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Rente

14.05.2014

Büro und Bürgermeister sind aufgeräumt

Aus Liebe zum Dorf hat sich Peter Schropp für das Bürgermeisteramt zur Verfügung gestellt. Jetzt will er seinen Ruhestand genießen und Deutschland kennenlernen.
Bild: Baumberger

Peter Schropp war sechs Jahre Rathauschef der Gemeinde Stetten und verabschiedet sich nun aus der Kommunalpolitik

Peter Schropp, frisch gebackener ehemaliger Bürgermeister von Stetten, wusste, was auf ihn zukommt, als er das Amt vor sechs Jahren übernommen hat: Da war er schon seit 18 Jahren Gemeinderat, zwölf Jahre stellvertretender Bürgermeister und – was man nicht vergessen sollte – seit 35 Jahren Zweigstellenleiter der Genossenschaftsbank in Stetten.

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Zum einen kannte er viele Bürger dadurch schon sehr gut und zum anderen war er für alle, denen der Weg zum damaligen Bürgermeister Otto Jörg nach Wipfel zu weit war, der schnell zu erreichende Vize-Rathauschef. Der Wechsel ins Amt des Ersten Bürgermeisters fiel ihm da nach eigenem Bekunden nicht besonders schwer – zumal die Bürger für ihn nach wie vor Kunden blieben.

„Der Bürgermeister ist eigentlich der Geschäftsführer einer Gemeinde. So habe ich das geführt. 35 Jahre als Zweigstellenleiter legt man nicht einfach ab“, sagt er. Die Liebe zu den Zahlen offenkundig auch nicht. „Eine Lieblingsbeschäftigung von mir war das Investitionsvolumen und die Frage: Was haben wir schon, was können wir noch?“, sagt der 65-Jährige, der sich selbst auch als „Bau-Mensch“ bezeichnet. Wenn es die finanzielle Situation erlaubte, wurde gebaut: Der Hochwasserdamm, der der Gemeinde auf den Nägeln brannte, das Baugebiet mit 22 Plätzen – „eine ganz schöne Größenordnung für ein 1400-Einwohner-Dorf“ –, die Zufahrt zur Nordsiedlung, der Radweg nach Auerbach und das neue Leichenhaus auf dem Friedhof.

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Nicht von ungefähr waren die schönsten Zeiten seines Amtes die, „in denen es im Dorf rund lief und ich zwei bis drei Baustellen abschließen konnte“. Stolz ist Schropp außerdem auf die Dorferneuerung, für die es eine Zuschusszusage von 1,5 Millionen Euro gibt und darauf, dass sich die Gemeinde als eine der ersten überhaupt für schnelles Internet per Funk entschieden hat. Manch anderer Bürgermeister habe die Gemeinde damals für ihren Mut bewundert. Doch Schropp sieht das gewohnt pragmatisch: „Eine Gemeinde muss da immer zuerst durch.“ Außerdem sei man sich damals im Gemeinderat einig gewesen: „Wenn wir auf die Nase fallen mit dieser Sache, fallen wir alle – nicht nur der Bürgermeister.“

Bereut hat er seine Entscheidung, sich für dieses Ehrenamt zur Wahl zu stellen, übrigens nie. „Ich war gerne Bürgermeister. Es gibt immer mal Tiefschläge“, sagt er. „Aber deswegen habe ich keine schlaflose Nacht gehabt.“ Das würde seiner Überzeugung nach auch zu nichts führen. „Wenn Sie sich in dem Job zu arg aufregen, halten Sie ihn nicht durch.“ Also hat er das nach Möglichkeit sein lassen. „Wenn hier einer ganz aufgeregt angerufen hat und ich bin gar nicht mehr zu Wort gekommen, hab ich aufgelegt und den Hörer wieder abgehoben. Dann war eine Viertelstunde Ruhe. Das hat immer gewirkt.“ Danach habe man sich vernünftig unterhalten und das Problem lösen können.

Im Gespräch spricht er von „den Bürgermeistern“. „Der Kuen Franz und ich, wir haben ein super Verhältnis gehabt.“ Sein Stellvertreter sei an den Baustellen vor Ort gewesen und habe Entscheidungen getroffen, er selbst sei mehr der „Innendienstmann“ gewesen – mit einem ganz analogen Terminkalender über dem Schreibtisch, seinem „Steuerpult“.

Eine Weile ist es schwierig gewesen

Mittlerweile ist das Büro für Nachfolger Siegfried Jakob aufgeräumt „und der Schropp auch“. Es sei nichts offen geblieben. „Ich bin nicht stolz auf die Arbeit, sondern dass es gut abgegangen ist“, sagt er. Denn eine Weile sei es schwierig gewesen in Stetten. „Das lag aber an einzelnen Leuten, nicht an der Situation der Gemeinde.“

Jetzt im Ruhestand will der Vater zweier Söhne viel Rad fahren, laufen, an der Gesundheit arbeiten und Deutschland kennenlernen. Die Ostsee, die Mecklenburger Seenplatte, der Harz und diverse Städtereisen hat er sich für die Zukunft vorgenommen. „Aber“, beruhigt er, „zuhause bin ich schon auch noch.“

Schließlich hängt er an Stetten, sonst hätte er das Amt vor sechs Jahren nicht angetreten. „Liebe zum Dorf klingt so hochtrabend. Aber das muss man schon haben, sonst schafft man das nicht.“

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