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Allgäu/Unterallgäu

16.05.2018

Bauen im Allgäu: Idyll oder Kitsch?

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Traditionell oder modern? Unter anderem diese beiden Beispiele sollten die Teilnehmer bei der Umfrage bewerten.
Bild: Rene Paulweber, BMW Group

Welcher Baustil passt ins Allgäu? Eine Umfrage ergab: Touristen und Einheimische denken oft unterschiedlich. Moderne Bauten sehen beide Gruppen kritisch

Kitschig, progressiv oder authentisch? Harmonisch oder störend? Die Allgäu GmbH hat zusammen mit Partnern aus Reutte und dem Architekturforum Allgäu Einheimische und Gäste befragt, wie sie verschiedene Bauwerke und Landschaften wahrnehmen. Im Internet sollten die Teilnehmer Fotos aus dem Allgäu und Tirol bewerten. Knapp 1200 Personen gaben zwischen August und November vergangenen Jahres ihre Stimme ab. Das Fazit: „Die Gäste sind viel unkritischer als wir Einheimischen“, sagte Klaus Fischer, Geschäftsführer der Allgäu GmbH.

Bei der Allgäu Initiativ Konferenz stellte er das Ergebnis der Umfrage vor, die über das Förderprogramm Interreg unterstützt wurde. Eindeutig war das jedoch nicht. Teils werfe das Ergebnis mehr Fragen auf, als es Antworten gibt. Die „richtige“ Baukultur für den Tourismus gebe es schlicht nicht, betonte Fischer. Dennoch lassen sich einige Tendenzen erkennen.

Verzierte Fassaden und hölzerne Balkone mit überquellendem Blumenschmuck? 71 Prozent der Einheimischen finden das kitschig, 36 Prozent der Übernachtungsgäste bezeichnen dieses Bild als traditionell. An gewerblichen Gebäuden mitten in der Landschaft stört sich fast die Hälfte der Einheimischen. „Für Gäste ist das aber kein Grund, nicht ins Allgäu zu fahren“, sagte Fischer. Nur 25 Prozent der Urlauber empfänden ein flaches Bauwerk mit Solardach als unangenehm.

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Gewerbliche Gebäude mitten in der Allgäuer Landschaft kommen nicht gut an

Überrascht war der Geschäftsführer vor allem von zwei Ergebnissen. Ein modern gestaltes Hotel fanden 51 Prozent der Befragten auf den ersten Blick nicht ansprechend. 65 Prozent waren der Ansicht, dieser Baustil passe besser in eine Stadt als in die Alpenregion. Mit regionaler Identität hatte die Inneneinrichtung nur für wenige etwas zu tun, obwohl dafür nur regionale Materialien verwendet wurden. Bei Architekten kam das Hotel hingegen gut an. Ebenfalls für Verwunderung bei der Konferenz sorgte ein Foto der neuen Nebelhorn-Bergstation. Hier gaben 64 Prozent der Touristen an, auf die Architektur zu achten, wenn sie ihren Urlaub buchen. Fast 30 Prozent reisten sogar nur wegen eines bestimmten Bauwerkes an einen Ort.

Die Baukultur geht auch Orte im Unterallgäu etwas an

Bei der Allgäuer Baukultur seien nicht nur die Hotels gefragt, auch die einzelnen Orte müssten sich bemühen, sagte Sybille Wiedenmann, Geschäftsführerin der Allgäu Tophotels. Dabei gehe es um die Frage: Wie einladend ist es, ins Allgäu einzufahren? Außerdem müsse der geschichtlich geprägte Baustil seinen Weg in die Moderne finden. Dem schloss sich Füssens Bürgermeister Paul Iacob an. „Wir haben wunderschöne Altstädte.“ Diese gelte es zu bewahren. Moderne Akzente könnten dabei jedoch für spannende Brüche sorgen, fügte Wiedenmann hinzu. „Es muss halt zum Ensemble passen.“ Um für all diese Herausforderungen Lösungen zu finden, empfiehlt die Allgäu GmbH noch mehr Gespräche zwischen Bauherren, Planern und der Verwaltung.

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