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Bad Wörishofen

03.07.2020

Corona-Schutz bei Europas Marktführer für Wildfleisch

Das Traditionsunternehmen Josef Maier aus Bad Wörishofen verarbeitet jährlich mehrere tausend Tonnen Wildfleisch. Um Corona-Infektionen im Betrieb vorzubeugen, hat die Firmenleitung ein umfassendes Schutzkonzept umgesetzt.
Bild: Melanie Lippl

Plus Virus-Ausbrüche in der Fleischbranche sorgen für Verunsicherung. Bei Josef Maier in Bad Wörishofen will man mit Thermokamera und Regeln für die Unterbringung von Saisonarbeitern Infektionen vermeiden.

Corona-Ausbrüche in der Fleischbranche, allen voran beim Tönnies-Konzern in Nordrhein-Westfalen, haben für Verunsicherung gesorgt. Bei Europas größtem Wildfleischverarbeiter Josef Maier in Bad Wörishofen hat man dagegen schon frühzeitig Vorkehrungen getroffen, um ähnliche Szenarien zu verhindern. Unternehmenssprecher Martin Thoma sagte auf Nachfrage unserer Redaktion, Maier Wild habe bereits zum Beginn der Pandemie „umfangreiche Schutzmaßnahmen in allen Unternehmensbereichen“ ergriffen.

Auf Anordnung der Kontrollbehörden seien zudem bereits am 18. Mai alle Mitarbeiter mittels Rachenabstrich auf eine Corona-Infektion getestet worden, berichtet Thoma. „Mitte Mai fanden auf Weisung des bayerischen Gesundheitsministeriums Corona-Reihentests in allen Schlachthöfen im Freistaat statt, also auch im Unterallgäu“, sagt dazu Stefanie Vögele, die Sprecherin des Landratsamtes Unterallgäu.

Bei Josef Maier hat man sich auch für eventuelle weitere Testungen gerüstet. Diese könnten in Absprache mit den Gesundheitsbehörden erneut durchgeführt werden. Das Unternehmen halte in Bad Wörishofen die nötige Anzahl von Tests vor, um schnell handeln zu können. „Um größtmögliche Sicherheit für alle Mitarbeiter zu gewährleisten, werden neue Mitarbeiter vor ihrem ersten Arbeitstag getestet“, erläutert Thoma. Die Arbeit dürfen sie erst aufnehmen, wenn ein negatives Testergebnis vorliegt.

Der Fleischverarbeiter Josef Maier hält in Bad Wörishofen Corona-Tests für den Ernstfall vor

Maier Wild habe schon zu Beginn der Pandemie dafür gesorgt, dass etwa mit Homeoffice-Lösungen die Belegschaft getrennt und ein zeitversetztes Arbeiten in der Verwaltung möglich wird. Nach wie vor gelte ein allgemeines Besuchsverbot für Externe in der Unternehmenszentrale in Bad Wörishofen.

Dieses Gebot gelte auch für Fahrer von externen Speditionen, wie auch für die eigenen Fahrer, sagt Thoma. In Logistik und Produktion habe man ebenfalls Maßnahmen ergriffen, die durch eigens abgestellte Kontrollpersonen überwacht würden.

Die allgemein gültigen Abstandsregeln müssten eingehalten werden, dazu habe man eine Maximalbelegung von Umkleiden und Sozialräumen festgelegt. Es gelte eine strikte Trennung der Mitarbeiter nach Produktionsbereichen, das gelte auch in Pausenzeiten und in den Wohnbereichen der Mitarbeiter. Auch Josef Maier arbeitet mit Saisonkräften in der Produktion. Für diese gelte, dass die Nutzung von Sanitär- und Toilettenanlagen in den Wohnbereichen auf maximal fünf verschiedene Personen begrenzt seien. Es stünden ausreichend viele Anlagen zur Verfügung, um diese Begrenzung umsetzen zu können, sagt Thoma.

So leben die Saisonarbeiter bei Josef Maier in Bad Wörishofen

Die Quadratmeterzahlen aller Wohneinheiten und die Lebensumstände der Saisonarbeiter entsprächen nach Darstellung Thomas „dem Wohnumfeld einer fünfköpfigen Familie“. Mitte Mai wurde bei Josef Maier zudem eine Thermokamera an der Hygieneschleuse von Produktion und Logistik installiert. „Diese Kamera misst beim Betreten des Gebäudes die Körpertemperatur aller Mitarbeiter aus Produktion und Logistik“, erläutert Thoma. Personen mit erhöhter Temperatur werde der Zutritt ins Gebäude verwehrt. „Die Thermokameras dieser neuesten Generation erkennen die Körpertemperatur mit einer maximalen Abweichung von 0,3 Grad“, sagt Thoma. Unbeantwortet ließ das Unternehmen unter anderem die Fragen nach der Zahl der untergebrachten Arbeiter und der Lage der Unterkünfte, sowie die Frage, ob es im Unternehmen schon Corona-Fälle zu bewältigen gab. Man passe die Maßnahmen den Entwicklungen und Gegebenheiten an, sagte Thoma zum generellen Vorgehen in der Pandemie.

Das Unternehmen Josef Mayer in Bad Wörishofen versteht sich nach wie vor als Familienbetrieb

Das Landratsamt hatte unlängst auf Nachfrage erklärt, eine Auflistung, wie viele Werkarbeiter im Unterallgäu leben, liege nicht vor. Die Ausländerbehörde könne lediglich sagen, dass 20 Personen aus Drittstaaten derzeit im Unterallgäu sind. Wer aus EU-Staaten einreist, wird nicht erfasst.

Hygienepläne für Mitarbeiterunterkünfte seien nicht vorgeschrieben, wären laut dem Unterallgäuer Gesundheitsamt aber durchaus sinnvoll. Zudem teilt die Behörde mit, die Mitarbeiter des Gesundheitsamts hätten nur in begründeten Verdachtsfällen das Recht, diese Unterkünfte zu betreten.

Die Josef Maier GmbH & Co. KG wurde 1973 gegründet. Der Marktführer versteht sich bis heute als Familienbetrieb. Am Standort Bad Wörishofen arbeiten den Angaben zufolge über 100 Mitarbeiter. Nach den letzten öffentlich bekannten Zahlen verarbeitet Maier Wild pro Jahr rund 5500 Tonnen Wild zu Produkten, allein mehr als 2500 Rehe pro Tag. Die Wildprodukte des Unternehmens werden in mehr als zehn Länder exportiert. Das Traditionsunternehmen beliefert Großabnehmer in der Industrie, Großhändler, Gastronomen und Endverbraucher.

Das Thema Werkarbeiter hat man auch im Landratsamt Unterallgäu im Auge:

Corona-Superspreading: Gefahr durch Unterallgäuer Werkunterkünfte?

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