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Bad Wörishofen

24.11.2020

Corona: Bad Wörishofen entgehen womöglich über 30 Millionen Euro

Zwangsläufig bleiben heuer Hotelbetten leer, das bringen die Corona-Beschränkungen mit sich. Wie es weitergeht, soll am Mittwoch von Bund und Ländern entschieden werden.
Bild: Oliver Berg/dpa

Plus Wenn die Gäste ausbleiben, fehlen auch deren Ausgaben in der Stadt. Der Verlust bei den Übernachtungen wird offenbar weit höher ausfallen als zunächst befürchtet.

Zwangsschließung im Frühjahr, Zwangsschließung im November – für die Kurstadt Bad Wörishofen und ihre 115 Hotelbetriebe war es bislang ein schwieriges Jahr. Am Mittwoch entscheiden Bund und Länder über die weiteren Corona-Maßnahmen. Vorab kursierte bereits ein Beschlussentwurf, in dem von einer Verlängerung der geltenden Beschränkungen vielleicht sogar bis zum 20. Dezember die Rede ist. Kurdirektorin Petra Nocker rechnet mit hohen Verlusten und nennt eine Zahl, die aufhorchen lässt.

„Wenn Sie wieder einmal bei mir anrufen, können wir uns hoffentlich einmal über ein schöneres Thema unterhalten“, sagt Heidi Krumm-Hebinger vom Hotel Sonnengarten in Bad Wörishofen und schildert, wie sehr die Krise auch in den nächsten Wochen das Geschäft beeinträchtigt. „Wir haben uns zwar schon darauf eingestellt, dass der Lockdown nochmal verlängert wird, haben den Betrieb heruntergefahren und die Dienstpläne für die Mitarbeiter angepasst“, sagt sie. „Aber jetzt ist es vor allem die Unsicherheit, die Betriebe und Gäste belastet“, so Krumm-Hebinger. Dabei wäre das Hotel schon im November ausgebucht gewesen, weil das der beliebte Monat gerade auch für Tagungen ist. Auch für den Dezember war das Hotel bereits gut gebucht. Doch jetzt steht offensichtlich auch das Weihnachtsgeschäft auf der Kippe. „Gerade eben haben wieder zwei Ehepaare abgesagt, weil sie nicht wissen, was möglich ist oder was wir ihnen anbieten können“, bedauert die Hotelchefin. „Wir wissen ja nicht, wie viel Leute eventuell an einem Tisch sitzen dürfen, können deshalb auch derzeit keine Reservierungen annehmen, obwohl Anfragen eingehen.“ Diese Unsicherheit betreffe bereits auch Weihnachten oder Silvester, wo das Haus stets ausgebucht war. Selbst Stammgäste trauten sich noch nicht, sich anzumelden, berichtet Krumm-Hebinger.

Die Unsicherheit fürs Weihnachtsgeschäft macht den Hotelbetreibern in Bad Wörishofen zu schaffen

Genauso geht es im Grunde Christian Buchner vom Kurhotel Alpenhof . „Es fühlt sich bei mir fast an, als ob ich im Winterschlaf wäre“, nimmt er die Situation mit einem Schuss Galgenhumor. Doch zum Lachen ist ihm eigentlich nicht mehr zumute. „Wir hätten das Haus schon im November voll gehabt und jetzt fehlt uns wieder der Umsatz“, berichtet er. „Noch öfter zusperren zu müssen, das wird dann schon wirklich schwierig.“

Das Hauptproblem für Buchner ist ebenfalls die Unsicherheit für das Weihnachtsgeschäft, wo das Haus wieder ausgebucht gewesen wäre, aber etwa die Hälfte bereits storniert wurde. „Wir bieten den Gästen ja fast täglich ein Programm mit Ausflügen etwa in den Zirkus Krone nach München oder Besuchen von Konzerten oder anderen Veranstaltungen an. Aber ich kann ja keine Karten dafür reservieren lassen, wenn ich nicht weiß, was bis dahin möglich ist“, schildert Buchner die Situation. Dabei dürften die Gäste bei ihm auch kurz vorher noch kostenfrei stornieren. Ein weiteres Problem ist für ihn, das Personal bei der Stange zu halten. Denn dieses kommt mit den 60 Prozent des Kurzarbeitergeldes über einen noch längeren Zeitraum auch nicht immer über die Runden. So hat sich Buchner bereits damit abgefunden, dass auch Weihnachten „wohl kaum noch etwas werden wird“.

Hoffen auf die angekündigten Hilfsgelder des Bundes für den November

Nun hofft er, dass zumindest ab April alles wieder besser wird. Die Hotelbranche insgesamt hofft, dass die Hilfsmittel der Bundesregierung fließen. Zehn Milliarden Euro soll es für die vom Lockdown direkt betroffenen Betriebe geben. 75 Prozent des durchschnittlichen Umsatzes aus dem Vorjahresnovember will der Bund kleineren Betrieben erstatten, größere sollen 70 Prozent bekommen.

Großen Respekt zollt Bad Wörishofens Kurdirektorin Petra Nocker den Hoteliers und zeigt sich beeindruckt, wie sie bisher mit der schwierigen Situation umgegangen sind. „Um diese und die Gastronomie geht es ja in erster Linie, und das besorgt uns im Kurbetrieb schon sehr, wenn es jetzt auch noch weiter geht“, sagte sie am Montag. Betroffen vom Andauern der Corona-Beschränkungen wäre aber auch die Kurstadt als Ganzes. Im Frühjahr rechnete Petra Nocker mit einem Verlust von etwa 100.000 Übernachtungen dieses Jahr. Jetzt befürchtet sie, dass es wohl eher 220.000 bis 250.000 Übernachtungen weniger sein werden.

Mit diesen Rückgängen rechnet Bad Wörishofens Kurdirektorin Petra Nocker

Allgäuweit geben Übernachtungsgäste pro Tag im Schnitt 130 Euro aus. Das steht in einer Studie aus dem Jahr 2016. Bei einem Rückgang von 250.000 Übernachtungen durch die Corona-Beschränkungen kommt man da schnell auf über 32 Millionen Euro, die heuer nicht in Bad Wörishofen ausgegeben werden. Im schlechtesten Fall sei dann mit etwa 17 Wochen der Schließung fast eine komplette Hauptsaison weggebrochen, macht Nocker deutlich.

Vieles hänge nach ihren Worten jeweils von den Meldungen der Politik ab. „Sobald bekannt wurde, dass geöffnet werden darf, gingen die Buchungen erfreulich gut ein“, sagt Nocker. Aber: „Entsprechend kamen die Stornierungen bei negativen Meldungen“, so ihre Einschätzung.

An Einnahmen beim Fremdenverkehrsbeitrag bedeutet dies heuer ein geschätztes Minus von rund einer halben Million Euro. Die Hälfte davon wurde zwar bei der Aufstellung des Haushaltes im März bereits berücksichtigt, doch die andere Hälfte müsse jetzt auch noch geschultert werden. „Wir bemühen uns nach Kräften, haushaltskonform zu arbeiten und haben deshalb auch schon einige Vorhaben zurückgestellt, bis wieder bessere Zeiten kommen werden“, sagt Nocker. Denn den Optimismus wolle sie sich nicht nehmen lassen.

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