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Rammingen

21.01.2019

Brexit macht dem Skylinepark-Chef Sorgen

Exportschlager Weihnachtsmarkt: Mit seinem „German Christmas Market“ hier im englischen Birmingham hat der Chef des Allgäu Skyline Parks, Joachim Löwenthal, mit dafür gesorgt, dass die eigentlich typisch deutsche Tradition auch bei den feierfreudigen Engländern Begeisterung auslöst.
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Exportschlager Weihnachtsmarkt: Mit seinem „German Christmas Market“ hier im englischen Birmingham hat der Chef des Allgäu Skyline Parks, Joachim Löwenthal, mit dafür gesorgt, dass die eigentlich typisch deutsche Tradition auch bei den feierfreudigen Engländern Begeisterung auslöst.
Bild: dpa

Joachim Löwenthal betreibt seit gut 20 Jahren deutsche Weihnachtsmärkte in  England. Er drückt die Daumen, dass der Austritt der Briten  verschoben wird.

Heute will die britische Premierministerin Theresa May ihren „Plan B“ vorstellen und aufzeigen, wie ihr Land den „Brexit“ organisieren will. Gegen 16.30 Uhr soll die Rede vor dem Parlament beginnen, hieß es zuletzt. Ganz Europa blickt mit Sorge nach London – und auch in unserer Region wächst die Angst vor einem „harten Brexit“ mit unkontrollierbaren wirtschaftlichen Folgen, auch für die heimische Wirtschaft.

Joachim Löwenthal, Chef des Allgäu Skyline Parks in Bad Wörishofen/Rammingen, hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass der schlimmste Fall verhindert werden und eine Verschiebung der Brexit-Entscheidung doch noch klappt – wenigstens für ein weiteres Jahr. Mehr als Daumen drücken bleibt ihm aber auch nicht: „Es gibt für uns im Moment keine Vorbereitung, da wir nicht wissen, was kommt“.

Jedes Jahr kommen Millionen Besucher

Sein Familienunternehmen ist immer in der Vorweihnachtszeit in England aktiv und hat mit seinen „German Christmas Market“ großen Anteil daran, dass die deutsche Tradition der Weihnachtsmärkte auch bei den Engländern überaus beliebt geworden ist. Seit gut 20 Jahren sind die von Löwenthal in Zusammenarbeit mit der Stadt Frankfurt und den örtlichen Verwaltungen organisierten Weihnachtsmärkte in Birmingham und in Leeds ein Besucher-Magnet. Birmingham und Frankfurt verbindet seit 50 Jahren eine Städtepartnerschaft. Auf den deutschen Weihnachtsmarkt in Birmingham strömen jährlich rund fünf Millionen Besucher, in Leeds waren es rund 1,2 Millionen englische Weihnachtsmarkt-Fans.

In gut zwei Monaten in der Vorweihnachtszeit beschäftigt Löwenthal mit seinem Unternehmen dort rund 200 Mitarbeiter, darunter auch viele Saisonkräfte des Skyline Parks, die hier ab November nicht mehr arbeiten. Auf den Weihnachtsmärkten in England werden von seiner Firma hauptsächlich Fleischwaren und Getränke verkauft.

Am Tag der Abstimmung war der Unterallgäuer in Leeds

Löwenthal erinnert sich noch gut an den Tag, an dem sich das britische Volk für den Austritt aus der EU entschieden hat: Am Tag der Brexit-Abstimmung war er in Leeds und bereitete sich auf den deutschen Weihnachtsmarkt vor, den sein Unternehmen dort in Zusammenarbeit mit der Stadt betreibt.

„Keiner der städtischen Mitarbeiter hat dem Brexit damals eine Mehrheit eingeräumt“, weiß Löwenthal noch. Umso ungläubiger waren dann alle, als das Ergebnis vorlag. Joachim Löwenthal: „Ich dachte als erstes an den weiteren Kursverfall des Pfund, da wir unsere Waren, die wir nach England importieren, in Euro bezahlen müssen.“ Das hätte sein Unternehmen schon hart getroffen, da die Kostensteigerungen nicht direkt über die Preise an die Kunden weitergeben könne. Angesichts der „absolut verfahrenen Situation“ bleibe ihm derzeit nur eine Möglichkeit: „Die Entwicklungen abwarten und hoffen, das es doch noch zu einer Regelung kommt“, sagt Löwenthal.

Jetzt sind Kompromisse gefragt

Da die Fronten aber sehr verhärtet seien, müsste aus seiner Sicht „erstmal ein Stück Realismus in die Köpfe der Parlamentarier Einzug halten“. Dann könnte es vielleicht doch noch zu einem Kompromiss kommen, doch auch Löwenthal sieht derzeit vor allem die Engländer am Zug: „Die britische Seite muss ihre Kompromissbereitschaft erklären. Eine Verschiebung des Austritttermins für ein Jahr wäre vielleicht das Sinnvollste, um den Zeitgewinn zu nutzen vernünftige Lösungen zu finden“, sagt der Chef des Skyline Parks. Für ihn sind die Hauptverantwortlichen für das Brexit-Chaos vor allem in Großbritannien zu suchen: „Hier wurde in unverantwortlicher Weise argumentiert, und den zu recht stolzen Briten vorgegaukelt, dass ein Austritt alle Probleme löst und die Briten zu alter Großmachtstärke kommen“, weiß Löwenthal.

Natürlich habe es auch in der EU Fehlentwicklungen gegeben, die aber alle Mitgliedsländer betreffen: „Ich glaube, dass es noch lange dauern wird, bis die EU auch in den Herzen und Bewusstsein der Menschen angekommen ist“.

Droht seinem Unternehmen angesichts des Brexits sogar ein Rückzug aus dem Königreich? „Dass wir uns ganz aus England zurückziehen, halte ich für nicht sehr wahrscheinlich“, sagt Löwenthal. Für diesen Fall müsste dann ein noch größerer Verfall des Pfund erfolgen, Zölle den Export verteuern oder der Zugang zum Arbeitsmarkt versagt oder so erschwert werden, dass das Familienunternehmen seine Tätigkeit in England einstellen müsste.

Die Löwenthals haben die Briten ins Herz geschlossen

Für Löwenthal ist das (noch) unvorstellbar, denn er hat die Briten längst ins Herz geschlossen: „Wir haben durch unsere Tätigkeit sehr viele Kontakte zu den ganz normalen Bürgern des Landes und haben die Briten als freundliche, hilfsbereite und natürlich feierfreudige Menschen kennen gelernt“. Zumindest daran könne auch ein folgenschwerer „Brexit“ nichts ändern.

Was man sich im Unterallgäu von den Briten abschauen könnte, schreibt Johann Stoll an dieser Stelle: Das Unterallgäu könnte von den Briten lernen

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