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Breitenbrunn

01.08.2020

Breitenbrunn: Ein Dämpfer für die Dorfschule

Erstklässler aus Breitenbrunn müssen im September nach Pfaffenhausen.
Bild: Alexander Kaya/Symbolfoto

Plus Während der Bürgermeister an einem Konzept für die Zukunft der Schule Breitenbrunn arbeitet, werden im September die Erstklässler in Pfaffenhausen beginnen.

Dass die Außenstelle der Grundschule Pfaffenhausen in Breitenbrunn auf der Kippe steht, ist spätestens seit April quasi amtlich. Damals tagte der Schulverband Pfaffenhausen, zu dem Oberrieden, Breitenbrunn, Salgen und Pfaffenhausen gehören. Mit sieben gegen drei Stimmen (alle aus Breitenbrunn) war das Aus der Schule in Loppenhausen zum Schuljahresende 2020/21 beschlossen worden. Die Schule in Breitenbrunn sollte noch eine Chance bekommen. Allerdings hat ein Schreiben von Rektorin Renate Förner an die Eltern, datiert vom 14. Juli, nun für Aufregung in Breitenbrunn gesorgt.

22 Erstklässler aus Breitenbrunn nach Pfaffenhausen

Darin teilte die Rektorin mit, dass am 8. September alle 59 Erstklässler aus dem Gebiet des Schulverbandes in Pfaffenhausen eingeschult werden, also auch die 22 Kinder aus Breitenbrunn. Nur noch eine Klasse wird nun im kommenden Schuljahr in Breitenbrunn unterrichtet. So manche Eltern schließen daraus, dass nun vorzeitig Fakten geschaffen werden sollen. Dem widerspricht der Vorsitzende des Schulverbandes, Hubert Schröther. Er sieht darin keine Vorentscheidung über den Schulstandort Breitenbrunn. Im April hatte er der Gemeinde Breitenbrunn eine Frist bis 31. Oktober gesetzt. Bis zu diesem Datum sollte Breitenbrunn ein Konzept vorlegen, wie sich die Gemeinde eine Sicherung des Schulstandortes Breitenbrunn vorstellt.

Daran arbeitet Breitenbrunns Bürgermeister Tempel seit Wochen akribisch. Er macht das bevorzugt an Sonntagen, weil er sonst nicht die notwendige Ruhe für die aufwendige Arbeit findet, wie er sagt. Schriftlich bat er den Schulverbandsvorsitzenden Schröther bereits im Mai um Fristverlängerung. „Ich habe in Einzelgesprächen mit den anderen Mitgliedern des Schulverbandes ausgelotet, dass wir dem zustimmen können“, sagte Schröther gegenüber der MZ. Vielleicht sei die Vorgabe zu kurzfristig gewesen.

Breitenbrunn: Ein Dämpfer für die Dorfschule

Sanierung an Grundschule Breitenbrunn kommt nicht voran

Tempel sagt, für das gesamte Gebäude, in dem die Klassenzimmer in Breitenbrunn untergebracht sind, bestehe ein Sanierungsstau. Als Beispiel nennt er die nicht vorhandenen behindertengerechten Eingänge. Die seien in Pfaffenhausen an der Schule und am Rathaus vorhanden. Für Breitenbrunn mache es aus Sicht von Tempel keinen Sinn, das Gebäude nur in dem Teil herzurichten, in dem sich die zwei Klassenräume befinden.

Die Entscheidung, die Abc–Schützen alle in Pfaffenhausen zu unterrichten, sieht Tempel mit gemischten Gefühlen. „Ich habe die große Sorge, dass der Schulstandort Breitenbrunn nicht gehalten werden kann, egel wie gut wir sind“, sagte der Bürgermeister. Letztlich entscheidet der Schulverband. Ihm ist daher wichtig, das Konzept für die Zukunft so wasserfest wie möglich zu machen. Das müsse sauber dokumentiert werden. Und das dauert, auch weil Tempel das im Alleingang macht. Derzeit arbeitet er am Teil der Chronik, die er von 1969 bis ins Jahr 2000 aufgearbeitet hat.

Viele Fragen seien noch offen. Was sei überhaupt in Breitenbrunn denkbar? Wie viele Klassen könnten in dem Ort verbleiben? Eine oder vier? Was das kosten würde, steht auch noch völlig in den Sternen.

Hubert Schröther wiederum meint, dass es weniger auf die Aufarbeitung der Vergangenheit ankomme als auf ein tragfähiges Konzept für die Zukunft. Auch einzelne Gemeinderäte hätten schon gefragt: „Jürgen, muss das so genau sein?“.

Breitenbrunns Eltern kämpfen um Erhalt der Grundschule

Die Eltern in Breitenbrunn kämpfen für ihre wohnortnahe Schule. Bei ihnen verfestigt sich der Eindruck, dass nichts in ihrem Sinne vorangehe. Aus ihrer Sicht sind die Probleme lösbar. Ein von Rektorin Förner gefordertes Lehrerzimmer könne im ersten Stock untergebracht werden. Die baulichen Mängel könnten kurzfristig behoben werden, heißt es in einem Schreiben von Anita Vögele, Claudia Sauerwein und Simone Ritter an Bürgermeister, Gemeinderäte und den Schulverband. Eltern hatten bereits angeboten, selbst mit Hand anzulegen.

Die Stimmung bei den Eltern ist eindeutig: Von 22 Schulkindern der ersten Klasse meldeten sich 17 Eltern zurück. 16 sind für den Erhalt von Breitenbrunn als Schulort. In Loppenhausen sprachen sich alle 20 betroffenen Eltern für den Erhalt der Außenstelle Breitenbrunn aus. Die Kinderzahl sei steigend.

Eine Rolle spielt aus Elternsicht auch Corona. Die jüngsten Kinder müssten über 40 Minuten in einem vollen Bus mit Maske verbringen, die Kinder aus Bedernau sogar noch länger. Das sieht auch Bürgermeister Tempel ähnlich. Mit den Busfahrten werde womöglich sehr viel riskiert, sagte der Bürgermeister. Kleine Schulen hätten nicht nur pädagogisch Vorteile, sie garantieren auch einen kurzen Schulweg. Das Thema Schulschließung wird weiter heiß diskutiert.

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