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Bad Wörishofen

15.01.2021

Bad Wörishofens Tafel stemmt sich gegen die Corona-Krise

Wo andere Tafeln schlossen, steht das Team in Bad Wörishofen weiterhin für die Bedürftigen der Kneipstadt bereit.
Foto: Franz Issing

Plus Von Kurzarbeit bis Altersarmut reichen die Folgen der Pandemie in Bad Wörishofen. Die Tafel der Kneippstadt versucht alles, um den Bedürftigen weiterhin zu helfen.

Kurzarbeit, Wegfall von Minijobs, Arbeitslosigkeit und Altersarmut: Viele Menschen sind derzeit von der Corona-Pandemie und ihren wirtschaftlichen Folgen hart betroffen. Auch die Tafel in Bad Wörishofen, seit 16 Jahren gefragte Anlaufstelle für Bedürftige bekommt sie zu spüren. In der Corona-Krise sehen sich die 60 ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins vor große Herausforderungen gestellt.

„Um die Gesundheit der Helfer und Kunden zu schützen musste die Ausgabe von Lebensmitteln kurzfristig den aktuell geltenden Hygienevorschriften und Schutzmaßnahmen angepasst werden“, macht Ilse Westphal, die Gründerin und Vorsitzende der Wörishofer Tafel deutlich. Von ihr ist auch zu erfahren, dass pro Woche etwa 70 Haushalte mit Nahrungsmitteln versorgt werden müssen. Nur jeweils zwei Personen dürfen derzeit den in einem städtischen Gebäude am Stadionring untergebrachten Laden betreten. Verkauft und kassiert – 1,50 Euro pro Person und vollgepackter Tüte – wird hinter Glaswänden. Die Waren werden gerecht verteilt, möglichst kontaktarm aber dennoch mit viel menschlicher Wärme. „Eine sehr anspruchsvolle Aufgabe“, sind sich Westphal und Geschäftsführerin Jana König einig.

Damit es vor Ort nicht zu Problemen kommt, hat die Tafel weitere Vorkehrungen getroffen. Zwei Ordner lenken den Strom der anstehenden Kunden und achten am Eingang zum Verkaufsraum darauf, dass die Abstandsregeln eingehalten werden. Zudem gilt: „Eintritt nur wenn dort die Ampel grün zeigt.“

Andere Tafeln machen im Lockdown zu, in Bad Wörishofen tut man alles, um weiter öffnen zu können

Gehbehinderte können sich in einem Container ausruhen und warten, bis sie aufgerufen werden. „Für Bedürftige, die das Haus nicht verlassen können, packen wir die Taschen nach deren Wünschen voll und liefern frei Haus“, so König.

Viele der mehr als 950 gemeinnützigen Tafeln in Deutschland haben während des Lockdowns vorübergehend geschlossen. Nicht so der Wörishofer Verein. Auch in schwierigen Zeiten will man eine Brücke zwischen Verschwendung und Armut schlagen. „Lebensmittel retten, Klima schützen und Menschen helfen“ lautet die Devise“. „Wir können unsere Kunden in einer Ära neuer Armut nicht allein lassen und haben unseren Betrieb den staatlichen Verordnungen gemäß umorganisiert“, erklärt die die Tafelgründerin Westphal. Und sie bedauert es sehr, dass sie das von den Kunden als sozialer Treffpunkt geschätzte Café vorläufig schließen musste.

Ehrenamtliche Helfer klappern die Anbieter für Nahrungsmittel in der Region ab

Während die Angebote vielerorts stark eingeschränkt wurden, kann die Wörishofer Tafel über Engpässe nicht klagen. Der Nachschub rollt. Ehrenamtliche Helfer klappern jeweils montags und dienstags Discounter, Supermärkte und Biohöfe in der Region ab, sammeln überschüssige Lebensmittel ein, verladen sie in Kühlwagen und füllen damit die Lagerräume der Tafel. Ist die Ware dort angekommen, heißt es: Obst und Gemüse putzen, Artikel sortieren und im Verkaufsraum aufbauen. Gefragt sind bei den Kunden vor allem Grundnahrungsmittel, wie Obst, Gemüse, Milchprodukte und Wurstwaren.

Wie die übrigen 950 deutschen Tafeln ist auch der Wörishofer Verein auf Spenden angewiesen. Da können sich Ilse Westphal und Geschäftsführerin Jana König nicht beklagen. „Der Bund, die Stadt und auch viele Privatleute greifen uns finanziell hilfreich unter die Arme, so dass wir den Betrieb auch in der Krise am Laufen halten können“, berichten die beiden „Frontfrauen“. Unterstützung kommt auch vom Bundesverband „Tafel Deutschland“, der unter anderem die Kosten für zwei Raumlüfter übernommen hat. Stolz ist die Wörishofer Tafel auch auf ihren prominenten Schirmherrn, den neuen bayerischen Gesundheitsminister Klaus Holetschek, der in den vergangenen Jahren zusammen mit dem Thermen-Gastronom Rolf Mayer regelmäßig Kaiserschmarrn zubereitet hat und auf diese Weise zusätzliches Geld für die Tafel erlöste. Die Tafel am Stadionplatz ist jeweils dienstags von 13.30 bis 15.30 Uhr geöffnet.

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