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Türkheim

22.05.2020

Corona: Maskenpflicht an der Tankstelle

„Dann zahl’ ich halt die 150 Euro!“ Nicht nur beim Tanken: Die Akzeptanz der Bürger gegenüber den Corona-Sicherheitsregeln scheint nach mehreren Wochen Durchhalten nicht mehr bei allen vorhanden zu sein. Darunter leidet vor allem das Personal hinter der Kasse.
Bild: scaa

Plus Wie das Team an der PinOil-Tankstelle in Türkheim mit der Einhaltung der Maskenpflicht umgeht. In den „sozialen Medien“ wird es dafür angefeindet.

Mit dem Internet und den sozialen Medien hat sie schlechte Erfahrungen gemacht: Karin Mayer-Hecklau von der PinOil Tankstelle in Türkheim ist dennoch bereit, über ihre eigenen und die Erfahrungen ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an der Kasse der Tankstelle in Corona-Zeiten zu sprechen.

Existenz der Türkheimer Tankstelle in Gefahr

Zwölf Angestellte sind es insgesamt, die den Betrieb dort aufrecht halten, sieben Tage in der Woche, jeweils zwei Schichten lang. Sieben Stunden hinter der Kasse stehen, fürs Tanken kassieren, Kaffee-to-go, Croissants und Zeitschriften verkaufen, und auch die Kunden immer wieder auf die Schutzmaßnahmen in Corona-Zeiten hinweisen. Und dabei selbst für sieben lange Stunden eine Atemschutzmaske tragen, die das Luftholen und die Konzentration schwer machten. „Wir haben uns das nicht ausgesucht“, sagt die Chefin, „aber wir halten uns an die Regeln. Alles andere wäre auch für uns existenzgefährdend.“

Sich an die Regeln halten: wenn das doch auch die Kunden tun würden. Hierin liege das zweite große Problem derzeit. Das Verkaufspersonal sei verpflichtet, die Kunden zu Sicherheitsabstand und Atemschutz aufzufordern, also diejenigen, die sich nicht an die Regeln hielten. Und immer häufiger sei die Reaktion hierauf verbal-aggressives Verhalten seitens eben dieser Kunden. Da werde es dann schon mal laut, weil ein renitenter Kunde es nicht schaffe, sich für die wenigen Minuten beim Bezahlen seiner Tankfüllung gesetzeskonform zu verhalten. „Dann zahl ich halt die 150 Euro!“, bekäme ihr Personal zu hören.

Corona: Maskenpflicht an der Tankstelle

Erfolgsrezept in der Corona-Krise: Humor und sanfte Worte

Mit Humor und sanftem Überreden könne eine Kassenkraft das aber oft auch in den Griff bekommen. „Da war der Motorradfahrer, der seine Maske nicht über den Helm ziehen wollte, der es dann aber mit Zureden doch noch schaffte, den abzunehmen.“

Für die Chefin haben die Sicherheit und der Schutz ihrer Angestellten oberste Priorität. Sie wäre eine der ersten in Türkheim gewesen, die die Plexiglas-Schutzscheiben zwischen Kasse und Kunde installieren ließ. Sie stelle Masken in allen Formen und Größen für ihre Mitarbeiter zur Verfügung. Abstandsmarkierungen, Hinweise zum Verhalten beim Betreten des Kassenraumes und Hände-Desinfektionsmittel für die Kunden seien selbstverständlich.

Sorge um Gesundheit der Angestellten

Trotzdem bleibe die Sorge um die Gesundheit ihrer Angestellten bestehen. „Ein junger Mann, der bei mir arbeitet, lebt in einer Familie mit einem schwer lungenkranken Familienmitglied. Er hatte so sehr Angst, dass er vier Wochen ausgesetzt hat. Jetzt steht er wieder hinter der Kasse, weil er das Geld braucht. Aber es geht ihm nicht gut dabei.“

Zusätzlich zu den eigenen Existenznöten beschäftigt die Chefin die Frage nach den Ursachen des aggressiven Verhaltens und der Rücksichtslosigkeit einiger Kunden. „Schon von Anfang an, bei Beginn der Beschränkungen im März, gab es Leute, die offen kundtaten, dass sie die Regeln nicht akzeptierten. Die sind dann meistens in der Gruppe unterwegs gewesen.“

Kunden tragen Masken zwei Minuten, Kassierer sieben Stunden

Wer sich jetzt gegen die Vorschriften und das Hinweisen darauf wehre und den Kassenkräften das Leben schwer mache, das sei „eine intelligentere Schicht“, Männer und Frauen im mittleren Alter „und bei den Alten die Männer“. Sie alle kämen in den Kassenraum, ohne Atemschutz, wie wenn nichts wäre. Manche hätten die Maske auch einfach zuhause vergessen oder seien zu bequem, sie aufzusetzen. „Wohlgemerkt, für zwei Minuten! Unsere Kassiererin muss sie sieben Stunden tragen.“

Und dass da abends durchaus schon mal Tränen bei einer Mitarbeiterin geflossen seien wegen Stress mit den Kunden – das sei durchaus vorgekommen.

„Tanken, das macht man so nebenher, da muss es vor allem schnell gehen, da nimmt man sich nicht die Zeit wie beim Einkaufen. Aber auch bei uns dauert das halt derzeit etwas länger, als es die Leute von früher gewohnt sind“, versucht die Chefin eine Erklärung.

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