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Bad Wörishofen

26.11.2020

Corona-Pandemie: Allgäuer Hoteliers drängen auf eigene Testzentren

Wer finanziert Zentren, in denen vor allem Urlaubsgäste und Tourismus-Mitarbeiter getestet werden? Über diese Frage wird kontrovers diskutiert.
Foto: Ralf Lienert

Plus Um die Sicherheit zu bieten, nicht mit dem Corona-Virus infiziert zu sein, sollen in Urlauber-Hochburgen eigene Stationen entstehen. Die Finanzierung ist aber umstritten.

Wenn das Weihnachts- und Neujahrsgeschäft in den Ferienhochburgen des Allgäus wegen der Corona-Beschränkungen ausfällt, droht einer Reihe von Hotels und Gastwirtschaften die Pleite. Deshalb versucht die Branche mit allen Mitteln, die Hauptsaison um den Jahreswechsel herum zu retten. Dabei steht die Sicherheit vor einer Infektion im Vordergrund. Dazu sind für Hotel-Mitarbeiter regelmäßige Corona-Tests nötig. Engmaschige Untersuchungen sind jedoch derzeit bei den von Landkreisen und Städten eingerichteten Teststationen sowie in den Arztpraxen aus Kapazitätsgründen gar nicht möglich. Deshalb wollen jetzt Hoteliers in Urlauber-Orten eigene Corona-Test-Center errichten. Ob das aber so kommt, steht in den Sternen. Denn die Frage, wer das alles finanzieren soll, ist sehr umstritten.

Das Tourismusland Österreich hat es vorgemacht: Seit Anfang Juli können sich Beschäftigte in gewerblichen Beherbergungsbetrieben regelmäßig und freiwillig auf das Corona-Virus testen lassen. Seit 1. September dürfen diesen Service auch Mitarbeiter von Restaurants nutzen. Und seit 1.November können sich zusätzlich Lehr- und Betreuungskräfte mit Kundenkontakt, also Bergführer oder Skilehrer, Reisebetreuer oder Skibusfahrer, regelmäßig testen lassen. Die Kosten werden vom Bund mit maximal 85 Euro pro Test gefördert.

Die Top-Hotels gehören zu den maßgeblichen Treibern des Themas

So etwas Ähnliches schwebt der Tourismusbranche im Allgäu auch vor. Maßgebliche Treiber für solch eine Idee sind die Allgäu-Top-Hotels – ein Verbund von gut 80 Häusern der oberen Kategorien – der auch in Bad Wörishofen vertreten ist. Zudem der Oberstdorfer Hotel-Unternehmer Jürn Jakob Reisigl (Explorer-Hotels). Zusammen mit der Allgäu GmbH soll ein „Allgäu Codex“ erstellt werden, der regelt, wo und wie diese Teststationen funktionieren können, wer sie nutzen darf und wer sie finanziert.

Für Oberstaufen (Kreis Oberallgäu) gibt es bereits konkrete Pläne. Dort soll im kleinen Saal des Kurhauses ein provisorisches Testcenter aufgebaut werden, mit Warteraum und bis zu drei Abstrichkabinen. Alle Beteiligten – Hotels, Gastronomen, Tourist-Info, Bergbahnen, Freizeitbad Aquaria usw. – sollen fixe Termine bekommen und ihre Mitarbeiter regelmäßig dorthin schicken. „Das Angebot gilt auch für Einzelhändler“, sagt Sybille Wiedenmann, Geschäftsführerin der Allgäu-Top-Hotels. Und auch die Touristen sollen sich dort testen lassen können. Die teilnehmenden Betriebe bekommen dann das Gütesiegel „sicher & getestet“.

„Noch nicht spruchreif“, sagt ein Bürgermeister

„Das Ganze ist aber noch nicht spruchreif“, dämpft Oberstaufens Bürgermeister Martin Beckel die Aussicht auf einen schnellen Start solcher Testzentren. Erst müsse noch der Gemeinderat zustimmen. Denn die Pläne sehen vor, dass die Gemeinde das Projekt mitfinanziere. Da gebe es unter den Kommunalpolitikern durchaus Bedenken: Warum solle die Kommune der Tourismus-Branche finanziell unter die Arme greifen?

Industrie-Unternehmen etwa lösen die Finanzierung eigener Teststationen selbst. Auch der Gemeinderat in Oberstdorf begrüßt zwar solche hauptsächlich für den Tourismus eingerichtete Testzentren, sieht die Mitfinanzierung aber kritisch. Der Spitzenferienort müsste dazu von Dezember bis April etwa 200.000 Euro locker machen. Was die Kommunalpolitiker abgelehnt haben. (mit mig)

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