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Kammlach

02.12.2019

Bürgerversammlung: Nahversorgung beschäftigt Kammlacher

Für Josef Steidele war es die letzte Bürgerversammlung als Bürgermeister von Kammlach.
Bild: baus

Plus Für seine Idee zu einem Geschäftshaus erhält ein Bürger bei der Bürgerversammlung in Kammlach viel Zuspruch. Das hat er sich ausgedacht.

Es war die letzte Bürgerversammlung von Bürgermeister Josef Steidele, der sich wie berichtet 2020 nicht mehr zur Wahl stellt (hier erfahren Sie mehr: Josef Steidele tritt nicht mehr in Kammlach an)– und die Besucherzahl war rekordverdächtig. Rund 160 Bürger waren ins Vereinsheim Unterkammlach gekommen, um sich über das Gemeindegeschehen zu informieren und Anregungen und Kritik loszuwerden.

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So wurde deutlich, dass sich einige Kammlacher um die Nahversorgung Sorgen machen. Zwar gebe es noch eine Bäckerei und einen Arzt, sagte Roland Würstle, doch wenn die Gemeinde nichts unternehme, gebe es in zehn Jahren auch sie nicht mehr. Das Wohn- und Geschäftshaus, über das schon seit Jahren geredet wird, sei dringend nötig. Wenn sich dafür, wie von Steidele geschildert, kein Investor finde, sieht Würstle die Gemeinde in der Pflicht.

Die Gemeinde Kammlach könnte das Haus errichten und über Mieten finanzieren

Sie könnte das Haus errichten und mit den Mieten finanzieren, so seine Idee, für die er Zwischenapplaus erhielt. Steidele gab zu bedenken, dass die Finanzierung und Verwaltung einer solchen Anlage nicht Kerngeschäft einer Gemeinde sei, will den Vorschlag aber im Rat besprechen. Bislang sei eine Lösung über die Gemeinde noch nie Thema gewesen. Michael Maier bezeichnete Würstles Vorschlag als „erste Sahne“, allerdings müsse die Finanzierung nicht die Gemeinde übernehmen. Sie könnte stattdessen als Moderator für finanzstarke Bürger fungieren, die investieren und eine Rendite bekommen könnten.

Bürgerversammlung: Nahversorgung beschäftigt Kammlacher

Als Standort schlug Würstle ein Grundstück zwischen Ober- und Unterkammlach vor, „damit die Ortsteile endlich mal zusammenwachsen“. Dazu könne auch beitragen, die bisherigen Ober- und Unterkammlach-Ortsschilder durch Kammlach-Schilder zu ersetzen. In eine ähnliche Richtung zielte die Frage von Anja Otto, ob es wirklich zwei Gemeindeämter und Sitzungssäle brauche. Tatsächlich, so Steidele, gebe es Überlegungen, sich künftig auf ein Gemeindeamt zu beschränken. Zudem wollte Anja Otto wissen, warum der Hort im Haus der Kinder und nicht in der Grundschule untergebracht werde, wo mehr Platz zur Verfügung stünde. „Die Schule ist groß und geräumig, aber leider ist kein Platz da“, so Steideles Antwort. Auch die Gemeinde hätte den Hort gerne dort untergebracht, das habe die Schule aber abgelehnt.

So steht es um die Dorferneuerung in Kammlach

Den Stand der Dorferneuerung sprach ein weiterer Bürger an. Weil die dafür nötige Vorstufe, der Vitalcheck, wohl für viele Bürger eher wie die Werbeveranstaltung einer Krankenkasse geklungen habe, sei diese sehr schlecht besucht gewesen. Dabei sei es dringend nötig, die Bürger mit ins Boot zu holen und sie auch darüber zu informieren, welche Fördermöglichkeiten sie als Privatpersonen in Anspruch nehmen können. „Da wär’s schon mal Zeit, dass man Gas gibt.“ Laut Steidele hat das Amt für ländliche Entwicklung der Gemeinde zunächst eine punktuelle Dorferneuerung empfohlen. Der Innenbereich Unterkammlachs könnte überplant, der Alte Milchhof abgerissen werden.

