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Gesundheit

21.04.2017

Bakterien im Trinkwasser: Ende der Chlorung am 2. Mai

Regelmäßig wird das Türkheimer Trinkwasser kontrolliert, seit coliforme Keime festgestellt wurden. Die Ursache wurde offenbar gefunden. Am Dienstag, 2. Mai, ist vorerst Schluss mit der Chlorung, dann muss wieder abgekocht werden
Bild: Alf Geiger

Gestern saßen die Behörden erstmals an einem Tisch und besprachen das Vorgehen. Die Türkheimer bekommen jetzt Post. Und die Verursacher möglicherweise mächtig Ärger

 Die Verbraucher in Türkheim, Irsingen und Berg können darauf hoffen, dass sie bald wieder Leitungswasser ohne Chlorzusatz trinken können. Gestern saßen Gesundheitsamt, Wasserwirtschaftsamt und Gemeinde erstmals gemeinsam an einem Tisch, um die Situation zu analysieren und das weitere Vorgehen abzustimmen. Ab Dienstag, 2. Mai, wird die Zugabe von Chlor eingestellt. Für die Verbraucher heißt das: Sie müssen dann ihr Trinkwasser wieder abkochen. Insider gehen davon aus, dass diese „Abkoch-Verordnung“ mindestens vier Wochen eingehalten werden muss, um jedes Gesundheitsrisiko auszuschließen.

Inzwischen wurden einige wahrscheinliche Ursachen für das Eindringen von coliformen Keimen gefunden. Wenn diese Ursachen behoben sind, dann besteht auch keine Notwendigkeit mehr, das desinfizierende Chlor einzubringen. Nur – dann muss sich erst zeigen, dass die Ursachen wirklich beseitigt werden konnten. Dazu ist eine Übergangszeit notwendig, in der kein Chlor mehr eingebracht und das Trinkwasser regelmäßig flächendecken d überwacht wird. Tritt über einen längeren Zeitraum keine Verunreinigung mehr auf, dann ist alles okay. Werden jedoch erneut coliforme Keime nachgewiesen, dann geht das Prozedere von vorne los.

Die Behördenvertreter waren sich einig, dass es an der Zeit sei, diesen Schritt zu tun und ab Dienstag, 2. Mai, kein Chlor mehr eingeleitet werden muss. Doch es gab ein anderes Problem: Das Gesundheitsamt wollte erst dann einem Stop der Chlorung zustimmen, wenn wirklich alle Verbraucher zuverlässig darüber informiert sind und die dann greifende „Abkoch-Verordnung“ auch Wirkung zeigt.

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Denn wenn ein Verbraucher aus Unwissenheit sein Trinkwasser nicht abkocht und es sind doch noch Bakterien im Wasser, dann drohen Gesundheitsrisiken. Dieses Risiko will das Gesundheitsamt nicht eingehen. Wie die Bevölkerung flächendeckend und zuverlässig informiert werden kann, beschäftigte die Verantwortlichen im Rathaus schon in den vergangenen Wochen. Zunächst wurde über einen Flyer nachgedacht, der im Gemeindegebiet ausgeteilt wird. Doch um wirklich jeden Haushalt zuverlässig zu informieren, entschied sich die Gemeinde, den Bürgern einen Brief per Post zustellen zu lassen. Und weil das dauert, müssen die Türkheimer bis dahin noch gechlortes Wasser trinken.

Mit dem Stop der Chlorung geht eine wochenlange Hängepartie für die Türkheimer zu Ende. Seit am Freitag, 24. Februar, erstmals eine erhöhte Konzentration von coliformen Keimen im Trinkwasser nachgewiesen worden ist, mussten die Bürger ihr Trinkwasser zunächst abkochen und auch beim Duschen oder Baden aufpassen. Dann wurde dem Trinkwasser Chlor zugesetzt, um die Keime möglichst schnell abtöten zu können; alle Haushalte wurden aufgerufen, ihre Leitungen gründlich zu spülen. Mit Erfolg: Bis zum 7. März ging das so, dann gab das Staatliche Gesundheitsamt erstmals Entwarnung.

Die Suche nach der Ursache war so schwierig, weil es nicht nur eine Stelle gab, an der Bakterien eindringen konnten. Offenbar waren nicht zugelassene Verbindungsleitungen zwischen Regenwasser-Zisternen und dem Leitungsnetz das Problem. Solche Regenwasser-Zisternen sind als Brauchwasserspeicher beliebt und werden neben der Verwendung als Gießwasser auch zur Toilettenspülung oder zum Betrieb von Waschmaschinen verwendet. Eine direkte Verbindungsleitung zwischen Zisterne und dem Leitungsnetz ist zwar verboten, wird aber offenbar häufiger eingesetzt, um Druckschwankungen zu vermeiden.

Auf diesem Weg können dann Bakterien aus dem Regenwasser in das Leitungsnetz eindringen. Für die Verursacher, so sie denn eindeutig identifiziert werden können, kann dies durchaus unangenehme Folgen haben. „Das ist kein Kavaliersdelikt“, sagt Dr. Wolfgang Glasmann, Chef des Gesundheitsamtes in Mindelheim. Zumindest ein saftiges Bußgeld für eine Ordnungswidrigkeit droht in diesem Fall.

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