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Mindelheim

16.02.2018

Bernhard Pohls politischer Kampf

Bernhard Pohl, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler.
Bild: Fritsch

Warum der Abgeordnete der Freien Wähler um den Wiedereinzug in den Landtag bangen muss.

Politisch turbulente Zeiten stehen dem langjährigen Kaufbeurer Abgeordneten Bernhard Pohl ( Freie Wähler) bevor. Er muss bei der Landtagswahl im Oktober um den Wiedereinzug ins Maximilianeum bangen – aus zwei Gründen. Der prominente Fernsehrichter Alexander Hold aus Kempten macht ihm den ersten Platz auf der Bezirksliste seiner Partei streitig. Zum anderen holt Pohl immer wieder seine Trunkenheitsfahrt vom Juli 2015 ein, für die er im Dezember des selben Jahres zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt wurde. Er musste den Bezirksvorsitz abgeben und ist in Teilen seiner Partei nach wie vor umstritten.

Doch Pohl ist eine Kämpfernatur und Politiker mit Leib und Seele. Deshalb gibt er nicht einfach auf. In seinem Stimmkreis, zu dem neben Kaufbeuren Teile des Ost- und Unterallgäus mit Mindelheim gehören, hat er wieder breite Unterstützung. Mit 27 von 28 Stimmen nominierten ihn die Delegierten schon im Oktober 2017 als Direktkandidat für die diesjährige Landtagswahl. Sogar Parteichef Hubert Aiwanger reiste an, um Pohl zu unterstützen.

Mit der Nominierung hat er automatisch Anspruch auf einen Listenplatz der Freien Wähler in Schwaben. Entscheidend wird allerdings sein, auf welcher Position er sich nach der Aufstellungsversammlung wiederfindet. An die 50 Delegierte aus ganz Schwaben stimmen darüber ab. Einen Termin gibt es noch nicht. Bezirksvorsitzender Markus Brem erklärt, der Bezirksvorstand entscheide diese oder nächste Woche, ob die Versammlung bereits im April oder erst im Juni stattfindet.

Auch neue Kandidaten, Jüngere und Frauen sollen eine Chance bekommen

An Spekulationen, wer welchen Listenplatz erhält, möchte sich Brem nicht beteiligen. „Dazu werde ich mich nicht verleiten lassen, zudem bin ich selbst noch in der Suchphase“, sagt er. Nur so viel will Brem verraten: Dass Hold einen prominenten Platz anstrebe und wohl auch bekomme, sei selbsterklärend. Als Bezirksvorsitzender will sich Brem dafür einsetzen, dass neben Hold nicht nur die „alten Hasen“ – also die drei derzeitigen schwäbischen FW-Abgeordneten Leopold Herz ( Oberallgäu), Johann Häusler (Landkreis Augsburg) und Pohl – vorne stehen. Er möchte auch neue Kandidaten mit Erfahrung in der Kommunalpolitik, Junge und Frauen dort sehen.

Da trifft es sich ja vielleicht ganz gut, dass seine Cousine Ulrike Müller aus dem Oberallgäu überlegt, in die Landespolitik zurückzukehren, was Brem bestätigt. Die 55-jährige Ehrenkreisbäuerin wechselte 2014 in die Europapolitik und gehört seitdem dem europäischen Parlament an. Sie gilt als Intimfeindin Pohls.

Als mögliche weibliche Kandidatinnen nennt Brem zudem Ruth Abmayr aus Günzburg und die Kaufbeurer Rechtsanwältin Susen Knabner. Beide Frauen kandidierten bereits bei der Bundestagswahl 2017 für die Freien Wähler.

Berücksichtigt man noch den Regionalproporz innerhalb Schwabens wird es schnell eng bei den oberen Plätzen. Bis Rang sieben sollen realistische Möglichkeiten bestehen, am Ende nach vorne katapultiert zu werden. Denn das bayerische Wahlrecht ermöglicht es, dass die Wähler mit ihren Zweitstimmen Politiker innerhalb eines Regierungsbezirks aus einer Liste direkt ankreuzen. Kandidaten ab Platz acht gelten bei den Freien Wählern eher als chancenlos.

2013 ergatterten sie in Schwaben Plätze für drei Abgeordnete. Brem sagt, die FW strebten heuer durchaus vier Sitze an. Aber auch er weiß, dass dies angesichts der größer werdenden politischen Konkurrenz und immer mehr Wechselwählern nicht einfach wird. „Deshalb müssen wir in jedem Stimmkreis sehr gut aufgestellt sein“, sagt Brem.

Er bescheinigt Pohl ein „inhaltlich gut arbeitender Politiker“ zu sein. Aber er habe sich „Dinge geleistet, wo ich persönlich sage, die sind schwer vermittelbar“.

Pohl sagt, er mache sich keinen Kopf

Und wie schätzt Pohl selbst seine politische Zukunft ein? „Ich mache mir da noch keinen Kopf, sondern konzentriere mich auf meine politische Arbeit“, sagt er. Welchen Listenplatz er anstrebt, dazu will sich der 53-Jährige nicht äußern. Der Wahlkampf beginne für ihn erst im August.

Prinzipiell halte er es allerdings für wichtig, dass Kaufbeuren und das Ostallgäu neben dem Stimmkreisabgeordneten Franz Pschierer (CSU) mit einem weiteren Abgeordneten im Landtag vertreten sind. „Das ist für die Region wichtig und darauf konzentriere ich mich.“

Und sollte es nach der Landtagswahl für Pohl nicht im Maximilianeum weiter gehen, hat er noch andere Möglichkeiten: 2019 steht die Europawahl und 2020 die Kommunalwahl an. Es gibt immer wieder Vermutungen, dass Pohl dann Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU) herausfordert. „Ich habe den 14. Oktober 2018 im Blick, was 2020 oder 2030 ist, darüber mache ich mir überhaupt keine Gedanken“, sagt Pohl dazu.

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