesichts der Vielzahl der tödlichen Messerstiche sprechen Experten in so einem Fall von einem sogenannten „Overkill“, da das Opfer auch an jeder einzelnen Stichverletzung schon gestorben wäre.

Laut Zeugenaussagen soll der Tat ein lautstarker und äußerst heftiger Streit vorausgegangen sein.

In dem ehemaligen Kurheim wurde im September 2018 schon einmal ein Mensch getötet. Bei der Polizeiinspektion Bad Wörishofen ist das Arbeiterwohnheim als Schwerpunkt für Alkohol- und Gewaltdelikte hinlänglich bekannt. Allein in den vergangenen zwei Jahren registrierte die örtliche Polizei knapp 30 Einsätze, so Bad Wörishofens Polizeichef Thomas Maier. Dennoch wollte er nicht von einem „Brennpunkt“ sprechen. Er setzt nach wie vor auf die „soziale Kontrolle“ durch die Nachbarschaft und fordert Betroffene in jedem Fall auf, sich umgehend an die Polizei zu wenden.

Das beliebte Dorfgasthaus in Wiedergeltingen war Tatort eines Tötungsdeliktes.
Foto: Geiger

Auch Bürgermeister Stefan Welzel (CSU) hatte sich eingeschaltet und deutlich gemacht, dass die Stadt Bad Wörishofen „alles daran setzt, die Situation rund um das Mietshaus in der Peter-Dörfler-Straße zu verbessern“. Welzel hatte daher mit den Eigentümern und gleichzeitig Vermietern des Hauses gesprochen und ausgelotet, welche „Maßnahmen und Änderungen im Mietobjekt zielführend und umsetzbar“ sind.

Auch die Vermieter hätten selbst größtes Interesse an Ruhe und Ordnung in ihrer Immobilie. In dem Arbeiterwohnheim in der Peter-Dörfler-Straße werde insgesamt rund 15 Personen Wohnraum zur Verfügung gestellt.

Im Zuge der gemeinsamen Beratschlagung wurden verschiedene Ansätze diskutiert und laut Welzel „mit Nachdruck nochmals darauf hingewiesen, dass im Sinne der Allgemeinheit und der angebrachten Gewaltprävention sich definitiv etwas ändern muss“. Der Bad Wörishofer Bürgermeister damals: „Noch einen Gewaltexzess möchte man hier nicht mehr erleben.“

Bei der tödlichen Messerattacke im Gasthaus Ritter in Wiedergeltingen in der Nacht zum Samstag, 13. März, scheine Eifersucht als mögliches Tatmotiv wahrscheinlich, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Nach langem Schweigen hatte sich der mutmaßliche Täter schon Anfang April im Verlauf der Vernehmungen entschlossen, Angaben zur Tat zu machen. Dabei habe er auch zugegeben, auf seinen 51-jährigen Widersacher eingestochen zu haben. Beim Opfer handelte es sich um den Ehemann der Wirtin des beliebten Dorfgasthauses in der Ortsmitte von Wiedergeltingen, der 50-Jährige soll ihr neuer Lebensgefährte gewesen sein.

Vielleicht will der Beschuldigte seine Tat in Wiedergeltingen klein reden

Wie die MZ aus Ermittlerkreisen erfuhr, will der mutmaßliche Täter so offenbar seine eigene Schuld möglichst klein reden und spricht von einem Streit und einem Handgemenge, in dessen Verlauf er dann auf den 51-Jährigen eingestochen habe. Dies könnte bei einem späteren Prozess dann auch erhebliche strafmildernde Folgen haben, denn dann könnte dem 50-Jährigen kein Vorsatz unterstellt werden. Auch eine mögliche Notwehr käme bei diesem Tathergang infrage.

Aus den bisherigen Ermittlungsergebnissen lässt sich schließen, dass es sich auch um eine geplante Tat gehandelt haben könnte: Spuren am Tatort legen nahe, dass der Täter seinem Opfer sogar aufgelauert haben könnte.

Die Tatwaffe hat der 50-Jährige vermutlich bei seiner morgendlichen Flucht nach Buchloe weggeworfen oder versteckt, bevor er dann wenige Stunden nach der Bluttat in der Stadtmitte von Buchloe von Fahndern der Sonderkommission „Flur“ festgenommen werden konnte.

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