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22.07.2010

Bergbauern wählen ihre Chefs ab

Waltenhofen/Bad Wörishofen Die Stimmzettel waren zwar grün - für den bisherigen Vorsitzenden der Allgäuer-Bergbauern-Milch Sonthofen-Schönau eG Heinz Lipp und seinen Stellvertreter Georg Hagspiel bedeuteten sie aber die Rote Karte: Auf der Generalversammlung der Bergbauerngenossenschaft in Waltenhofen (Oberallgäu) fielen Lipp und Hagspiel bei den Neuwahlen zur Vorstandschaft deutlich durch. Ein neuer Vorstandsvorsitzender steht noch nicht fest. Dieser und sein Stellvertreter werden in den nächsten Wochen vom Aufsichtsrat bestimmt. Die Wahl im Oberallgäu ist auch für die Milchwerke Bad Wörishofen von Bedeutung, denn Lipp ist zugleich Aufsichtsratschef der Allgäuland Käsereien. Die Milchwerke gehören zu dieser GmbH und halten über 14 Prozent des Stammkapitals.

Kündigungswelle löste Unruhe aus

Begonnen hatte die Versammlung am Dienstagabend in der voll besetzten Waltenhofener Mehrzweckhalle mit dem Bericht Lipps über das Geschäftsjahr 2009. Es sei "ein katastrophales Jahr für alle Milcherzeuger" gewesen. Der Milchpreis sei während der Weltwirtschaftskrise stark gesunken. Unruhe habe auch die Kündigungswelle von knapp einem Drittel der Bergbauern bei den Allgäuland-Käsereien (Wangen) gebracht (wir berichteten). Josef Zengerle unterbreitete der Versammlung den Vorschlag, den Bilanzverlust der Bergbauern eG in Höhe von 3,8 Millionen Euro auf neue Rechnung vorzutragen. Dies lehnte später die Mehrheit der Mitglieder jedoch ab. Wie angespannt die Stimmung war, machte die Tatsache deutlich, dass Zengerle einen Rechtsanwalt mitgebracht hatte, falls es zu Schadensersatzforderungen gekommen wäre. Dies blieb jedoch aus. Bevor es ans Wählen ging, hatten die Verantwortlichen von Allgäuland Gelegenheit, ihr Sanierungskonzept vorzustellen. Die Bergbauern eG hält rund 24 Prozent der Geschäftsanteile an den Allgäuland-Käsereien. Seit Jahren sind die Bergbauern jedoch sauer auf die Allgäuland-Spitze, weil der ausbezahlte Milchpreis unter jenem der Konkurrenz liegt, weshalb so viele Bergbauern ihre Lieferverträge gekündigt haben.

Die Kritik traf auch Lipp. Das zeigte sich dann besonders bei den folgenden Abstimmungen. So versagte die Versammlung Lipp und Hagspiel die Entlastung, während der restliche Vorstand und auch der Aufsichtsrat die Entlastung zugesprochen bekamen.

Bergbauern wählen ihre Chefs ab

Noch dicker kam es für Lipp und Hagspiel bei den Neuwahlen zur Vorstandschaft. Insgesamt standen sieben Namen auf der Liste, wovon nur vier letztendlich in den Vorstand einzogen. Das Ergebnis: Hubert Rupp (Sibratshofen) 450 Stimmen, Martin Kirchmann (Stiefenhofen) 424, Stefan Achberger (Scheidegg) und Albert Lau (Heimenkirch) 273. Durchgefallen sind Franz Koros (Bettnau) 245, Georg Hagspiel (Rettenberg) 145 und Heinz Lipp (Weitnau) 73.

Lipp nahm das vernichtende Ergebnis mit Fassung. Gegenüber unserer Zeitung sagte er, mit einer Abwahl gerechnet zu haben. Seit der außerordentlichen Versammlung der Bergbauern im Frühjahr sei deutlich gewesen, dass die Mehrheit der Mitglieder einen Wechsel an der Spitze wollten.

Letzte Abstimmung kurz vor drei Uhr nachts

Die letzte Abstimmung kurz vor drei Uhr in der Früh ließ dann die Vertreter von Allgäuland aufatmen: Beantragt war, die Kündigungsfrist der Milchlieferverträge von 24 auf 12 Monate zu verkürzen. Dafür stimmten zwar 50,76 Prozent. Nötig gewesen für eine solche Satzungsänderungen wären jedoch 75 Prozent gewesen. (sb, m.he)

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