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Unterallgäu

02.12.2019

Brandstiftung? Videoaufnahmen belasten Mutter schwer

Eine 79-jährige Unterallgäuerin steht derzeit vor dem Landgericht Memmingen, weil sie ihren eigenen Stall angezündet haben soll. Ihr Sohn soll sie dazu veranlasst haben.

Plus Eine 79-Jährige soll auf Geheiß ihres Sohns den eigenen Stall im nördlichen Unterallgäu angezündet haben. Was im Gericht zu sehen ist, spricht dafür.

Es herrscht Ruhe im Saal 135 des Landgerichts Memmingen, doch die Atmosphäre ist angespannt. Jeder im Raum blickt gebannt auf den weiß umrandeten Flachbildschirm, der zwischen Staatsanwalt Markus Schroth und dem Schöffengericht um die Vorsitzende Richterin Sabine Schuhmaier steht. Schemenhaft ist dort der Innenhof eines landwirtschaftlichen Anwesens im nördlichen Landkreis zu sehen. Am unteren Bildschirm läuft eine Uhr. Als sie 0.58 Uhr anzeigt, erscheint dort, wo das alt-bäuerliche Wohnhaus steht, ein schmaler Lichtstreifen. Kurz darauf zieht Rauch ins Bild. Es brennt.

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Im Prozess gegen einen 48-Jährigen und seine Mutter, die Ende Februar gemeinsam einen Großbrand im eigenen Stall verursacht haben sollen, um die Versicherungssumme zu erhalten, haben Videoaufnahmen die 79-jährige Frau schwer belastet. Sie stammen aus einer Überwachungskamera, die der 48-Jährige als Hofbesitzer selbst im Innenhof installiert hat und dokumentieren, was in der Tatnacht geschah – zumindest in Ausschnitten.

Brand im nördlichen Unterallgäu: 79-Jährige soll Stall angezündet haben

Der Bereich, den die Kamera erfasst, ist auf die Mitte des Hofs beschränkt. Doch am oberen Rand ist zu erkennen, wie im Dunkel der Nacht um 0.58 Uhr im Haus ein Licht angeht. Es dauert wenige Minuten, dann springt eine größere Lampe im Innenhof an. Ausgelöst hat sie ein Bewegungsmelder, der über der alten Milchkammer angebracht ist. Der Eingang der Kammer ist nur wenige Meter von der Haustür der Frau entfernt. Sie bildet einen Durchgang zum Stall. Das Licht über der Milchkammer geht aus, dann kurz darauf wieder an. Dann, gut acht Minuten nachdem das erste Licht im Haus erschienen ist, ziehen aus Richtung des Stalls dicke Rauchschwaden ins Bild. Es knistert immer lauter. Eine Kuh muht laut, einmal, zweimal, dreimal. Dann bricht die Aufnahme ab.

Brandstiftung? Videoaufnahmen belasten Mutter schwer

Die Sequenzen bringen die 79-Jährige, die anders als ihr Sohn noch auf freiem Fuß ist, in direkten Zusammenhang mit dem Großbrand. Dabei entstand ein Sachschaden von 500.000 Euro. Fotos eines Ermittlers vom Tatort zeigten das ganze Ausmaß der Zerstörung: Der Stall ist auf seiner Nordseite bis auf die verkohlten Grundpfeiler komplett abgebrannt. In diesem Bereich waren die Heuballen gestapelt, die die 79-Jährige auf Geheiß ihres Sohnes angezündet haben soll.

Warum reiste der Angeklagte vor dem Feuer nach Ungarn?

Der 48-Jährige befand sich zu dieser Zeit in Ungarn. Die Videoaufnahmen zeigen, wie ihn seine Mutter am frühen Morgen vom Hof fährt. Warum er verreiste, darüber gibt es bislang widersprüchliche Aussagen. Am ersten Verhandlungstag hatte der Onkel des Mannes gesagt, der Angeklagte sei nach eigener Aussage zum „Zähne-Richten“ nach Ungarn gefahren. Wie der Cousin des Angeklagten nun im Gericht erzählte, sprach die 79-jährige Frau noch in der Nacht von einem Urlaubsaufenthalt ihres Sohnes.

Der Cousin war es auch, der in der Brandnacht die Rettungskräfte rief. Er schilderte die dramatischen Szenen, die sich abspielten, als das vom Wind angefachte Feuer bereits seine volle Gewalt entwickelt hatte. „Als ich am Stall angekommen bin, ist die Decke schon runtergekommen. Das ist wahnsinnig schnell gegangen“, sagte der Cousin des Angeklagten.

Prozess wegen Brandstiftung am Landgericht Memmingen geht weiter

Einige der Pferde, die im Stall in Boxen untergebracht waren, seien dank der Hilfe eines Stallknechts ausgebrochen. Eines jedoch sei bereits schwer am Kopf und seitlich am Körper verletzt gewesen. „Das hat schlimm ausgeschaut.“ Nach der Rückkehr seines Cousins habe er mit ihm gesprochen. „Er hat sich bedankt, war aber geschockt und konnte es sich nicht erklären“, sagte der Mann.

Auch im Stall selbst war nach Angaben eines Ermittlers eine Kamera installiert, die in Richtung des Brandherds zeigte. Seines Wissens nach habe die Kamera aber keine der Aufnahmen gespeichert.

Am kommenden Montag wird der Prozess, für den insgesamt acht Verhandlungstage angesetzt sind, fortgeführt.

Was am ersten Verhandlungstag geschah, lesen Sie hier:

Brandstiftung? Mutter und Sohn schweigen im Gericht

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