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Mindelheim

16.07.2020

Bauern wehren sich gegen Schließung der Landwirtschaftsschule

Wie geht es weiter mit der Landwirtschaftsschule in Mindelheim? Geht es nach den Plänen des Ministeriums, wird die Schule 2022 geschlossen. Das treibt nicht nur die Schüler – hier ein Foto einer Blühwiesen-Aktion des vergangenen Jahrs – um, sondern auch den Bauernverband.

Plus Der Bauernverband appelliert an Ministerin Kaniber: Es sei nicht sinnvoll, dass Jungbauern aus dem Unterallgäu erst 100 Kühe versorgen und dann bis zu 100 Kilometer weit fahren müssen.

Die von der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber ( CSU) angekündigte Schließung der Landwirtschaftsschule in Mindelheim im Jahr 2022 wird von den Bauern im Unterallgäu abgelehnt (Mehr über die Schulschließung hier: Landwirtschaftsschule in Mindelheim schließt 2022) Bleibt es bei dieser Entscheidung, drohen den angehenden Landwirten weite Fahrstrecken bis nach Wertingen. Der Bauernverband appelliert deshalb an die Ministerin, die Schule zu erhalten.

In dem Schreiben des BBV-Kreisverbandes Unterallgäu heißt es: „Wir können diesen Beschluss nicht nachvollziehen und fordern, dass die Landwirtschaftsschule Mindelheim weiter geöffnet bleibt und für unsere Hofnachfolger zur Verfügung steht.“ In Mittelschwaben und westlich von München entstehe ein großes Loch, in dem es keine Landwirtschaftsschule mehr gibt. Gerade für Gemischtbetriebe mit Tierhaltung (Schwerpunkt Milchviehhaltung) gäbe es in dieser Region keine zumutbare Fortbildungsmöglichkeit mehr.

Es sei für die Unterallgäuer nicht zumutbar, bis nach Wertingen in die Schule zu fahren

Die Schulen in Kaufbeuren und Kempten sind laut BBV in ihrem Profil stark auf Milchviehhaltung mit reiner Grünlandbewirtschaftung ausgerichtet, teilweise auch noch auf Alpwirtschaft. In Wertingen steht die Schweinehaltung mit Ackerbau im Vordergrund. „Somit ist Mindelheim der einzige Schulstandort in dieser Gegend, der die Flächenbewirtschaftung in seiner vollen Bandbreite, Grünland und Ackerbau, lehrt.“ Für Hofnachfolger im Unterallgäu und den südlichen Hälften der Landkreise Günzburg, Neu-Ulm und Augsburg sei es nicht zumutbar, bis nach Wertingen zur nächsten Schule zu fahren.

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Der BBV weist auch auf die ausreichende Zahl von Schülern hin, die es in Mindelheim gibt. Eine wirkungsvolle Synergie ergebe sich mit der landwirtschaftlichen Berufsschule Mindelheim. Die Verkehrsanbindung sei gut, Mindelheim werde in Zukunft auch wichtig für Studierende aus den Landkreisen Landsberg, Fürstenfeldbruck und Starnberg, da die Landwirtschaftsschule Fürstenfeldbruck ab 2020 geschlossen ist und Weilheim auf Ökobetriebe spezialisiert ist.

In den vergangenen fünf Jahren besuchten im Durchschnitt 27 Schüler das BGJ in der Berufsschule Mindelheim. „Das bedeutet genügend Nachwuchs für die Landwirtschaftsschule.“

Die Mindelheimer Landwirtschaftsschule soll 2022 geschlossen sein. Grünland und Ackerbau werden dann nicht mehr in Mindelheim unterrichtet.

Die Studierenden der Landwirtschaftsschule Mindelheim sind überwiegend Milchviehhalter. Sie hielten in den vergangenen Jahren im Durchschnitt 80 bis 90 Milchkühe. Die Schüler sind deshalb auch während der Schultage in den täglichen Arbeitsablauf daheim eingebunden, und in den Sommermonaten hätten sie sowieso keine Zeit für einen regelmäßigen Unterricht. Der Besuch einer überregionalen Vollzeitschule sei deshalb keine Alternative. Es ist also zu befürchten, dass manche Berufsschulabgänger überhaupt keine weiterführende Fachschule mehr besuchen würden. „Wir wollen aber gut ausgebildete künftige Betriebsleiter, bis hin zum Meister“, so der BBV.

