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24.03.2009

Bohrende Fragen, gründliche Antworten

Ettringen Dicht an dicht saßen die über 250 Besucher in der Ettringer Turnhalle, einige mussten sogar stehen. Das Interesse an neutralen fachlichen Informationen zum geplanten Heizkraftwerk von Lang Papier war sichtlich ungebrochen.

Eingeladen hatte diesmal die Gemeinde Ettringen auf Anregung von Gemeinderat Andreas Scheitle. Zu der entscheidenden Gemeinderatssitzung am 16. März, in der der neue Antrag von den Gutachtern vorgestellt und vom Rat positiv beschieden worden war (die MZ berichtete), waren zahlreiche Zuhörer gekommen; Wortmeldungen sind aber dabei nicht zugelassen. Hier nun sollten die Bürger Gelegenheit zu Fragen haben.

Farblich dominiert war die Veranstaltung vom Blau der Blousons, mit denen sich die Träger als Lang-Mitarbeiter ausweisen. Obwohl zahlenmäßig stark vertreten, äußerten sie sich in der Diskussion kaum. Anwesend waren auch die Bürgermeister von Markt Wald und Bad Wörishofen, Walter Wörle und Klaus Holetschek.

Als unabhängigen Diskussionsleiter hatte die Gemeinde den Geschäftsführer des Augsburger Kompetenzzentrums Umwelt (KUMAS), Egon Beckord, gewonnen.

Bohrende Fragen, gründliche Antworten

Umfangreiche Darstellung der Materie

Die erste Stunde der insgesamt dreistündigen Veranstaltung bestritten Professor Wolfgang Rommel und Hermann Nordsieck vom bifa-Umweltinstitut Augsburg. Das Institut war bereits 2008, und nun wieder, von der Gemeinde als neutraler Gutachter bestellt und kennt den Antrag von Lang Papier in- und auswendig. Rommel und Nordsieck stellten die komplizierte Materie nochmals eingehend dar.

Die anschließende Diskussion verlief diszipliniert und weitestgehend sachlich. Zahlreiche Bürger aus Ettringen und den umliegenden Orten kamen zu Wort. Die meisten hielten sich an Beckords Aufforderung, sich auf Sachfragen zu beschränken und keine großen Statements abzugeben. Auf die bohrenden Fragen der größtenteils gut informierten Besucher gaben die Gutachter, soweit es ihre Zuständigkeit betraf, gründliche und detaillierte Antworten. Aus einer souveränen Position heraus zeigten sie durchaus Verständnis für die echten Bedenken der Bürger.

Die Fragen gingen querbeet. Sie betrafen unter anderem den Umgang mit Klärschlamm, die Rauchgasentgiftung, die Berechnung der Vorbelastung des betroffenen Umfelds und die Qualitätskontrolle der zur Verbrennung bestimmten Ersatzbrennstoffe (EBS).

Die Experten versuchten Bedenken mittels fachlicher Informationen auszuräumen. Überzeugt schienen allerdings die wenigsten Diskussionsteilnehmer; einige zogen die Unabhängigkeit und Seriosität des bifa-Instituts in Zweifel, sodass Rommel sich schließlich zu der Aussage genötigt sah, sein Institut sei "ideologisch nicht festgelegt".

Und weiter: "Gehen Sie davon aus, dass wir unser Handwerk verstehen. An die Untersuchungen sind wir ergebnisoffen herangegangen und haben das, was im Gutachten steht, nach allen Regeln der Ingenieurskunst errechnet."

Eine mehrfach gestellte Grundsatzfrage beschäftigte sich damit, ob Gas als Energielieferant nicht eine ökologische Alternative zum EBS sei. Dem widersprachen die Gutachter vehement.

Gas zu verbrennen sei, von einer höheren Warte aus betrachtet, keineswegs ökologisch, sondern schädlich für die Umwelt insgesamt; man müsse hier solidarisch denken, statt nur das Sankt-Florians-Prinzip walten zu lassen.

Bürgermeister Robert Sturm trat dem Gerücht entgegen, der Gemeinderat habe das brisante Thema hinter verschlossenen Türen beraten. Er stellte klar, am rechtsstaatlichen Handeln der Gemeinde gebe es nichts zu beanstanden.

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