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Polizist in Mindelheim gibt Sicherheitstipps

14.10.2016

 „Bloß nicht den Helden spielen!“

Die Bürgerstiftung Mindelheim, die MZ und die Wohnungsgenossenschaft organisierten einen Vortrag zum Thema Zivilcourage. Unser Bild zeigt Alfred Brugger (Bürgerstiftung), Polizist Thomas Wegst und Florian Schuster(Wohnungsgenossenschaft).
Bild: Stoll

Hauptkommissar Wegst berichtet, wie sich Opfer von Bedrohungen, Gewalt und Belästigungen verhalten sollten. Jeden kann es treffen

Der Fall könnte sich jederzeit so abspielen: Eine junge Frau ist allein zu Fuß unterwegs. Plötzlich nähert sich ein fremder Mann, spricht sie an. Er lässt sich nicht abwimmeln, fasst nach ihrem Arm. Ein Passant kommt hinzu, fragt: Belästigt Sie der Mann? Will er was von Ihnen? Kann ich Ihnen helfen? Wer so reagiert, hat schon sehr viel richtig gemacht.

Die Bürgerstiftung, gemeinsam mit Wohnungsgenossenschaft Mindelheim und Mindelheimer Zeitung, hatte Polizeihauptkommissar Thomas Wegst von der Mindelheimer Dienststelle gebeten, aufzuzeigen, wie man knifflige Situationen lösen kann, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Opfer von Gewalttaten, Beleidigungen oder Belästigungen kann schließlich jeder werden, wie der Vorsitzende der Stiftung, Alfred Brugger, in seiner Begrüßung betonte.

Die naheliegende Antwort, um Ärger zu vermeiden: flüchten und damit der Gefahr ausweichen. Wenn jemand nachts in einer Stadt unterwegs ist, und es kommen ihm ein paar finstere Gestalten entgegen, „warum nicht einfach die Straßenseite wechseln?“, rät Wegst. Die rund 30 Besucher im Forum waren erst einmal verblüfft. Zivilcourage, dachten sie, heißt doch sich einzumischen, Flagge zu zeigen.

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Wegst warb aber nachdrücklich darum, immer abzuwägen, wie man am besten eine heikle Situation löst. Den Helden brauche niemand zu spielen. Aber wenn man erkennt, dass jemand Hilfe braucht, „dann packe ich das an“. Auch wer angst hat, kann immer Hilfe hinzuholen. Ein Zuschauer fragte nach. Nachts war er an einem Verkehrsunfall vorbeigekommen. Ihm war das nicht geheuer. Wie sollt er sich richtig verhalten?

Der Polizeibeamte riet, das Fenster einen Spalt zu öffnen und zu fragen, ob Hilfe benötigt werde. Falls ja, könne man 200 Meter weiter fahren und von dort aus die Rettungskräfte unter 112 oder die Polizei unter 110 verständigen.

Wegst hatte ganz konkrete Tipps mitgebracht, wie man die eigene Sicherheit verbessern kann. Wer allein in einen Bus steigt, ist am besten in der Nähe des Fahrers aufgehoben. Plätze am Gang seien auch sicherer als jene am Fenster, weil man leichter fliehen könne.

Hilfreich sei immer, sich mit der Funktionsweise eines Feuerlöschers vertraut zu machen. Ebenso riet er, sich vor dem Urlaub im Ausland die Notrufnummer des jeweiligen Landes einzuprägen. „Kostet nichts, hilft im Zweifel aber immens“. Weniger hält Wegst von Schreckschusswaffen oder Gaspistolen. Die dürfe man in der Regel auch nicht einfach so spazieren tragen. Der kleine Waffenschein sei dafür erforderlich. Nur Pfefferspray, das zur Tierabwehr zugelassen ist, darf ohne Erlaubnis eingesetzt werden. Und bei Betrunkenen helfe das meist auch nicht, weil die auf diese Reize nicht reagierten. Ein Klappmesser nütze auch wenig, weil es bei einem Überfall erst mühsam herausgekramt werden müsse. Und ein Schnappmesser sei verboten. Lieber sollte man bei einem Überfall den Geldbeutel herausrücken und sich nicht in Gefahr bringen. Wegst stellte klar: Es gibt keine Waffe, die die Polizei zum Schutz empfiehlt.

Nachts in der Dunkelheit haben viele Passanten angst, wenn sie den Heimweg antreten. Hier gelte, möglichst dunkle Ecken zu meiden und lieber einen Umweg auf einer gut ausgeleuchteten Strecke gehen. Eine Frau aus dem Publikum bestätigte: Nachts traue sie sich nicht mehr in die Tiefgarage. Und ihre Nachbarin ergänzte, sie fahre dort immer mit Volllicht.

Lärm, Licht, Leute - dafür sollte man sorgen, wenn man Hilfe brauche. Sinnvoll sei, Trillerpfeife oder Schrillalarme mitzuführen. Die machten einen Höllenlärm, Passanten würden so schnell aufmerksam.

Wenn die Polizei am Telefon verständigt wird, sollten so viel Informationen wie möglich gegeben werden. Wer, was, wann, wo - all diese Fragen sollten beantwortet werden. Und ganz wichtig sei es nie von sich aus einfach aufzulegen. Die Polizei hat in der Regel Rückfragen.

Wichtig ist der Polizei, möglichst genau zu beobachten. Wie sah der Täter aus, welche Farbe hatte die Jacke, trug er Brille, wie lautet das Autokennzeichen des Wagens, mit dem er sich aus dem Staub gemacht hat?

Wer all das beachtet, tut immens viel für die Sicherheit aller. Thomas Wegst sagt: Unglücke und Straftaten werden immer geschehen. „Aber wenn wir zusammenhalten, machen wir die Welt ein kleines Bisschen besser“. Und dazu gehört eben auch der Mut, sich einzumischen. Allerdings nicht um jeden Preis.

Der  Informationsabend „Zivilcourage“ findet noch einmal am Donnerstag, 20. Oktober, 19 Uhr im kleinen Saal des Mindelheimer Forums statt. Der Eintritt ist frei.

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