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Unterallgäu

11.01.2021

Bei diesen Unterallgäuern kamen 2020 die Spenden für die Kartei der Not an

Die Kartei der Not, das Leserhilfswerk unserer Zeitung, hilft in Not geratenen Menschen aus der Region.
Bild: Bernhard Weizenegger

Die Kartei der Not hat 2020 im Raum Mindelheim wieder in vielfältiger Weise geholfen. Wegen der Corona-Pandemie gab es sogar ein ganz besonderes Hilfsprogramm.

Seit 1965 hilft das Leserhilfswerk unserer Zeitung, die Kartei der Not, unverschuldet in Not geratenen Menschen in der Region. Unverschuldet in Not kann jeder geraten: Krankheit, Unfall oder der Verlust der Arbeit sind einige Beispiele dafür. Auch im Jahr 2020 hat die Kartei der Not im Verbreitungsgebiet der Mindelheimer Zeitung in vielfältiger Weise geholfen.

2020 hat die Corona-Pandemie die Arbeit des Hilfswerks vor neue Herausforderungen gestellt. Als etliche Tafeln und Beratungsstellen schließen mussten, hat sich die Kartei der Not mit einem Sonderfonds noch stärker für die Menschen in Not eingesetzt und neu entstandene Hilfsprojekte sozialer Organisationen unterstützt, die während der Corona-Pandemie dazu beitragen, dass die Lebensgrundlage von bedürftigen Menschen gesichert wird.

Ein Handgeld der Kartei der Not hilft in der schlimmsten Notlage

Darüber hinaus können Beratungsstellen bis heute eine Art Handgeld für schnellste Notfallhilfen beantragen. Diese kommen besonders dann zum Tragen, wenn den Bedürftigen das Geld für das nötigste zum Überleben im Alltag fehlt, wie Lebensmittel, Windeln für die Kinder, Unterwäsche oder Hygieneartikel. Für die fast 50 Corona-Projekte und die Notfallkassen bei den über 150 Beratungsstellen wurden insgesamt rund 180.000 Euro aufgewendet.

Im Verbreitungsgebiet der Mindelheimer Zeitung konnten im Vorjahr 74 Hilfeanfragen unterstützt werden. Insgesamt half die Kartei der Not dort mit über 70.000 Euro. Dabei halfen fast 500 Spender mit. Besonders zu erwähnen ist die Zuwendung des Landkreises Unterallgäu in das Stiftungsvermögen der Kartei der Not über 100.000 Euro. Die Stiftung hilft aus den Erträgen ihres Vermögens. Die größten Spender waren darüber hinaus die Rotarier, die Stadtpfarrkirchenstiftung Mindelheim und der Verlag und die Familie Högel sowie eine Firma, die nicht genannt werden will, die seit Jahren hilft.

Die Hilfeanfragen kamen in 23 Fällen aus Familien mit gesamt 100 betroffenen Kindern. In 39 Fällen war eine chronische Krankheit und/oder eine Behinderung zu bewältigen.

20 Mal wurde betroffenen Familien geholfen, in denen ein Mitglied eine Behinderung hat

Bei Menschen mit Behinderung hat die Kartei der Not Erholungsmaßnahmen von Spomio, das neue Pflegeheim der „Freunde neuer Wege zum Wohnen wie Zuhause“ in Salgen beim behindertengerechten Ausbau der Sanitärräume und einem Pflegebad gefördert. In 20 Fällen ging eine Beihilfe an von Behinderung betroffene Familien. Bewilligt wurde auch ein behindertengerecht ausgestattetes Fahrzeug und ein Therapierad.

Ob mit Rollstühlen, speziellen Geräten oder auch mit einer Waschmaschine oder einem Auto hilft die Kartei der Not bedürftigen Menschen in der Region. Auch im Unterallgäu haben davon einige Familien profitiert.

Der meiste Unterstützungsbedarf drehte sich auch dieses Jahr wieder um das Wohnen. So half die Stiftung 19 mal bei den Energie- und Nebenkosten sowie Mietzahlungen, um zu verhindern, dass Menschen ihre Wohnung verlieren oder ohne Strom und Heizung sind. Oft war auch die Hilfe beim Umzug in eine günstigere Wohnung nötig oder bei der Einrichtung wie Kochmöglichkeit, Kühlschrank, Herd oder Bett mit Matratze nötig. „In 13 Fällen unterstützten wir akut den Lebensunterhalt, also Lebensmittel, Kleidung, Hygieneartikel, Babybedarf, davon auch einige wegen der Corona-Krise“, so Geschäftsführer Arnd Hansen.

