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Rammingen

20.11.2019

Bald rollt der Rubel in Rammingen

Viel Applaus von den anwesenden Bürgern, aber auch vom Gemeinderat und der Verwaltung konnten Stefanie Natterer (links) und Caroline Ledermann für sich verbuchen. Die beiden Verantwortlichen der „SoS Nachbarschaftshilfe Rammingen“ wurden unlängst mit dem Bayerischen Innovationspreis ausgezeichnet.
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Viel Applaus von den anwesenden Bürgern, aber auch vom Gemeinderat und der Verwaltung konnten Stefanie Natterer (links) und Caroline Ledermann für sich verbuchen. Die beiden Verantwortlichen der „SoS Nachbarschaftshilfe Rammingen“ wurden unlängst mit dem Bayerischen Innovationspreis ausgezeichnet.
Bild: Regine Pätz

Rammingen wird - trotz geplanter Investitionen - wohl doch keine Kreditaufnahme tätigen müssen. Einige Großprojekte gilt es noch zu bewältigen.

Größere Einnahmen, die „vor der Türe stehen“, ein kommunaler Haushalt in „geordneten Verhältnissen“, eine angekündigte Kreditaufnahme, die wohl doch nicht notwendig werden wird, und - mit Blick auf die Einkommensteuerbeteiligung - nahezu Vollbeschäftigung in der Gemeinde: Es sollte knapp dreieinhalb Stunden dauern, bis sich Rammingens Bürgermeister Anton Schwele sowie VG-Kämmerer Claus-Dieter Hiemer im Rahmen der Bürgerversammlung am vergangenen Freitag durch die Agenda der Gemeinde gearbeitet hatten. Denn viel ist in Planung für den derzeit 1568 Einwohner starken Ort.

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Bürgermeister Schwele verteidigt die Kostensteigerungen beim Dorfgemeinschaftshaus

Vor einem sehr gut gefüllten Saal im Gasthaus Stern gab zunächst der Kämmerer der Verwaltungsgemeinschaft einen kurzen Einblick in die Haushaltsentwicklungen. Als erfreulich bezeichnete Hiemer etwa die Situation in Sachen Gewerbesteuer; mit einer zu erwartenden Summe in Höhe von 450.000 Euro zeige sich eine leichte Steigerung zum Vorjahr, fast einen Millionenbetrag spüle zudem die Einkommensteuer in die Kasse des Verwaltungshaushaltes (895.000 Euro). Allerdings, so gab der Kämmerer zu bedenken, werden sich dadurch sowohl die Kreis- als auch die Gewerbesteuerumlage erhöhen. Deutlich mehr Geld ausgeben müsse Rammingen zudem im Bereich Personalkosten, auch mehr Umlage an die VG überweisen. So gelte das Haushaltsjahr 2019 als „deutlich schwieriger“ als das Jahr zuvor.

Obschon in 2019 genau so viel ausgegeben werden müsse wie eingenommen werde, bleibe die Gemeinde schuldenfrei, sagte Hiemer. Knapp eine halbe Million Euro an Rücklagen werden für 2019 gebraucht, „ein fast vollständiger Verzehr“, wie es der Kämmerer bezeichnete.

Bald rollt der Rubel in Rammingen

Werde mit Blick auf anzugehende Großprojekte - etwa der Bau von Eisenbahnunterführungen, der Ausbau der Hauptstraße-Mitte, Ausstattungsanschaffungen für den Bauhof oder Erschließung des Baugebietes westlich der Grundschule - eine vorübergehende Kreditaufnahme eventuell erforderlich, könnte ab dem Haushaltsjahr 2020 wieder Schuldenfreiheit erreicht werden.

Möglich machen das auch „größere Einnahmen, die vor der Türe stehen“, wie Claus-Dieter Hiemer betonte. So könne ein Zuschuss von knapp 250.000 Euro vom Amt für ländliche Entwicklung erwartet werden, eingeplant für die Außenanlage des Dorfgemeinschaftshauses.

