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Unterallgäu

30.06.2019

CSU-Landratskandidat: Erfahrung oder „frisches Blut“?

Illertissen - Wahl - Wahlen - Europawahl 2019
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Am 15. März 2020 sind Kommunalwahlen in Bayern. Wer tritt im Unterallgäu als Landratskandidat an?
Bild: Symbolfoto: Alexander Kaya

Plus Intern sollen der Ettringer Bürgermeister Robert Sturm und der Bad Grönenbacher Florian Dorn von der JWU schon Ambitionen angemeldet haben.

Viiiiel zu früh! Üüüberhaupt kein Anlass, sich zu äußern! Noch gaaar keine Gedanken darüber gemacht! Die Reaktionen führender CSU-Politiker im Landkreis Unterallgäu sind ebenso schablonenhaft wie durchsichtig: Noch gut ein dreiviertel Jahr bleibt den Christsozialen bis zum Wahltag am 15. März 2020, um nach einem geeigneten Kandidaten (oder einer Kandidatin!) Ausschau zu halten, der als Nachfolger von Hans-Joachim Weirather das Mindelheimer Landratsamt für die CSU zurück erobert.

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Vor zwölf Jahren verlor die CSU das Mindelheimer Landratsamt an die Freien Wähler - dieser Stachel sitzt immer noch tief

Weirather verabschiedet sich nach zwei Amtsperioden freiwillig in den Ruhestand, der Freie Wähler hatte den einfluss- und prestigeträchtigen Posten des Landrats im Unterallgäu vor zwölf Jahren nach der „Ära Haisch“ – für viele (vor allem auch bei den Christsozialen) überraschend – gegen den CSU-Kandidaten und Bad Wörishofer Alt-Bürgermeister Klaus Holetschek erobert.

Dieser Stachel sitzt den Christsozialen noch bis heute im Fleisch – und entsprechend sorgfältig gehen die Verantwortlichen um CSU-Kreischef und Ex-Wirtschaftsminister Franz-Josef Pschierer bei der Kandidatensuche vor. Eine KandidatIN wird es diesmal wohl nicht werden – mit der früheren Illertisser Bürgermeisterin Marita Kaiser als Weirather-Herausfordererin war die Kreis-CSU vor sechs Jahren kräftig auf die Nase gefallen.

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Noch vor den Sommerferien will sich die siebenköpfige „Findungskommission“ der Kreis-CSU zusammensetzen und eine Vorentscheidung treffen. Zum Unmut führender CSU-Strategen hatte der Mindelheimer Bürgermeister Stephan Winter frühzeitig entschieden, sich nicht für eine Landratskandidatur zur Verfügung zu stellen und lieber in Mindelheimer Rathaus weitermachen zu wollen.

Schon bei der Neuwahl des CSU-Kreisvorstandes im Mai appellierte Pschierer an die Geschlossenheit: „Ziel muss es sein, dass die CSU nach der Wahl den Landrat stellt und dieser dann auch mit einer starken CSU-Kreistagsfraktion Politik gestalten kann“, so Pschierer damals. Dem sei auch zwei Monate später nichts hinzuzufügen, so CSU-Kreischef und Ex-Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer. Sein offizieller Kommentar zur MZ-Frage daher: „Kein Kommentar.“ Schließlich sei es ja noch viiiiel zu früh ...

Lesen Sie dazu auch: Wer will Unterallgäuer Landrat werden?

Kein Wunder, hat doch die Erfahrung in der (Kommunal-)Politik gezeigt: Wer als erster seinen Hut in den Ring wirft, bekommt als erster Gegenwind – oft genug auch aus den eigenen Reihen. Denn nicht alle Parteifreunde nehmen es immer so ganz genau mit dieser „Freundschaft“, insbesondere, wenn es um lukrative Posten geht. Die Pressestelle des Landratsamtes gab schon im Jahr 2013 auf Anfrage unserer Zeitung die Bezüge des Landrates nach der geltenden Besoldungsordnung mit 8062,78 Euro monatlich an. Dieser Betrag richte sich nach der Einwohnerzahl des Landkreises. Hinzu komme noch die Vergütung als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Sparkasse mit zusätzlich mehr als 1000 Euro monatlich. Genaue Zahlen werden mit Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte nicht veröffentlicht.

Drei Namen von möglichen Kandidaten werden von CSU-Strategen im Unterallgäu immer wieder genannt

Das Geld ist das eine, die politische Karriere das andere: In CSU-Kreisen wird natürlich schon seit geraumer Zeit über potenzielle Kandidaten gesprochen – und dabei fallen immer wieder drei Namen: Robert Sturm, Florian Dorn und Alfons Weber. Der Erste ist 54 und langjähriger Bürgermeister in Ettringen.

Der Zweite ist 33 Jahre alt, kommt aus Ittelsburg, einem Ortsteil von Bad Grönenbach, war Kreisvorsitzender des Jungen Wähler Unterallgäu, die zumindest als sehr CSU-nahe gelten, fünf Kreisräte stellen und mit der Kreis-CSU eine Fraktionsgemeinschaft bildet.

