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04.06.2009

Bauern zwischen Wut und Frust

Wie wirkt sich europäische Politik im Allgäu aus? Was bedeuten Entscheidungen der Europäischen Union für die Menschen hier? In einer lockeren Serie gehen wir diesen Fragen vor der Europawahl am 7. Juni nach - heute geht es um das Thema Landwirtschaft.

Wertach/Unterallgäu Der Preisverfall bei der Milch zieht den Allgäuer Bauern den Boden unter den Füßen weg. Der Europäischen Union wird die Schuld zugeschoben, weil sie die Milchmengen nicht begrenzt. Doch Alfred Enderle, Oberallgäuer Obmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), will trotz seines Zorns nicht nur poltern. Brüssel hilft dem Landwirt aus Wertach, der bald mit seinen 15 Milchkühen und 25 Kälbern auf die hofeigene Vordere Kölle-Alpe zieht - wie vielen anderen Bauern - ganz konkret.

Hinterm Stall gießen Betonmischer eine Asphaltplatte, damit Hangwasser nicht mehr die Holzbohlen vermodern lässt. Zwar muss Enderles Betrieb, in dem auch Ehefrau Karin mitarbeitet, den größten Kostenanteil berappen. Doch auf jeden Euro Zuschuss von Bund und Bayern legt die EU einen Euro drauf. Kulturlandschaftsprogramm und Milchkuhprämie, Ausgleichszulage und vorgezogene Direktzahlungen, wie sie aktuell zugestanden werden - überall reicht Brüssel dem Landvolk die Hand. "Wenn es die EU-Förderung nicht gäbe, wäre das Licht in vielen Ställen schon aus", weiß BBV-Mann Enderle. Deshalb rät er seinen Berufskollegen, bei der Europawahl bloß keinen Bogen um die Urne zu schlagen.

Aber nach all den Blockaden vor Molkereien, nach Demonstrationen in Berlin und Brüssel, nach Sitz- und Hungerstreik droht Resignation. Trotz der Talfahrt des Milchpreises will das Ehepaar Enderle aber nicht aufgeben. Auf bessere Zeiten warten, lautet die Parole.

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Der Unterallgäuer Kreisobmann des Bauernverbandes (BBV), Gerhard Miller, hat eine Reihe von Forderungen an die EU: Die Quote muss abgesenkt werden. Der Verbrauch von Milch und Butter muss angekurbelt werden. Eine Kennzeichnungspflicht muss her, damit kein Ersatz-Käse mehr auf der Pizza landet und damit Milch ins Speiseeis zurückkehrt. Die EU-Richtlinien dürfen national nicht päpstlicher als beim Papst ausgelegt werden.

Auch der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), die Konkurrenz zum BBV, bietet Lösungsansätze. "Die EU darf den Milchmarkt nicht dem freien Spiel der Kräfte überlassen", protestiert BDM-Sprecher Hans Foldenauer. Zudem müssten die Allgäuer Bauern wegen ihrer ökologisch wertvollen Flächen honoriert werden.

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