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Pfaffenhausen

17.07.2019

Bei Gertrud Reschke hat es gefunkt

Unser Bild zeigt Gertrud Reschke im Garten mit ihrer „Doppel-Antenne“ Fritzel-Beam FB-Do 450 und Magnetic Loop AMA 10D. Nicht zu sehen sind ihre Langdraht-Antenne und ein Rundstrahler auf dem Hausdach. In der Hand hält sie eines ihrer kleineren Funkgeräte. Sie hat aber noch ein großes Gerät, einen Kenwood HP Transceiver für Kurzwelle.
Bild: Gutmann

Die Pfaffenhauser Lehrerin unterhält sich per Funk mal mit einem Kosmonauten, mal mit einem Wissenschaftler der Antarktis. Sie hatte schon 6000 Funkkontakte.

Angefangen hat alles mit Elektronik-Baukästen. Gertrud Reschkes erste Projekte waren Blinklichter, Netzteile und später Funkuhren. Platinen hat sie selbst gemacht und viel gelötet. Außer für Elektrotechnik interessierte sie sich auch schon früher für Naturphänomene, und auf ihrem ersten PC rief sie regelmäßig das Satellitenbild des Deutschen Wetterdienstes auf. Ein Radio mit Weltempfänger war der nächste Schritt, und zufällig hörte sie auf bestimmten Frequenzen Stimmen und Begriffe von Amateurfunkern. Sie kaufte sich das Buch „Faszination Amateurfunk“ von Dr. Ludwig Röll und da stand bereits im Vorwort „Wenn man dies liest, kommt man nicht mehr los...“ Und so war es dann auch.

Reschke ist Lehrerin an der Mittelschule Pfaffenhausen und natürlich hat sie ein Smartphone, sie hat die Homepage der Schule gestaltet, pflegt sie und ist technisch durchaus up to date. Warum also immer noch Amateurfunk? „Von vornherein sind schon viele Brücken gelegt“, beschreibt sie es. Die Menschen, mit denen sie über ihre Funktechnikausrüstung kommuniziert, haben die gleichen Interessen. Alle sind per Du, alle sprechen sich mit Vornamen an. Es gibt eine gewisse Etikette, was erlaubt ist, wie man sich benimmt und auch sonst klare Regeln, an die sich alle halten. Und es ist eine offene Kommunikationsform. Jeder kann mithören, jeder weiß, mit wem er kommuniziert.

Die Astrofotografie ist ein weiteres Hobby der Pfaffenhausener Lehrerin

Gertraud Resche führt, wie alle anderen Amateurfunker, ein Logbuch, in das jede Verbindung eingetragen wird. Da steht dann bei ihr zum Beispiel, dass sie mit Sultan aus den Emiraten am 2.7.2017 Kontakt hatte, die Uhrzeit (standardmäßig weltweit englische Zeit), wie lange der Funkkontakt war, auf welcher Frequenz, wie gut die Verbindung war. Sie kennt einen Funker, der Kosmonaut auf der Raumstation Mir war oder den einzigen Funker im Vatikan in Rom. Oder Felix, er ist Wissenschaftler in der Neumayer Station in der Antarktis.

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Es gibt auch Kommunikationsgruppen, bei denen man sich einklinken kann, wie eine Afrika-Gruppe in Namibia. Gesprochen wird dabei englisch. Jeder Amateurfunker hat eine individuell zu ihm passende Karte, die bei jedem Funkkontakt ausgefüllt und vom QSL-Manager des Vereins eingesammelt und verschickt wird. Das läuft über die Post und ist kostenfrei. Gertrud Reschke hatte bisher etwa 6000 Funkkontakte, damit hat sie 6000 Karten verschickt. Ihr Titelmotiv sind Fotos aus einem weiteren Hobby von ihr, der Astrofotografie. Bei manchen Funkkontakten nennt sie nur ihre Kennung, wie gut die Verbindung ist, sagt quasi „Hallo“ und verabschiedet sich. Bei anderen Kontakten erzählt sie, was sie tagsüber gemacht hat, ganz normale Plauderei.

Nur wer eine Prüfung abgelegt hat, darf funken

Und was der begeisterten Amateurfunkerin besonders gefällt: Die Signale, die sie sendet, gelangen von ihrem Funkgerät zur Antenne (sie hat drei zuhause installiert, besitzt auch mehrere Funkgeräte) und weiter in die Stratosphäre, werden dort reflektiert und landen zuletzt genau auf dem Funkgerät, das sie angesteuert hat.

Funken darf übrigens nur, wer eine Prüfung bei der Post abgelegt hat. Mit der ersten Prüfung mit Abfragen der Kenntnisse im Bereich Technik, betriebliche Kenntnisse und Vorschriften bekam Reschke die „Kleine Lizenz“ und weil sie auch das Morsen erlernt und dazu eine Prüfung in München erfolgreich absolviert hat, hat sie die „Große Lizenz“ fürs Amateurfunken. Reschke hat außerdem eine Ausbildungslizenz. Bei ihr können sich Schnupperfunker mit einer extra Kennung einloggen und „on air“ gehen. Im Unterallgäu (Ottobeuren) gibt es nur einen kleinen Kreis von Amateurfunkern, Tango10 heißen sie, sie treffen sich jeden ersten Freitag im Monat in Schlegelsberg bei Erkheim. Neue Interessenten sind willkommen.

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