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Mindelheim

09.11.2019

Behindertensport: „Es ist normal, verschieden zu sein“

Mit der Sitzballmannschaft hat sich die BVSG damals bayernweit einen Namen gemacht. Sie war eines der Angebote, die auf die individuellen Möglichkeiten der Behinderten zugeschnitten waren.
Foto: Archiv MZ

Die BVSG hat Versehrten ein Gesicht und Zuversicht gegeben. Wie sich der Verein weiterentwickelt hat.

Als noch niemand das Wort Inklusion kannte, habe man diese in Mindelheim schon praktiziert. Darauf machte Robert Antretter, Ehrenvorsitzender der Lebenshilfe, in seinem Grußwort zum 60-jährigen Bestehen der BVSG (Behinderten-, Versehrtensport, Jugend- und Reha-Gruppe im TSV Mindelheim) aufmerksam. 1200 schwer verwundete Menschen hätten „dank der Tatkraft von großartigen Ärzten und wunderbaren Schwestern wieder Hoffnung geschöpft“. Darauf könne seine Heimatstadt stolz sein. Der amtierende Vorsitzende der BVSG, Hans Fischer, ließ die vergangenen 60 Jahre Revue passieren. Zahlreiche Redner würdigten den Einsatz des Vereines, dessen Schwerpunkt heute in der Kinder- und Jugendarbeit liegt, wo behinderte und nicht-behinderte Kinder miteinander Sport treiben. Daneben unterhält der Verein noch eine erfolgreiche Pétanque-Gruppe.

Für die Versehrten fand die BVSG neue Formen der Bewegung

Hans Fischer ging in seinem Rückblick auf die große Bedeutung des Sports ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe es zahlreiche Menschen mit körperlichen Schäden gegeben, für die es galt, neue Formen der Bewegung und Betätigung zu finden. Zunächst fanden sich diese unter dem Dach des VdK zusammen, 1959 taten sich Kriegsversehrte zusammen, um eine Versehrtensportabteilung im TSV zu gründen. Gründungsmitglieder waren Burkhard Beine, der zum Vorsitzenden gewählt wurde, sowie Josef Rohrer, Hartwin Breämer, Rudolf Hörmann, Fritz Taubald und Josef Landherr.

Das Sportangebot sei auf die individuellen Möglichkeiten zugeschnitten worden. So kamen Grundgymnastik, Leichtathletik und Sitzball ins Programm. Gerade im Sitzball hätten die Mindelheimer sich innerhalb Bayerns einen Namen gemacht. Im Winter kamen Alpin-Ski, Langlauf und Sitzbob hinzu.

Für ihren Einsatz für den Behindertensport zeichnete der Landesgeschäftsführer des BVS, Jamil Sahhar (Zweiter von links) Waldemar Pfeifer (von rechts), Ingrid Breyer, Jugendleiter Albert Rampp, Dieter Kolb, Alois Müllner, Wilhelm Unfried, Renate Schlegel sowie den Vorsitzenden Hans Fischer (links) aus.
Foto: Unfried

Alfred Kalkus baute erfolgreich ab 1964 eine Jugendgruppe auf. Mit großem Einsatz sorgte dieser nicht nur für ein sportliches Angebot. Er begeisterte die Kinder mit Freizeitaktivitäten wie Wanderausflüge und Ferienlager. Beine hörte nach 25 Jahren, Kalkus nach 26 Jahren auf. Vorsitzender wurde dann der heutige Ehrenvorsitzende Fritz Mack.

Zahlreiche Ehrengäste lobten die Arbeit der BVSG

Heute gebe es, so Fischer, nicht nur Kinder-, Jugend-, Schwimm- und Pétanquegruppe, sondern der Verein habe sich auch dem sogenannten EIS-Projekt (Erlebte integrative Sportschule) von Kultusministerium und BSV angeschlossen. Diese Angebote seien nur möglich, weil sich einmal besonders ausgebildete Übungsleiter/innen zur Verfügung stellten und weil weiter Sponsoren und Gönner dem Verein unter die Arme griffen. Unter anderem werde ein Fahrdienst für die Kinder organisiert, damit diese auch von außerhalb der Stadt zum Training kommen könnten.

Die Arbeit des Vereins lobten auch zahlreiche Ehrengäste. Landrat Hans-Joachim Weirather erinnerte daran, dass das Schicksal täglich zuschlagen und es zu einer Behinderung kommen könne. Von den 145.000 Bürger des Landkreises hätten über 10.000 eine Behinderung. Er wünsche zwar allen Anwesenden, dass sie davor bewahrt blieben, man müsse aber allen dankbar sein, die Hilfestellung geben. Er zolle allen Übungsleitern und Helfern großen Respekt.

In Mindelheim wird Inklusion gelebt

Bürgermeister Stephan Winter nannte den Verein mit Blick auf die überörtlichen Erfolge wichtige Botschafter der Stadt. Der Verein habe sich weiterentwickelt. Winter hob besonders die Jugendarbeit hervor. Abschließend dankte er allen, die sich für diese großartigen Aufgaben engagierten, wobei er besonders den Ehrenvorsitzenden Fritz Mack hervorhob.

Uli Theophiel, stellvertretender Bezirksvorsitzender des BLSV, ging auf die Bedeutung des Sports ein, der Freude und Selbstwertgefühl bringe. Letzteres gelte besonders für den Behindertensport. Es werde viel von Inklusion gesprochen, in Mindelheim werde sie gelebt.

Von einem wunderbaren runden Geburtstag sprach Mitko Pertemov, Vorsitzender des TSV Mindelheim. Mit Blick auf die Inklusion meinte er, „es ist normal, verschieden zu sein“. Wichtig sei, wie eine Gesellschaft damit umgehe.

Der Geschäftsführer des Behinderten Sportverbandes Bayern, Jamil Sahhar, überbrachte die Grüße des Verbandes. Ihm war es vorbehalten, verdiente Mitglieder auszuzeichnen. Den Festabend umrahmte die Stadtkapelle Mindelheim unter Leitung von Barbara Ritter musikalisch.

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