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MZ-Serie "Kunstpause"

24.07.2020

Bei ihr wird der Lebenslauf zum Cartoon

Martina Mayer-Lauingen zeichnet Szenen aus dem Leben einer Person, also „Lebens-Bilder“ in Form von Cartoons.

Plus Martina Mayer-Lauingen zeichnet für ihre Kunden „Lebens-Bilder“ und greift seit der Corona-Krise am liebsten wieder zu Kohle und Kreide

Die Corona-Krise und der Lockdown haben zunächst alle Lebensbereiche betroffen. Mittlerweile gibt es im Alltag immer mehr Lockerungen. Nur bei der Kultur ist es immer noch ziemlich ruhig. In unserer Serie „Kunstpause“ wollen wir zeigen, wie Künstler aus der Region die Krise erleben oder auch nutzen, um sie künstlerisch umzusetzen. Heute: Martina Mayer-Lauingen.

Liebe Frau Mayer-Lauingen, im Mai hätten Sie eine Ausstellung im Mindelheimer Salon gehabt mit Cartoons und Landschafts-Aquarellen sowie Original-Illustrationen aus Ihren Kinderbüchern.

Genau. Natürlich fiel die Ausstellung der Corona-Pandemie zum Opfer, und im Moment sieht es noch nicht so aus, als könnte es einen neuen Anlauf geben. Zuerst traf es mich hart, ich war mit den Vorbereitungen schon so gut wie fertig. Bilder, Rahmenprogramm, Flyer, Musik – alles vorbereitet. Auch finanziell war es bitter, aber da kann man nichts machen.

In der Tat. Ich denke, erst jetzt merken viele, welch wichtiger Eckpfeiler Kunst und kulturelle Veranstaltungen in unserem Leben doch sind. Wobei hat die Krise Sie denn erreicht?

Mitten im Wachsen einer neuen Ausdrucksform. Ich zeichne gerade „Lebens-Bilder“ als individuelle Cartoons: Jemand will einem geliebten Menschen oder einem verehrten Vorgesetzten etwas schenken, zum Geburtstag, zu Hochzeit oder Jubiläum. Ich lasse mir Szenen aus dem Leben der Person schildern und zeichne das dann im Cartoon-Stil. In DIN-A-3, gerahmt, zum An-die-Wand-Hängen. Das ist ein Geschenk, das zwei Personen glücklich macht: Den, der es kriegt, und den, der es verschenken darf. Zum Glück hatte ich ein volles Auftragsbuch, das mir über die letzten drei Monate hinweghalf, und jetzt zieht es langsam wieder an.

Sie konnten die Zeit also kreativ nutzen. Spürten Sie dennoch den Einfluss der Krise und der Maßnahmen an Ihrem Schaffen?

In den ersten sechs Wochen war es hart. Ich habe aus gesundheitlichen Gründen mehrere Jahre sehr zurückgezogen gelebt. Ich hatte mir mein altes Leben gerade erst wieder zurückerobert, da hatte ich dann am Lockdown schon sehr zu knacken. Das hat auch meine Kreativität beim Zeichnen ausgebremst. Nach sechs Wochen wurde es wieder besser.

Denken Sie, dass die Krise eine Zäsur hinterlassen wird? Gesellschaftlich und für die Kunst?

Ich hoffe sehr, dass es eine Zäsur hinterlassen wird. Anfangs war ich zutiefst beeindruckt davon, wie sich die Natur erholte: Die Delfine kehrten in die Häfen zurück, der Himalaja war in voller Schönheit wieder zu sehen. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen sich an die Erkenntnis erinnern, dass es auch mit weniger Geld geht, mit weniger Betriebsamkeit und weniger Flugreisen, Kreuzfahrten und Partys. Wobei wir es auf dem Land schon besser erwischt hatten als in der Stadt, das ist mir schon klar. Bei der Kunst rechne ich nicht mit Veränderungen. Wir können immer noch gestalten, was wir wollen. Nur die finanzielle Lage wird vielleicht härter, aber Künstler wird man nicht wegen des Geldes.

Wie geht es nun weiter? Haben Sie Pläne für eine neue Ausstellung?

In den letzten Jahren habe ich dreimal in Augsburg ausgestellt, die diesjährige Ausstellung sollte meine erste in Mindelheim sein. Stattdessen gibt es andere Pläne: Nächstes Jahr Anfang Oktober stelle ich zusammen mit Kathrin Merz in Memmingen im Antonierhaus aus. Und die lange Vorbereitungszeit ermöglicht mir jetzt einen ganz neuen Ansatz. Ich habe mich in der Zeit der Krise wieder meiner alten Liebe zugewandt: dem Zeichnen mit Kohle und Kreide. Es ist die ursprünglichste Form der Kunst. Weg mit der Farbe, weg mit allem Modernen, mit dem Abstrakten, der Digitalisierung und allem, was das 21. Jahrhundert bietet, zurück zum Archaischen, zur reinen Übersetzung dessen, was ich sehe. Ich zeichne Landschaften im Freien, direkt vor Ort. Es ist die intensivste Form der Wahrnehmung, die ich kenne. Die besten Blätter kommen in die Ausstellung. Sie werden in ihrem kraftvollen Purismus sicher einen reizvollen Kontrast zu Kathrin Merz’ leuchtend-bunten Pouring-Bildern darstellen.

Das klingt sehr vielversprechend. Was wünschen Sie sich für die nahe Zukunft?

Am meisten vermisse ich den direkten Kontakt zu meinen Freunden. Ich kann es kaum erwarten, dass die Vernissagen im Salon wieder starten. Ich bete darum, dass es so bleibt, und dass es schrittweise aufwärtsgeht.

Wer sich einen Eindruck der Kunst von Martina Mayer-Lauingen machen möchte, kann dies unter www.mutter-maura.de tun.

Martina Mayer-Lauingen hat die Ortsansicht von Kirchsiebnach gezeichnet.

Weitere Folgen von "Kunstpause" finden Sie hier:

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