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Memmingen

25.11.2019

Brandstiftung? Mutter und Sohn schweigen im Gericht

Es roch nach „verbranntem Fleisch“: Vor dem Landgericht Memmingen hat der Prozess gegen einen 48-Jährigen und seine Mutter begonnen.
Foto: Kramer

Plus Weil sie ihren Stall im nördlichen Unterallgäu angezündet haben sollen, stehen zwei Unterallgäuer vor Gericht. Warum es dort nach "verbranntem Fleisch" roch.

Als der erste Verhandlungstag vorbei ist, trennen sich die Wege von Mutter und Sohn wieder. Der 48-Jährige wird in Handschellen abgeführt, während die 79-Jährige das Landgericht durch den Haupteingang frei verlässt. Die drei Stunden zuvor haben sie nebeneinander verbracht – auf der Anklagebank vor dem Landgericht Memmingen.

Weil er sich laut Staatsanwalt in einer „desaströsen finanziellen Situation“ befand, soll der Mann seine Mutter dazu veranlasst haben, am 25. Februar den eigenen Stall im nördlichen Landkreis in Brand zu stecken. Erst fünf Tage zuvor hatte er eine Sturm- und Brandversicherung abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft geht deshalb davon aus, dass sein Ziel war, nach dem Brand von der Versicherung eine hohe Summe zu erhalten.

Mutter und Sohn wegen Brandstiftung vor dem Memminger Landgericht

Der 79-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft besonders schwere Brandstiftung, Körperverletzung und versuchten Betrug vor. Ihr 48-jähriger Sohn muss sich vor Gericht verantworten, weil er sie dazu angestiftet haben soll. Er soll am Tag vor dem Brand nach Ungarn gereist sein, um sich ein Alibi zu verschaffen. Bei einer Verurteilung droht beiden eine Strafe von mindestens fünf Jahren, wie die Vorsitzende Richterin Sabine Schuhmaier schon zu Beginn unterstrich.

Im Vorfeld hatte das Landgericht mitgeteilt, dass beide die Tat, bei der ein Sachschaden von 500.000 Euro entstand, bestritten. Wie der Mann verweigerte auch die Mutter im Gericht die Aussage – „zumindest heute“, sagte ihr Pflichtverteidiger Ulrich Swoboda. „Das kann sich aber zum nächsten Termin ändern.“ So lag es an den Zeugen, für mehr Klarheit zu sorgen.

Ein Polizei-Hauptkommissar war der erste, der um 1.21 Uhr am Ort des Geschehens eintraf – gut 20 Minuten, nachdem die 79-Jährige Heu im Stall angezündet haben soll. Der Polizist erklärte, er habe zunächst versucht, die Frau aus dem angrenzenden Wohnhaus zu holen. Da sie auf mehrmaliges Klingeln und Klopfen jedoch nicht reagierte, habe er schließlich mit einer Axt eine Scheibe eingeschlagen. Kurz danach habe die Frau das Fenster im ersten Stock geöffnet und sei schließlich nach draußen gekommen. Dabei habe sie einen „verschlafenen Eindruck“ gemacht, sagte der Polizist.

Polizist roch auf dem Hof im nördlichen Unterallgäu "verbranntes Fleisch"

Wie der Hauptkommissar weiter erzählte, lag über dem Hof der Geruch von „verbranntem Fleisch“. Dieser kam wohl aus dem Stall, in dem in der Nacht zehn Pferde und vier Kühe untergebracht waren. Mehrere Tiere wurden verletzt, ein Pferd verendete. Es gehörte wie die meisten anderen einer Familie, die nur rund 50 Meter von dem Hof entfernt wohnt. Die Frau wurde in der Nacht vom Brandlärm und dem Geschrei der Tiere geweckt, eilte zum Stall und ließ die Pferde und Kühe frei. Dabei zog sie sich eine Brandwunde an der Hand und eine leichte Rauchvergiftung zu. Bis heute leidet sie unter Angstzuständen und tritt im Prozess als Nebenklägerin auf.

Wie der 48-jährige Angeklagte in die finanzielle Schieflage geriet, erläuterte seine Ehefrau. Demnach erhält der Mann seit einem Unfall 2011 zwei Berufsunfähigkeitsrenten und habe etwa mit Holzverkauf immer wieder Geld eingenommen. Trotzdem sei die finanzielle Situation „immer schwankend“ gewesen, „mal besser, mal schlechter“. Ihr Mann sei Diabetiker und leide unter Gichtanfällen. Obwohl das Ehepaar seit Längerem getrennt lebt, wohnt die Frau weiter in der Nähe des Hofs und war so auch in der Brandnacht vor Ort. Als ihr Mann Ende April festgenommen wurde, sagte die Frau gegenüber einem Polizisten, ihr Mann habe mehrfach erzählt, dass seine Mutter den Stall angezündet habe. Sie habe dem aber keine Bedeutung beigemessen, denn „er hat ja viel Scheiß erzählt“. Vor Gericht konnte sich die Frau an diese Aussage nicht mehr erinnern.

Brand: Warum brach das Feuer im Stall aus?

Zunächst war die Polizei davon ausgegangen, dass ein technischer Defekt den Brand verursacht hatte. Der Onkel des Angeklagten sagte vor Gericht, sein Neffe habe sich nach seiner Rückkehr aus Ungarn über Probleme mit einem Schaltkasten am Tor des Stalls beschwert.

Acht Verhandlungstage sind insgesamt angesetzt, der nächste davon am kommenden Montag.

Mehr zum Brand lesen Sie hier:

Brannten Mutter und Sohn den eigenen Hof ab?

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