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Gedenkfeier

25.10.2012

Bewahrer von Kneipps Erbe

Verbreiter und Bewahrer der Kneipptherapie (von links): Bonifaz Reile mit Pfarrer Sebastian Kneipp und Dr. Alfred Baumgarten, der heuer ebenfalls 150 Jahre alt geworden wäre.
Bild: Kurverwaltung

Bonifaz Reile wäre am 26. Oktober 150 Jahre alt geworden. Der Prior verließ später seinen Orden – und war von seiner Rückkehr nach Bad Wörishofen enttäuscht

Bad Wörishofen Er war engster Mitarbeiter und Sekretär von Pfarrer Sebastian Kneipp, Prior im Sebastianeum – und nach Kneipps Tod einer seiner beiden Nachfolger: Bonifaz Reile wäre am Freitag, 26. Oktober, 150 Jahre alt geworden. Die Stadt Bad Wörishofen erinnert mit einer Gedenkfeier an diesen großen Mann der Stadtgeschichte.

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Bonifaz Reile wurde am 26. Oktober 1862 in Wasserzell bei Eichstätt geboren. Nach dem Besuch der Volksschule in Eichstätt ging er zu einem Tapezierer in die Lehre. Mit 21 Jahren entschied sich Reile aber für einen anderen Lebensweg: Er trat in Abensberg in den Orden der Barmherzigen Brüder ein. 1890 wurde er im Alter von knapp 28 Jahren im Neuburger Konvent zum Prior gewählt, zum Vorsteher des Klosters also.

Als Abgesandter kam er 1892 nach Wörishofen

Bewahrer von Kneipps Erbe

Wenig später führte sein Weg bereits in die Kneippstadt. Der damalige Provinzial des Ordens, Cajetan Pflügl, ordnete Reile und Benno Perschlmeier am 1. Oktober 1892 nach Wörishofen ab. Zu diesem Zeitpunkt war er Prior in Neuburg an der Donau und 30 Jahre alt. Im Sebastianeum, das von Sebastian Kneipp erbaut und dem Orden der Barmherzigen Brüder übertragen wurde, war Reile Prior von 1892 bis 1919. In der Zeit von 1892 bis 1897 war Reile engster Mitarbeiter und Sekretär von Pfarrer Sebastian Kneipp.

Leiter des Kurhauses und der Kneippblätter

„Als einer seiner beiden Nachfolger (neben Dr. Alfred Baumgarten) leitete er das Kurhaus ganz im Sinne Kneipps und trug damit wesentlich zur Ausbreitung und Entfaltung der Kneipptherapie bei“, heißt es in einer Würdigung der Stadt. Nach Kneipps Tod übernahm Reile die Redaktion des von diesem herausgegebenen Kneipp-Kalenders, und am 1. Juli 1904 für eine Reihe von Jahren auch die Redaktion der von Pfarrer Kneipp 1890 mitbegründeten „Kneippblätter“.

Anfang November 1919 verließ Reile Wörishofen dann wieder. Die nächsten Stationen hießen Kostenz im Bayerischen Wald, Algasing und Schweinspoint.

Es sollte die letzte Station als Ordensmann der Barmherzigen Brüder gewesen sein. 1922 entband der Papst den 60-jährigen Reile auf dessen Bitten vom Ordensleben. Nachdem er kurze Zeit vorübergehend in Bingen, Bonn und Frankfurt am Main als Kneippheilkundiger tätig gewesen, riefen alte Freunde Reile 1923 wieder nach Bad Wörishofen zurück. In der Kneippstadt hielt er im Landhaus Diefenbach Sprechstunden ab. Er habe aber nicht mehr die frühere Atmosphäre vorgefunden, heißt es. Deshalb zog Reile 1931 nach mancherlei Enttäuschungen nach Neuhaus bei Scherding und schließlich nach Altötting. Dort starb Bonifaz Reile am 12. Januar 1952 fast völlig erblindet und nach längerer Krankheit im Alter von 89 Jahren. Seine sterblichen Überreste wurden allerdings nicht in Altötting beigesetzt, sondern nach Bad Wörishofen überführt und dort in einem Grab auf dem städtischen Friedhof in der St. Anna-Straße beigesetzt. (m.he, mz)

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