Diesen Unterallgäuern hat die Kartei der Not geholfen

  • Beispiel 1: Simone Z. leidet an Blutkrebs. Bei ihr wurde eine Knochenmarktransplantation vorgenommen, die allerdings nicht den gewünschten Erfolg brachte. Ihr Körper zeigte eine Abwehrreaktion. Die 50-Jährige leidet sehr unter Schmerzen. Ärzte behandeln sie mit einer Antikörper-Therapie. Das führt bei Simone Z. zu einer Immunschwäche. Deswegen muss sie große Menschenansammlungen meiden und kann nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Wegen des Coronavirus gilt sie als Hochrisikopatientin. Simone Z. hat viele Behandlungstermine wahrzunehmen. Dabei ist sie auf ihr Auto angewiesen. Weil sie nur noch stundenweise arbeiten kann, fehlen ihr die Mittel für ein neues Fahrzeug. Ihr altes Auto ist fast 20 Jahre alt und lohnt eine Reparatur nicht mehr. Die Kartei der Not hat mitgeholfen, dass Simone Z. wieder mit mehr Optimismus in die Zukunft blicken kann.
  • Beispiel zwei: Bereits mit 58 Jahren erlitt eine Frau einen schweren Schlaganfall. Seitdem ist sie linksseitig gelähmt. In ihrer Wohnung im dritten Stock konnte sie nicht mehr bleiben und musste nach der Reha ins Altersheim. Dort war sie nicht glücklich. Dank des Engagements ihrer Betreuerin fand sie eine Wohnung im betreuten Wohnen. Dort fehlten allerdings eine Küche und eine Waschmaschine. Die kranke Rentnerin verfügt über so wenig Geld, dass sie sich beides nicht leisten konnte. Das Leserhilfswerk unserer Redaktion unterstützte die 59-Jährige bei der Ausstattung ihrer Wohnung.
  • Besonders tragisch ist Beispiel drei: Sie war noch keine 30, als sie an den Folgen einer plötzlichen Erkrankung starb. Die junge Mutter hinterließ vier Kinder, das jüngste war gerade einmal sechs Jahre jung. Dem Vater war vorher das Sorgerecht genommen worden, weil er sich nicht um die Familie gekümmert hat. Den Kindern blieb nur die Oma als Anker. Sie hat drei von ihnen in ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung aufgenommen. Das vierte Kind lebt in einer Pflegefamilie. Der tragische Tod der Mutter hat eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Auch die Kartei der Not ist mit einer Soforthilfe eingesprungen.
  • Beispiel vier: Erkranken die Eltern schwer, leiden die Kinder sehr oft mit. So ist es auch bei einer 53-Jährigen, die psychisch krank ist. Ihre Tochter besucht die siebte Klasse. Doch sie findet nur schwer Anschluss, hat keine Freunde, ist hypernervös und immer bestrebt, bei der kranken Mutter zu sein. Die Mutter ist Rentnerin und erhält Wohngeld. Das Geld ist sehr knapp. Die dringend nötige Kindererholung hat das Budget von Mutter und Tochter nicht hergegeben. Die Kartei der Not hat einen Zuschuss gewährt.
  • Beispiel fünf: Diese Erkrankung lässt Mediziner rätseln: Der kleine Kevin leidet an einer seltenen Verkleinerung des Groß- und Kleinhirns, die nach einer schweren Verbrühung aufgetreten ist. Der zweijährige Bub ist inzwischen körperlich und geistig massiv behindert. Er kann sich nicht mehr selbst bewegen, sieht kaum noch etwas und bedarf intensiver Pflege. Die versuchen seine Eltern bestmöglich zu leisten, obwohl sie für sechs weitere Kinder im Alter von bis zu 14 Jahren sorgen müssen. Die Familie ist auf staatliche Hilfe und Pflegegeld angewiesen. Damit Kevin künftig samt Rollstuhl und Reha-Buggy zu Therapien gebracht werden kann, hat die Kartei der Not den Kauf eines gebrauchten Familienfahrzeugs unterstützt.

Arnd Hansen, Geschäftsführer Kartei der Not, betont, dass die Stiftung vor allem auch deshalb so wirkungsvoll und schnell helfen kann, weil sie auf viele treue Spender bauen kann, sowohl privat als auch aus Vereinen, Firmen und Behörden. „Vielen Dank dafür!“ Jede Krise zeige deutlich, wie wenig selbstverständlich das persönliche Wohlergehen ist. „Ich hoffe, dass wir uns dieses Miteinander für die Zukunft bewahren nach dem Motto ,Gemeinsam geht’s.“ Durch die Zusammenarbeit mit sozialen Beratungsstellen vor Ort ist gewährleistet, dass jeder Euro Spendengeld tatsächlich bei den Bedürftigen ankommt. Sämtliche Verwaltungskosten trägt die Mediengruppe Pressedruck.

So können Sie für die Kartei der Not spenden

Möchten auch Sie Menschen aus der Region unterstützen? Kreissparkasse Augsburg IBAN: DE54720501010000007070. BIC: BYLADEM1AUG Stadtsparkasse Augsburg IBAN: DE97 7205 0000 0000 0020 30. BIC: AUGSDE77XXX

Weitere Informationen gibt es hier auf der Homepage der Kartei der Not.

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