Einen deutlichen Geldbetrag spüle zudem die Veräußerung des sogenannten Lipp-Hauses sowie des damit verbundenen Vermögens in die Gemeindekasse, läuft doch zum Ende des Monats die 20-jährige Frist aus, die der Gemeinde klare Statuten zur Verwendung dieses Vermögens auferlegt hatte. „Das kommt nun dem Haushalt und dem Gemeindehaus zugute“, freute sich Bürgermeister Anton Schwele.

An dieser Stelle warb Schwele noch einmal um Verständnis ob der gestiegenen Baukosten. Die für Rammingen „äußerst notwendige Begegnungsstätte für alle Generationen“ sei rund ein Drittel größer ausgefallen, wie noch zu Zeiten des dazu ausgerufenen Bürgerbegehrens.

Die "SoS Nachbarschaftshilfe" kommt in Rammingen prima an

Viele Ideen der Bürger seien zudem mit umgesetzt worden, was zur Kostensteigerung, aber auch zur deutlichen Entwicklung der Gemeinschaft innerhalb des Gemeindehauses beigetragen habe.

Sichtlich stolz zeigte sich der Bürgermeister im Anschluss, als er mit Caroline Ledermann und Stefanie Natterer die beiden Verantwortlichen der „SoS Nachbarschaftshilfe Rammingen“ ans Rednerpult holen konnte. Unlängst waren beide stellvertretend für dieses Projekt mit dem Bayerischen Innovationspreis „Zuhause daheim“ ausgezeichnet worden - einem Preis, den nur ein einziges Projekt pro Regierungsbezirk erhalten kann.

Beide ernteten viel Applaus für ihr Engagement, beide nutzten aber auch die Möglichkeit, für freiwillige Unterstützung zu werben. „Gerne auch durch Männer“, wie Ledermann lachend in den Raum warf.

Voranbringen möchte die Gemeinde, so zeigte anschließend Anton Schwele auf, den Ausbau in Sachen Glasfaser auch für Einzelhöfe im Außenbereich; der Einstieg ins Förderprogramm „Höfe-Bonus“ soll hier finanzielle Machbarkeit garantieren.

Abzüglich der Fördersumme bliebe für Rammingen ein Eigenanteil von etwa 140.000 Euro. In Aussicht stellte der Bürgermeister auch den Bau einer Seniorenwohnanlage, geplant in 2020.

Erstellt von einem externen Bauträger, sind zwei Gebäude zu je elf Wohnungen geplant - barrierefrei und ergänzt durch eine 24-Stunden-Rufbereitschaft. Ein paar Wohnungen will die Gemeinde selbst erwerben, finanziert auch durch das in Bälde frei werdende Lipp-Vermögen.

Die Modalitäten rund um die Anmeldefristen bzw. Warteliste zum Erwerb einer Wohnung in der Seniorenwohnanlage sind ab sofort in der Verwaltung zu erfragen, erklärte Schwele, der gleichzeitig darauf hinwies, dass es bereits genügend Anmeldungen für die ersten elf Wohnungen gäbe. Einen weitere Vorausschau gab der Rathauschef dann auf die thermische Sanierung der Grundschule. Mit Blick auf eine staatlich garantierte Ganztagsbetreuung ab 2025 mache ein Umdenken Richtung „offene“ Ganztagsbetreuung Sinn und damit auch eine räumliche Erweiterung des Schulgebäudes. Der Gemeinderat und die Verwaltung werden sich mit dieser Aufgabe in Bälde beschäftigen.

Letztlich stellte Bürgermeister Anton Schwele noch einen Anschluss der Gemeinde an das Flexibus-System in Aussicht; noch sei dazu nicht alles eruiert, sagte Schwele.

Eine Veranstaltung Ende November in Wiedergeltingen, die sich an die Bürgermeister und Gremien der in Frage kommenden Orte im Bereich Ettringen-Türkheim-Wiedergeltingen richte, solle abgewartet werden.

Geduldig abgewartet hatten auch die Ramminger Bürger, die zur diesjährigen Bürgerversammlung gekommen waren. Der Fülle an Informationen, Ausführungen und Haushaltseinblicken gesättigt, sollte es im Anschluss an Schweles Redezeit zu weit fortgeschrittener Stunde denn auch zu keinen Fragen mehr aus dem Publikum kommen.

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