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Mindelheim

18.01.2021

Bodycams im Einsatz: Achtung, die Polizei filmt!

Zwei mal auf den großen Knopf gedrückt, und schon ist die Videokamera aktiviert. Bei Aufnahme blinkt das Gerät rot.

Plus Body-Cams sind bei der Polizei in Mindelheim täglich im Einsatz. Die Zahl der Übergriffe auf Beamte ist dadurch offenbar zurückgegangen. Aber womöglich hat das einen ganz anderen Grund.

Es sind Bilder wie aus einem James-Bond-Film, die Mindelheims Polizeichef Gerhard Zielbauer und Polizeihauptkommissar Thomas Löschinger zeigen. Mit Tempo 110 rast ein Autofahrer über die Allgäuer Straße, schafft es aber kaum, die Spur zu halten. Immer wieder bricht der Wagen aus und fährt in Schlangenlinien weiter. Dann biegt das Auto abrupt in den Heimenegger Weg ab, gefolgt von einer Polizeistreife, die das alles filmt. Die spektakulären Bilder stammen vom 30. Juli 2020. Um 22.38 Uhr beginnt die Aufzeichnung. Ein paar Minuten später endet sie. Zu sehen ist ein völlig demolierter Wagen im Maisacker. Der sturzbetrunkene Fahrer hat sich leicht verletzt, der Wagen ist nur noch Schrott wert.

Der Mann hatte mehr als zwei Promille Alkohol im Blut. Er besaß keinen Führerschein. Als er den Polizeiwagen sah, gab er Gas und versuchte zu flüchten. (Zur Polizeimeldung von damals geht es hier: Schwerer Unfall nach Verfolgungsjagd durch Mindelheim) Das war der Moment, als einer der beiden Polizeibeamten die Videokamera aktivierte. Den Regler rübergeschoben, zweimal auf den großen Knopf gedrückt, und schon zeichnet die Kamera auf. Vor gut einem Jahr wurde die Polizeiinspektion in Mindelheim erstmals mit sogenannten Body-Cams ausgerüstet. Bayern hat die Videokameras für Polizeibeamte zu deren Schutz eingeführt.

Die Aufzeichnungen der Body-Cams dürfen als Beweismittel vor Gericht genutzt werden

Immer wieder wurden und werden Polizisten im Einsatz Opfer von Angriffen. Wenn die Kamera aktiviert ist, blinkt sie zuerst grün. Das zeigt, dass sie im Status der Voraufzeichnung ist. Dabei werden die letzten 30 Sekunden im Hintergrund aufgezeichnet und jedes mal wieder gelöscht. Wird die Kamera mit zweimaligen Drücken auf den Knopf aktiviert, liegen für die 30 Sekunden davor bereits Bilder vor. Das rote Blinklicht führt nach Einschätzung von Gerhard Zielbauer bereits bei manchen zu größerer Zurückhaltung. Denn diese Aufzeichnungen dienen vor Gericht auch als Beweismittel und werden auch bei Bedarf an die Staatsanwaltschaft weiter gegeben. In drei Fällen wurden Filmaufnahmen in Strafverfahren bisher verwendet. Die gelbe Signalfarbe der Kameras ist schon von Weitem gut zu sehen. Mindelheimer Bürger hätten den Beamten immer wieder mal gesagt, dass sie es gut finden, dass sich die Beamten auf diese Weise schützen können, sagt Zielbauer.

Eingeschaltet wird die Body-Cam immer dann, wenn sich eine Lage zuspitzt. Dabei wird bereits aufgezeichnet, wie sich eine Situation entwickelt hat, sagt der Polizeichef. Thomas Löschinger ist bei der Mindelheimer Polizei der Fachmann für die vier Body-Cams, die die Dienststelle zugeteilt bekommen hat. Wer auf Streife ausrückt, nimmt eine Kamera mit und steckt sie sich ans Revers, die mit Magneten befestigt wird.

Schon von Weitem gut sichtbar ist die gelbe Signalfarbe der Bodycam, die Bayerns Polizeibeamte inzwischen tragen. Unser Bild zeigt Polizeiobermeisterin Marie Fickler und Polizeimeister Fabian Hafner.

Eine Cam kann bis zu zwölf Stunden aufzeichnen. Kommt die Streife zurück in die Dienststelle, wird die Kamera in eine Halterung gesteckt. Dabei wird nicht nur der Akku wieder aufgeladen, sondern automatisch das Filmmaterial überspielt. Die Kamera ist danach sofort wieder einsatzfähig.

Die Mindelheimer Polizisten glauben, dass Body-Cams helfen, die Lage zu beruhigen

Löschinger sagt, diese neue Technik leiste einen signifikanten Beitrag zum Schutz von Polizeibeamten. In mehr als jedem vierten Fall hatte der Einsatz der Kamera zur Folge, dass sich eine Lage beruhigte. Täter hätten eine höhere Hemmschwelle. Womöglich schreckt die Kamera vor Übergriffen ähnlich ab wie eine Polizeistreife im Wohnviertel Einbrecher von ihren Taten abhält, sagt Zielbauer.

Nur uniformierte Streifenbeamte dürfen die Body-Cams einsetzen, Zivilbeamte nicht. Mit auf Streife genommen werden die Kamera fast jeden Tag. Wie häufig sie tatsächlich eingeschaltet werden, darüber führt die Mindelheimer Polizei keine eigene Statistik. Aber eine Zahl fällt schon ins Auge: Die Zahl der Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte ist von 2019 auf 2020 in Mindelheim von 25 auf zwölf zurückgegangen. Ob dies tatsächlich auf die Body-Cam oder die geringere Zahl an Veranstaltungen wegen Corona zurückgeht, sei dahingestellt.

Es gibt aber auch Fälle, in denen ein Täter nicht einmal mehr merkt, wenn eine Kamera blinkt. Löschinger und Zielbauer zeigen ein zweites Video. Es stammt von einem Zwischenfall aus der Mindelheimer Maximilianstraße. Ein Mann griff dabei den Polizeiwagen frontal an, riss einen Scheibenwischer ab, klopfte wie wild auf die Windschutzscheibe und spuckte in Richtung der Beamten. Bei der Festnahme wurde einer der Beamten verletzt, der Täter kam vor Gericht später aber straffrei davon – er war völlig betrunken.

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18.01.2021

"Immer wieder wurden und werden Polizisten im Einsatz Opfer von Angriffen."
"diese neue Technik leiste einen signifikanten Beitrag zum Schutz von Polizeibeamten"

Seit Monaten sind immer wieder Videos zu sehen, in denen Polizisten nicht die Opfer von Gewalt sind, sondern die Täter. Body-Cams schützen eher die Bürger vor Polzeigewalt als anders herum.
Andererseits sind sie aber auch ein Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung.

Auf all diese Themen hätte man natürlich eingehen können, statt nur einseitig die Polizeisicht widerzugeben. Der Bericht liest sich wie aus einer Werbebroschüre der Polizeigewerkschaft.

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