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08.10.2009

Bauern verdienen nicht an der Milch - wer dann?

Allgäu Wer verdient wie viel an Milchprodukten? Eine Frage, die offensichtlich niemand beantworten kann - oder will.

Wären die Verbraucher bereit, mehr zu bezahlen, ginge es den Bauern besser, heißt es oft. Doch wer garantiert, dass das Geld beim Erzeuger ankommen würde? Wer verdient wirklich wie viel, wenn der Verbraucher einen Becher Joghurt, Käse oder eine Tüte Milch kauft? Viele Fragen, wenig Antworten.

Wäre es so einfach, müsste die EU nicht jemanden beauftragen, der prüft, wo das Geld hinfließt und bei wem am meisten hängen bleibt, meint Emmerich Heilinger, Geschäftsführer der Süddeutschen Butter- und Käsebörse. "Die Frage, wer wie viel beispielsweise an einem Becher Joghurt verdient, kann man unmöglich pauschal beantworten. Denn für jedes Produkt, bei jedem Händler und in jedem Zeitraum sind die Kosten unterschiedlich", sagt Heilinger.

Wer überhaupt an Produktion und Verkauf von Milchprodukten beteiligt ist, erklärt Sabine Schuster-Woldan von der Verbraucherzentrale Bayern: "Bestimmte Prozentsätze des Verkaufspreises gehen an Handel, Molkerei, Erzeuger, Verpackung, Transport, Abgaben für den Grünen Punkt und Werbekosten. Diese sind am schwierigsten zu erfassen."

Bauern verdienen nicht an der Milch - wer dann?

Auch Heilinger sieht die Werbekosten als einen Faktor, der es fast unmöglich macht, die Gewinnspannen aufzudröseln: "Viele Molkereien beteiligen sich an den Werbekosten der Händler, mit denen sie sich deren Treue sichern."

Als Vorsitzender des Milchwirtschaftlichen Vereins Allgäu-Schwaben sollte Josef Zengerle Antworten auf die Frage nach der Verteilung der Gewinne haben. Doch auch er kann nur Faktoren nennen, die dies fast unmöglich machen. Beispiel Molkereien: "Unterschiedliche Unternehmensformen arbeiten verschieden. Private Molkereien haben andere Preise als genossenschaftliche, denn bei denen wird das Geld ja zusammengeworfen und aufgeteilt", erklärt Zengerle. Auch das jeweilige Gebiet beeinflusse die Erfassungskosten enorm: "Wenn ein Milchlaster weiter und öfter fahren muss, schlagen die Kosten für den Transport der Rohmilch natürlich höher zu Buche."

Sabine Schuster-Woldan sieht den größten Spielraum für die Preisgestaltung im Handel: "Die Händler haben keinen festen Satz, den sie auf den Einkaufspreis etwa für Lagerung, Kühlung oder Personal draufschlagen". Die Läden hätten oft eine Mischkalkulation. An Eigenmarken verdienten sie nichts, lockten aber die Kunden. Auf Markenprodukte werde dafür umso mehr draufgeschlagen, meint die Expertin. Ganz anders denkt Heilinger darüber: "Die Margen für den Handel sind bei Milchprodukten auf jeden Fall geringer als man denkt. Sie werden derzeit sehr überschätzt. Wirklich verdienen tun die Händler nur im Non-Food-Bereich, also abseits der Lebensmittel".

Hannes Feneberg von der gleichnamigen Ladenkette sagt, dass die Prozentsätze, die der Handel auf Einkaufspreise aufschlägt, von vielen Faktoren abhängen. "Beispielsweise Personalkosten: Ein Discounter schlägt dafür etwa fünf Prozent drauf, bei uns sind es zwölf", so Feneberg.

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