Harald Mertens erkundigte sich, ob im Zuge der Energiewende an eine Gasversorgung oder andere Alternativen für Kammlach gedacht sei. Steidele nannte „Gas und Glas“ als eine Möglichkeit. Bei der letzten Abfrage von Erdgas Schwaben hätten jedoch nur sehr wenige Bürger Interesse an dem Angebot bekundet. Auch der Bau eines Blockheizkraftwerkes zusammen mit einem größeren Unternehmen ist laut Steidele denkbar. Neben Schule, Kindergarten und Sportstätten könnten auch Privathaushalte mit Wärme versorgt werden.

Probleme wegen Schäden in der Kirchstettener Straße in Kammlach

Georg Unglert sprach die Kirchstettener Straße an, die unter den Bahnbauarbeiten sehr gelitten hat. Laut Steidele seien die Schäden zwar aufgenommen worden, er befürchtet aber, dass die Gemeinde mit ein paar Fuhren Kies abgespeist werden könnte – zumal auch landwirtschaftliche Fahrzeuge zu den Beschädigungen beigetragen hätten.

Vor der Diskussion hatte Steidele einen Überblick über die aktuellen Projekte der Gemeinde gegeben. Das größte war dabei die Wasserversorgung mit einem neuen Brunnen, die rund 3,3 Millionen kosten und sich auch in einem höheren Wasserpreis sowie Verbesserungsbescheiden bemerkbar machen wird. Die Frage von Werner Mussack, welche Kosten auf die Bürger zukommen, konnte Steidele noch nicht beantworten. Ende Januar werde es aber eine Infoveranstaltung mit Beispielrechnungen geben. Gegenwärtig sei nur absehbar, dass die Erhöhung wohl deutlicher ausfalle als die letzte vor neun Jahren.

Werden die Mang-Werke in Kammlach erweitert?

Daneben sprach Steidele eine etwaige Erweiterung der Mang-Werke an, für die der Gemeinderat bereits die Grundlagen geschaffen hat. Die Gemeinde werde alles dafür tun, dass „dieses wichtige Unternehmen am Ort bleibt“, hatte er gesagt und mit dem Zusatz, dass sie dafür vielleicht auch mal über den eigenen Schatten springen müsse, Roman Unglert hellhörig gemacht. Es gelte, dem Unternehmen entgegenzukommen, sagte Steidele auf seine Nachfrage. „Wenn wir diese Trumpfkarte verspielen, weiß ich nicht, wie wir fortmachen können“, sagte er.

Manuel Neß erkundigte sich, ob Kammlach – abgesehen von den Flächen im Interkommunalen Gewerbegebiet – auch über eigene Gewerbefläche verfüge, was Steidele verneinte. Gewerbeflächen gebe es nur in Privatbesitz und es sei auch nicht geplant, welche anzubieten. (Lesen Sie dazu auch: Unterallgäuer Firmen suchen dringend Gewerbeflächen)

Kammlachs Bürgermeister Josef Steidele verabschiedet sich

Martin Klinger schließlich sprach Steidele auf seinen Rückzug aus dem Bürgermeisteramt an, den dieser mit seinem Alter begründete: Im März 2020 geht er in den Ruhestand. In seinem Schlusswort bezeichnete Steidele, der zuvor schon 18 Jahre lang Gemeinderat war, die zwölf Jahre als Bürgermeister als „sehr gute und schöne Erfahrung“. Begegnungen und Gespräche hätten ihn bestärkt und ihm letztlich die Gewissheit gegeben, bei den Bürgern angekommen zu sein. „Ich wollte immer auf Augenhöhe mit den Bürgern sein und sie bei allen Themen mitnehmen“, sagte er.

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