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Maristentinternat

22.02.2010

Bestürzung nach Missbrauchsvorwurf

Missbrauch von Schutzbefohlenen bis hin zu Vergewaltigung von 13 bis 15 Jahre alten Buben - der Vorwurf gegen einen weltlichen Erzieher am Internat des Maristenkollegs wiegt schwer. Nach dem Bericht des "Spiegel", stehen Erzieher und Lehrkräfte unter Schock, sagt Heimleiter Albert Schuster. Von Johann Stoll

Missbrauch von Schutzbefohlenen bis hin zu Vergewaltigung von 13 bis 15 Jahre alten Buben - der Vorwurf gegen einen weltlichen Erzieher am Internat des Maristenkollegs wiegt schwer, mit dem das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" gestern erschienen ist. Zwar liegt der Fall aus Mindelheim wohl schon in der ersten Hälfte der 80er Jahre.

Gleichwohl herrschte am Montag helle Aufregung am Maristenkolleg. Erzieher und Lehrkräfte reagierten fassungslos. Der Ruf steht auf dem Spiel. Intensive Gespräche habe es gegeben, alle stünden unter Schock, sagt Heimleiter Albert Schuster, der erst seit Oktober 2009 an der Einrichtung wirkt. "Es herrscht unter den Kollegen Bestürzung und Sprachlosigkeit". Der 44-jährige Schuster ist selbst Vater von zwei Kindern, einem Sohn und einem Mädchen. Eltern wollten ihr Kind in guter Obhut wissen. "Ich würde meinen Sohn jederzeit in das Maristeninternat geben", sagt Schuster.

Die gute Arbeit, die hier geleistet werde, komme durch eine solche Nachricht in Misskredit. Jeder der Kollegen gerate sofort unter Generalverdacht, fürchtet Schuster. Neun fest angestellte Erzieher, Zivildienstleistende und zwei Praktikanten kümmern sich um die Buben. Das Internat versteht sich als offenes Haus. "Jeder Schüler kann mich jederzeit besuchen", sagt Schuster. Für alle gibt es einen Kummerbriefkasten. Nichts sei verborgen.

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Bei der Einstellung von Erziehern legt das Internat heute einen strengen Maßstab an. Ein polizeiliches Führungszeugnis wird verlangt. Das Einstellungsgespräch werde zu dritt geführt. Dazu gehöre auch ein Rundgang durchs Haus. Hier werde der Bewerber genau beoabachtet, sagt Schuster. Auch ein Zeugnis der Pfarrei wird eingeholt, aus der der Bewerber kommt. Hier interessieren vor allem die sozialen Kontakte.

Die Staatsanwaltschaft Memmingen hat aufgrund der Berichterstattung die Kripo Memmingen um ein Vorermittlungsverfahren gebeten. Eventuellen Hinweisen soll nachgegangen werden, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Johann Kreuzpointner. Insbesondere geht es darum, womöglich nicht Verjährtes zu ermitteln. Etwas Konkretes liegt der Staatsanwaltschaft in Memmingen aber noch nicht vor. Rechtlich dürfte der Fall aus den 80er Jahren verjährt sein. Sobald ein Opfer 18 Jahre alt ist, beginnt die zehnjährige Verjährungsfrist. Spätestens 1999 also wären Fälle aus dem Jahr 1984 strafrechlich folgenlos, wenn sie 13-Jährige betroffen haben.

Geäußert hat sich Frater Alois Engel, Internatsratsvorsitzender des Maristeninternates. Er lebt in Recklinghausen. In seiner Erklärung heißt es: "In der vergangenen Woche hat uns ein Reporter vom "Spiegel" angerufen und sich nach einem Mann erkundigt, der zwischen 1981 und 1984 bei uns im Maristeninternat als Erzieher gearbeitet habe. Dieser habe einen falschen Lebenslauf und ein falsches Zeugnis vorgelegt.

Er sei nun auch durch einen eventuellen Missbrauchsfall, der dem Reporter gemeldet wurde, aufgefallen. Frater Winfried Schreieck, der damals Internatsleiter war, bestätigte, dass dieser Mann im Internat als Erzieher drei Jahre lang gearbeitet hatte. Von einem Missbrauchsfall habe er bis heute weder von Eltern noch von Schülern nach von sonstigen Personen erfahren." So weit Frater Engel. Der frühere Mitarbeiter sei unbekannt verzogen. Johann Stoll

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