Als mögliche „Übergangslösung“ wird auch der Bürgermeister von Markt Rettenbach, Alfons Weber, genannt. Der 64-Jährige hat zuletzt noch offen gelassen, ob er eine weitere Amtsperiode als Bürgermeister anstrebt. Mancher in der CSU-Kreistagsfraktion könnte sich den langjährigen Bürgermeister und Kreisrat seit 1990 aber durchaus vorstellen, um die Großprojekte im Landkreis noch abzuarbeiten und in dieser Zeit dann einen jüngeren Nachfolger aufbauen zu können. Dennoch werden Weber – selbst Mitglied der Findungskommission – im CSU-internen Rennen von einigen Parteifreunden lediglich Außenseiterchancen zugetraut, auch weil als stellvertretender Bezirkstagspräsident bereits einen einflussreichen Posten ausfüllt.

Der Ettringer Rathauschef Robert Sturm war einer der ersten, der sich im engsten CSU-Zirkel ins Gespräch gebracht haben soll. Er ist seit vier Legislaturperioden – also seit knapp 24 Jahren und damit fast sein halbes leben lang – Bürgermeister in Ettringen und punktet daher mit seiner Erfahrung als langjähriger Verwaltungschef und Kommunalpolitiker, der seit 2002 als Kreisrat und Mitglied im CSU-Kreisvorstand zu den einflussreicheren CSU-Granden gezählt wird.

1965 geboren, verheiratet, zwei Kinder, gelernter Diplom-Verwaltungswirt (FH) und Gymnasiallehrer – Sturms Vita scheint wie geschaffen, um sich nach einer neuen Herausforderung umsehen zu wollen. Er selbst sagt dazu aber – derzeit – gar nichts: „Kein Kommentar!“. Begründung: Noch viiieeeel zu ...

Wer etwas hartnäckiger nachfragt, bekommt von Sturm dann wenigstens die Aussage zu hören, dass es sich beim Amt des Landrates um eine „interessante Aufgabe“ handelt, eine „reizvolle Herausforderung“, ein „schönes Amt“. Und natürlich würde er sich „geehrt“ fühlen, wenn ihm jemand dieses Amt zutrauen würde. CSU-intern sei darüber aber noch nicht geredet worden, beteuert Sturm – und er selbst werde ganz bestimmt nicht auf die Idee kommen, sich direkt als CSU-Landratskandidat ins Spiel zu bringen und öffentlich zu positionieren: „Ich bin zwar selbstbewusst, aber nicht vermessen.“

Knackpunkt für eine Kandidatur Sturms könnte sein, dass er dann nicht mehr als Bürgermeisterkandidat in Ettringen zur Verfügung stehen würde. Die Landrats- und Bürgermeisterwahl finden beide am selben Tag, dem 15. März 2020, statt – und eine Kandidatur für beide Posten wäre für Sturm „absolut ausgeschlossen“. Das bedeutet also: Sollte sich die Kreis-CSU tatsächlich auf den 54-Jährigen einigen können, dann müsste sich die Ettringer Kommunalpolitik ebenfalls nach einem Nachfolger umsehen. Und: Sturm würde das Risiko eingehen, im Falle einer Niederlage ohne Posten dazustehen. Zudem hat Sturm schon einmal eine CSU-interne Niederlage wegstecken müssen: Bei der Nominierung des CSU-Bundestagskandidaten unterlag er im letzten Wahlgang denkbar knapp gegen Stephan Stracke.

Zaubert die Landkreis-CSU im Unterallgäu doch noch einen "Überraschungskandidaten" aus dem Hut?

Vorteil also für Florian Dorn, der seinen Hut zumindest im inneren CSU-Führungszirkel bereits in den Ring geworfen hat. Das CSU-Mitglied gilt durchaus als kommender Mann, der aus seinen politischen und persönlichen Ambitionen gegenüber Parteifreunden auch kaum einen Hehl macht. Zwei Jahre lang war Dorn von 2015 bis 2017 Vorsitzender der JWU. Der 33-Jährige ist beim ifo-Zentrum für öffentliche Finanzen und politische Ökonomie in München tätig, wo er als Volkswirt unter anderem in der Politikberatung arbeitet und sich aktuell in London aufhält. Er mag seinen Job und habe sich daher „noch keine politische Karriereplanung“ zurecht gelegt, sagt er. Sollte er aber wirklich gefragt werden, dann werde er sich „ernsthaft darüber nachdenken und mit meiner Familie darüber sprechen“, machte der verheiratete Vater eines Kindes keinen Hehl aus seinem Interesse. Immerhin sei die „Arbeit eines Landrats eine schöne Arbeit“. Und wenn er als politisch engagierter Bürger des Unterallgäus sein „Hobby zum Beruf machen“ könnte, würde ihn das schon reizen: „Mal sehen, ob sich diese Tür für mich öffnet. Wenn, dann würde ich diese Chance gerne wahrnehmen“ so Dorn, der sich aus London bei der MZ meldete.

Oder zaubert die Kreis-CSU dann doch noch einen „Überraschungskandidaten“ aus dem Hut und die jetzigen, vermeintlichen „Favoriten“ schauen am Ende doch in die Röhre? Auch dem Markt Walder Bürgermeister Peter Wachler werden vereinzelt Ambitionen nachgesagt. CSU-Kreischef Pschierer hat ebenso längst abgewunken wie Klaus Holetschek, inzwischen CSU-Landtagsabgeordneter im Wahlkreis Memmingen. „Das Rennen ist aber noch längst nicht abgeschlossen, da kommt schon noch was“, glaubt ein führender CSU-Mann, Mitglied des Kreisvorstandes, der auch der „Findungskommission“ angehört.

Mehr wollte der CSU-Insider aber (noch) nicht verraten. Klar, es ist dafür ja auch noch viiiiiel zu früh ...


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