Bauern: Mindelheim sollte Hauptsitz des neuen Landwirtschaftsamts werden

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Mindelheim habe mehr landwirtschaftliche Betriebe zu betreuen als das Amt in Krumbach, auch die landwirtschaftlich genutzte Fläche „ist bei uns größer, deshalb sollte Mindelheim und nicht Krumbach als Hauptsitz des neuen Amtes Mindelheim-Krumbach festgelegt werden“, betonen Kreisobmann Martin Schorer, Kreisbäuerin Margot Walser und BBV-Geschäftsführer Helmut Mader.

Schulen sollten erst dann geschlossen werden, wenn sich wirklich dauerhaft zu wenige Schüler anmelden. Der BBV ersucht die Ministerin deshalb, die Landwirtschaftsschule in Mindelheim bis auf Weiteres geöffnet zu halten.

Kommt Kaniber den Landwirten nicht entgegen, drohen weite Fahrtstrecken. Weil sich die Ausbildung vor allem auf die Wintermonate konzentriert mit Eis und Schnee auf den Straßen, haben die jungen Landwirte von 2022 an auch noch mit schwierigen Straßenverhältnissen auf ihrer langen täglichen Anfahrt zu kämpfen. Betroffene müssen mit Fahrstrecken von bis zu 100 Kilometern rechnen.

Der Leiter des Amtes für Landwirtschaft und Forsten in Mindelheim, Rainer Nützel, zeigte sich von der Entscheidung, die Schule zu schließen, überrascht. Am Dienstag, 7. Juli, um 17 Uhr hat er mitgeteilt bekommen, dass die Landwirtschaftsämter Krumbach und Mindelheim fusionieren sollen.

Die Ausbildung in Mindelheim sei immer gut nachgefragt gewesen. Auch für diesen Herbst liegen die erforderlichen 17 Anmeldungen vor. Nicht betroffen ist die Abteilung Hauswirtschaft.

Wer wird der neue Leiter des neuen Amts Krumbach-Mindelheim?

Wer das künftig fusionierte Amt Krumbach-Mindelheim leiten wird, ist noch offen. Beide Ämter werden von Förstern geleitet. In Mindelheim ist das Nützel, in Krumbach Alex Heiß. Zunächst werden wohl beide Standorte gleichwertig betrieben. „Danach wird es einen Gesamt-Chef geben“, sagte Nützel. Vier Lehrkräfte sind am Mindelheimer Amt schwerpunktmäßig für die Ausbildung der jungen Landwirte zuständig. Sie dürften über kurz oder lang in eine der benachbarten Schulen wechseln. Kein Problem stellen wohl die Räumlichkeiten dar. Es sind zwei Unterrichtsräume, die von 2022 an dann in Mindelheim nicht mehr benötigt werden.

Zu der Fusion der Ämter und der Schließung der Landwirtschaftsschule hat die MZ auch die beiden Landtagsabgeordneten der CSU aus Mindelheim und Memmingen befragt, Franz Josef Pschierer und Klaus Holetschek. Letzterer spricht in einem Schreiben an die MZ auch für seinen Parteikollegen: Sie beide hätten sich mit Nachdruck für den Erhalt der Landwirtschaftsschule eingesetzt, so Holetschek. Gleichwohl habe es aber auch „teils nachvollziehbare Argumente“ seitens des Ministeriums für eine Neuaufstellung der Landwirtschaftsämter und Fachschulen gegeben, etwa den Erhalt der bestmöglichen Qualität der Fortbildung bei landesweit rückläufigen Anmeldezahlen. „Wichtig ist aus unserer Sicht auch, dass die verbleibenden drei Schulen in Schwaben sich auf die neue Situation entsprechend einstellen“, so Holetschek und Pschierer. So werde beispielsweise der Unterricht zum Ackerbau in Kaufbeuren künftig nach der Herkunft der Studierenden angepasst. Darüber hinaus stünden für die Junglandwirte in erreichbarer Nähe auch die Schulen in Kempten und Kaufbeuren und nicht nur Wertingen zur Verfügung.

Ist Holetscheks Gespräch mit der Ministerin ein Hoffnungsschimmer für die Bauern?

Holetschek und Pschierer betonen: Es wird kein Amt abgeschafft. Die künftige Bezeichnung „Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Krumbach-Mindelheim“ sei nach Alphabet sortiert, es werde keinen Hauptsitz geben, da beide Standorte gleichberechtigt seien.

Holetscheks Schreiben endet mit einem kleinen Hoffnungsschimmer für die Bauern: Ministerin Michaela Kaniber habe ihm am Rande der Kabinettssitzung auf Herrenchiemsee zugesagt, sich nochmals alle Argumente auch des Bauernverbandes anzuschauen und zu prüfen, so der Staatssekretär.

Unser Autor findet in seinem Kommentar zu dem Thema: Lasst Argumente zählen!

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