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MZ-Serie "Kunstpause"

01.07.2020

Bilder allein reichen der Künstlerin Christa Ludwig-Funk nicht

Die Ausstellung von Christa Ludwig-Funk in Mindelheim war die erste, die der Corona-Pandemie zum Opfer fiel.
Bild: Tina Schlegel

Plus Christa Ludwig-Funks Ausstellung in Mindelheim war die erste, die der Corona-Krise zum Opfer fiel. Doch die Künstlerin ließ sich auch von der Pandemie inspirieren.

Die Corona-Krise und der Lockdown haben zunächst alle Lebensbereiche betroffen. Mittlerweile gibt es im Alltag immer mehr Lockerungen. Nur bei der Kultur ist es immer noch ziemlich ruhig. In unserer Serie „Kunstpause“ wollen wir zeigen, wie Künstler aus der Region die Krise erleben oder auch nutzen, um sie künstlerisch umzusetzen. Heute: Christa Ludwig-Funk.

Es war die erste Ausstellung des Kunstvereins Mindelheim, die der Corona-Krise zum Opfer fiel. Anfang März eröffnete die Künstlerin Christa Ludwig-Funk ihre erste Einzelausstellung, Mitte März folgte bereits das Aus. „Ich war sehr froh, dass die Eröffnung noch in so heiterer, gelassener Atmosphäre stattfinden konnte, weil zu diesem Zeitpunkt Corona noch weit weg schien“, erzählt sie heute rückblickend. „Danach begann die Zeit, in der man sich täglich auf neue Informationen einstellen musste, und ich ahnte bald, dass die Ausstellung wohl nicht bis zum geplanten Termin geöffnet sein würde.“

Das ist umso bedauerlicher als Ludwig-Funk nicht einfach nur ihre Bilder im Salon präsentiert, sondern sie in ein ganzes Konzept eingefügt hatte. Die in Kammlach lebende Künstlerin war schon immer kreativ, die Malerei so richtig für sich entdeckt hat sie erst 2006 bei einem Malkurs bei Gabriele Ritter in Mindelheim.

Christa Ludwig-Funk sammelt gern Materialien und Ideen, Stimmungen und Gefühle

Danach erarbeitete sie sich verschiedene Techniken und Stile, malt gern mit Acrylfarben großflächig, farbintensiv abstrakt oder fotorealistisch. Allein dieses Spannungsverhältnis wäre schon ein bemerkenswerter Spagat, doch Ludwig-Funk ist auch eine Sammlerin, eine Sammlerin von Materialien und Ideen, von Stimmungen und Gefühlen, die sie in ihren Werken abbilden will.

Ihre Kunst sei stets dem Bemühen untergeordnet, verschiedene Gemütslagen des Menschen sichtbar zu machen. Dafür reicht nicht das Bild allein, hinzu kommen Hölzer und Wurzeln, Figuren und Formen. Teilweise haben manche Fundstücke Jahre in ihrem Garten verbracht, bevor sie wusste, was sie in sich tragen, so etwa das Treibholz, das zum Zentrum für das Objekt „Alle in einem Boot“ wurde. Ludwig-Funk hat eines Tages das Boot im Holz darin erkannt. Kleine Figuren aus Draht geformt und mit Papier umwickelt verteilen sich auf dem Boot, jede Figur symbolisiert ein menschliches Gefühl – wir tragen all diese Gefühle in uns und so sitzen wir mit all unseren Gefühlen in einem Boot, müssen alle zulassen, miteinander in Einklang bringen, versöhnen und in Balance halten. Es ist ein eindrucksvolles Kunstwerk, zart und doch kraftvoll auf weiße Leinwand gebannt.

Für die Ausstellung war es auf rotem Samt präsentiert, hervorragend akzentuiert als Blickfang. Kunst als Inszenierung. In zehn Stunden hatte Christa Ludwig-Funk gemeinsam mit ihrer Tochter die Werke im Salon gehängt und aufgebaut. „Ich war dankbar, dass ich meine Werke überhaupt noch eine gewisse Zeit zeigen konnte. Wären die Regierungsmaßnahmen zwei, drei Wochen früher zum Tragen gekommen, wären all die Vorbereitungen für die Ausstellungen umsonst gewesen.“

Als Corona begann, den Alltag zu verändern, entstand die Grundidee für das Werk

Das Ergebnis war in der Tat ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk aus Farbe und Form, aus kraftvollen Bildern und filigranen Skulpturen. Doch auch in den vergangene Wochen war die Künstlerin aktiv: „Kreative Ideen sind immer in mir und schon in den ersten Tagen, als Corona den Alltag massiv veränderte, hatte ich die Grundidee für ein Werk.“ Schließlich nutzte sie fast jede freie Minute, um an dieser Idee zu arbeiten. Entstanden ist ein Werk, das vor allem die Hoffnung spiegelt, die Krise möge etwas Gutes bewegen.

Menschen, die einander helfen, stützen die brüchig gewordene Welt. Ein Corona-Kunstwerk von Christa Ludwig-Funk.
Bild: tisch

„Viele Menschen begannen, einander zu unterstützen. Ich dachte an Menschen, die aufeinander bauen, zu einer Krone, also Corona, aufrichten. Ich formte Figur für Figur und setzte sie zu einer offenen Krone zusammen, die andere einlädt, dazu zu kommen. Die Menschen unterstützen sich gegenseitig und stützen damit die Welt, die brüchig geworden ist, weil wir zu wenig auf sie achten. So hat sich in den Anfangsimpuls durch die Corona-Situation das Bild des Erdballs eingefügt, für den wir Menschen Verantwortung tragen und den wir achtsam ,tragen’ sollten, weil er uns Leben ermöglicht.“

Für die Zeit nach der Krise wünscht sich Christa Ludwig-Funk, einen Teil der gefühlten Entschleunigung in ihren Alltag hinüberretten zu können. „Kein Rauschen von der Autobahn, kein fast permanentes Unterwegssein, auch mal eine fast autofreie, beschauliche Innenstadt, ruhige Sonntage auf dem Balkon und im Garten, innerlich zur Ruhe kommen – das tat bei aller Unsicherheit gut.“

Hier kommen Sie zu weiteren Artikeln aus unserer Serie Kunstpause:

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