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Naturschutz im Unterallgäu

20.06.2017

Blühende Landschaften

Lila Glockenblumen sorgen für Farbtupfer auf den Wiesen.
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Lila Glockenblumen sorgen für Farbtupfer auf den Wiesen.

Mit dem Projekt „100 Auen – 100 Arten“ sollen die Wiesen im Unterallgäu wieder bunt werden

Früher war das Allgäu blau vom Lein, heute ist es im April Löwenzahn-gelb und danach überwiegend Gras-grün. Dabei hätte die Farbpalette der Natur erheblich mehr zu bieten: das leuchtende Pink der Kuckucks-Lichtnelke zum Beispiel, das Weiß der Margeriten und des Wiesenkerbels, das Lila der Wiesenglockenblume und der Skabiose oder das Gelb des Klappertopfs.

Auf einer Wiese bei Westerheim setzen die Blumen farbige Akzente im gut kniehohen blühenden Gras. Grillen zirpen und es herrscht reger Flugverkehr. Doch Uwe Kießling vom Unterallgäuer Landschaftspflegeverband, der die Fläche gerade in Augenschein nimmt, geht es nicht nur um die Optik. Er koordiniert das Leader-Projekt „100 Auen – 100 Arten“, das die Artenvielfalt der Unterallgäuer Kulturlandschaft erhalten und erhöhen will. „Grünland kann sehr artenreich sein“, sagt Kießling.

Oft können Blumen keine Samen bilden

Dass es das oft nicht mehr ist, hängt mit der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung zusammen: Wo häufiger als dreimal im Jahr gemäht wird, können Blumen und Kräuter keine Samen mehr bilden. Viele von ihnen sind außerdem Hungerkünstler und kommen mit Dünger nicht zurecht. Übrig bleiben so im Laufe der Zeit schnittverträgliche und stickstoffliebende Pflanzenarten wie etwa Gräser, das Gänseblümchen oder eben der Löwenzahn.

Mehr als zehn, zwölf Pflanzenarten finden sich auf einer herkömmlichen Wiese kaum. Wird weniger oft gemäht und gedüngt, können es dagegen leicht mehr als doppelt so viele sein. Dabei ist Uwe Kießling durchaus klar, dass nicht alle Landwirte so ohne Weiteres auf Hochleistungsgräser verzichten können. Er wäre deshalb schon froh, wenn sie entlang von Gewässern einen fünf bis acht Meter breiten Streifen stehen lassen könnten, den sie seltener mähen als die übrige, weiterhin intensiv bewirtschaftete Fläche.

Artenreichtum ist kein Selbstläufer

Artenreichtum ist allerdings auch auf solchen Puffer-Streifen kein Selbstläufer. Denn woher sollen die Blumen und Kräuter kommen, wenn es sie auch auf den Wiesen ringsum nicht mehr gibt? Um dieses Dilemma zu lösen, setzt das Projekt auf artenreiche Spenderflächen: Werden sie gemäht, wird ein Teil des Schnittgutes auf einer artenarmen und entsprechend vorbereiteten Empfängerfläche ausgebreitet. Beim Trocknen fallen die Samen aus und können auf der Empfängerfläche keimen. „Wir vermehren und fördern das, was da ist“, erklärt Uwe Kießling und betont: „Wir wollen den Bauern nichts wegnehmen“. Im Gegenteil: „Die artenreichen Wiesen liefern hochwertiges Heu.“

Wertvolle Spenderflächen

Die Wiese bei Westerheim ist so eine Spenderfläche und auch bei Zaisertshofen gibt es eine. Sie ist 1,7 Hektar groß und gehört dem Landesbund für Vogelschutz, der sie an einen Landwirt verpachtet hat. Das Vertragsnaturschutzprogramm gibt ihm vor, wann und wie oft er mähen darf, um den Artenreichtum nicht zu gefährden. Den will das Projekt auch mit selbst angebautem und geerntetem Saatgut unterstützen. Schließlich sollen schon in drei Jahren auf Ausgleichsflächen nur noch Wiesenarten wachsen, von denen auch zahlreiche Tiere profitieren: Indem ihnen die Pflanzen Nahrung bieten, aber auch, indem sie Trittsteine zwischen Biotopen bilden und es ihnen so ermöglichen, neue Lebensräume zu besiedeln. Dass die „blühenden Landschaften“ auch noch schön anzusehen sind und das Unterallgäu wieder bunt machen, ist ein erfreulicher Nebeneffekt.

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