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Musik

18.06.2019

Berauschendes Heimspiel

Blumen für die Künstlerin: Theresia Renelt in Bad Wörishofen.
Bild: Glonner

Theresia Renelt zeigt, was sonst nur an Kölns Oper zu erleben ist

Großer Applaus, bevor auch nur ein Ton erklingt: Das muss man sich als Künstler oder Künstlerin erst einmal verdienen. Theresia Renelt wurde diese Ehre in Bad Wörishofen zuteil. Die Gäste in der dicht besetzten Erlöserkirche waren voller Wiedersehensfreude und in Erwartung auf das traditionell jährlich stattfindende Ereignis.

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Mit den Worten „Die Musik ist übrig geblieben vom verloren gegangenen Paradies“, hatte Matthias Weiß das Klavierkonzert der großartigen – in Mindelheim gebürtigen – Pianistin angekündigt. Für einen kurzen Moment schloss sie die Augen, und dann bescherte Theresia Renelt ihrem Publikum in der Kurstadt wieder genau diesen „übrig gebliebenen paradiesischen“ Hochgenuss mit ausgesuchten Werken genialer Komponisten.

Man fragte sich: Woher nimmt sie die Power? Denn obwohl dieselbe zarte Person wie all die Jahre zuvor dort am Flügel saß, glaubte man, eine nochmalige Steigerung ihrer Kunst zu erkennen. Schon die Interpretation von Frédéric Chopins Ballade f-Moll (Op 52), die sich in seiner letzten Schaffensphase durch hohe musikalische Komplexität auszeichnete, mit Renelt zu erleben: wunderbar. Mal huschten ihre Finger lyrisch zart über die Tasten, dann wiederum griffen sie äußerst energisch für kraftvoll brillante Passagen zu.

Einfühlsam und sensibel erklärte die Künstlerin die „frühe Rezeptionsgeschichte der Fantasie C-Dur (Op 17)“, in die Robert Schumann seine gesamten Emotionen „An die ferne Geliebte“ hineingelegt hatte. So klang ihr Spiel dann auch genau, wie der Erschaffer der Musik es sich einst wünschte: „Durchaus fantastisch und leidenschaftlich“. Auch Johann Sebastian Bachs Partita B-Dur mit Präludium, Allemande, Corrente, Sarabande, Menuet 1 und 2 und Gigue präsentierte Renelt als Kostbarkeit, bevor sie sich mit Hingabe und Souveränität Chopins Etüde Ges-Dur und seinen 1847 entstandenen herrlichen drei Walzern in e-Moll, cis-Moll und As-Dur widmete. Mit Schumanns „Du meine Seele, du mein Herz“ und einem Walzer von Franz Schubert als Zugabe, ließ sie nochmals mit großer Leichtigkeit die schönsten Töne dahinperlen, bevor sie sich von ihrem verzauberten Publikum verabschiedete. Wenn Ausnahmekünstlerin Theresia Renelt nach ihrem Heimaturlaub im Allgäu an die Oper Köln– wo sie seit 2003 als Solorepetitorin arbeitet – zurückkehrt, wird sie ganz sicher die Wünsche ihrer zahlreichen Bewunderer für ein Konzert 2020 in Bad Wörishofen im Gepäck haben. (thess)

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